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Politik

Erzengel Gabriel

Profan kann er also auch sein, der Job des politischen Korrespondenten in der deutschen Hauptstadt. Und gar nicht mal so selten.

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Jens Thurau

"Gleich kommt der Erzengel", scherzt Peter Ditko. Er ist Chef der Deutschen Rednerschule, die einmal im Jahr das „Goldene Mikrofon“ verleiht, einen Preis für die beste politische Rede. Und der Erzengel ist niemand anders als Sigmar Gabriel, der Bundesumweltminister. Der schwergewichtige SPD-Politiker, der so wenig von einem Engel hat, betritt wenige Minuten später das Schiff der Rednerschule, das am Ufer der Spree fest vertäut liegt, nur wenige Meter vom Reichstag entfernt. Er wirkt etwas unkonzentriert und genervt, er hat offenbar mit mehr Journalisten gerechnet. Gerade einmal zehn Exemplare der Spezies Medienmeute haben sich auf dem engen Schiff eingefunden.

Der Minister nimmt Platz und schaut oft auf die Uhr, Ditko hält derweil eine launige Laudatio auf Gabriel, lobt dessen konkrete, verständliche Sprache. Den Preis erhält Gabriel für seine Rede auf dem UN - Klimagipfel auf Bali im letzten Dezember, in der er die USA wegen ihrer zögerlichen Klimapolitik offen kritisierte – in fließendem Englisch – es ist das erste Mal, dass jemand wegen einer englischen Rede das "Goldene Mikrofon" bekommt. Ditko sagt, gute Reden bräuchten vor allem: gute Vorbereitung.

Nie auf der Rednerschule

Dann darf der Erzengel sich bedanken, und er berichtet, er habe die Rede in einen halben Stunde so hin gehauen. Der ursprünglichen Text, den ihm seine Redenschreiber mit nach Bali gegeben hätten, sei viel zu diplomatisch gewesen. Im Übrigen habe er nie eine Rednerschule besucht. Dann schnappt er sich das goldene Mikrofon, posiert für die wenigen Fotografen und verschwindet.

Auch solche Termine gibt es im politischen Berlin. Vor allem an Freitagen um die Mittagszeit, wenn die Politiker das Regierungsviertel für das Wochenende verlassen. So profan kann er also auch sein, der Job des politischen Korrespondenten. Ist im Übrigen gar nicht so selten der Fall...