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Kultur

Es farzt die Hexe, es stinkt der Bock

Hexen, Teufel, Feuer und Aberglauben: Die Nacht zum 1. Mai galt den Menschen seit jeher als etwas Besonderes. Im Harz ist es eine Nacht mit besonders vielen Touristen.

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Diese Nacht gehört mir

Im germanischen Kulturkreis galt der 1. Mai in vorchristlichen Zeiten als Beginn des Sommers. Anlass genug, um mit allerlei magischen Riten endgültig den Winter zu vertreiben. Die Christen machten den 1. Mai zum Tag der heilige Walpurga – also zum Tag der Heiligen, die als Beschützerin der Zauberkünste und Patronin für Bauersfrauen und Mägde verehrt wurde. Jahrhundertelang hielt sich der Glauben, dass in der Walpurgisnacht die Hexen auf Besen, Katzen und Ziegenböcken zum Blocksberg, dem Brocken im Harz, reiten, und dort den Teufel persönlich zu einem orgiastischen Fest treffen würden. Noch heute wird die Walpurgisnacht daher auch schlicht Hexennacht genannt.

Ohne Teufel und Hexen geht es nicht

Goethe setzte der Walpurgisnacht in seinem Stück "Faust" ein literarisches Denkmal. "Die Hexen zu dem Brocken ziehn, die Stoppel ist gelb, die Saat ist grün. Dort sammelt sich der große Hauf, Herr Urian sitzt oben drauf. So geht es über Stock und Stein. Es farzt die Hexe, es stinkt der Bock." Und so wie sich die Hauptfiguren Faust und Mephisto einst bei der Hexennacht amüsierten, so sollten es schon im 19. Jahrhundert die Touristen tun.

Und sie kommen bis heute in zunehmendem Maße. Rund um den Brocken hat sich im Harz ein einträgliches Geschäft mit der Walpurgis- oder Hexennacht entwickelt. "Das ist deutschlandweit ein einmaliges Event", sagt Michael Lücke vom Harzer Verkehrsverband. Auch in diesem Jahr werden mehrere zehntausend Menschen erwartet. Ohne Hexen und Teufel geht im weiten Umkreis des Brockens gar nichts in dieser Nacht. Der Ablauf ist in den Orten zumindest grob der gleiche: Es beginnt mit dem Hexentanz, später wird ein großes Feuer entzündet, es werden Trommeln geschlagen, um Mitternacht gibt es ein Feuerwerk. Und dann wird irgendwann die "gute" Nachfolgerin der "bösen" Hexen begrüßt: die heil- und fruchtbarkeitsbringende Mai-Königin.

Salz auf die Schwelle

Mit altem Volksglauben hat dieses Touristenspektakel nur noch wenig zu tun. Früher sollten die Walpurgisfeuer vor den befürchteten Hexereien schützen. Kreuze und Kräuterbündel wurden an die Türen der Häuser genagelt, die Besen mit dem Reisig nach oben aufgestellt, die Kirchenglocken wurden nachts geläutet, die unverheirateten Männer zogen mit lautem Peitschenknallen um die Häuser. Um das Vieh zu schützen, wurde geweihtes Salz auf die Schwellen der Ställe gestreut.

Heutzutage sind die Befürchtungen in der Hexennacht eher etwas anders gelagert. In Berlin kündigen sich die rituellen Krawalle zum 1. Mai meist schon in der Walpurgisnacht mit kleinen Scharmützeln an, und in Süddeutschland enden die "Hexennachtstreiche" nicht selten in massiven Sachbeschädigungen.

Die Verbrennung Baals

Bei den Iren und Schotten wird in der Walpurgisnacht das Fest Beltane gefeiert. Im alten keltischen Kalender ist Beltane der Beginn des Sommers, so wie Samhain (Halloween) der Beginn des Winters ist. Beltane ist nach dem Gott Baal benannt. Auch hier werden Feuer entzündet. Symbolisch wird dort Baal, Bel oder Baldur verbrannt. Die Häuser und Gärten werden üppig mit Blumen geschmückt.

Tipp für Liebende

Und schließlich bietet die Walpurgisnacht dem Volksmund nach eine besondere Chance für Liebende: Wer wissen will, ob der Andere treu ist, pflanze in der Nacht zwei Vergissmeinnicht nebeneinander mit etwas Erde auf einen Stein. Wachsen die beiden Pflanzen aufeinander zu, so ist der Partner treu ergeben. Wer`s glaubt.

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