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Kultur

Erwin Geschonneck mit 101 Jahren gestorben

Der große alte Mann des ostdeutschen Films ist tot. Sein markantes Gesicht und seine 'Berliner Schnauze' kannte in der DDR fast jeder. Als Ghetto-Friseur im Film 'Jakob der Lügner' wurde er auch international bekannt.

Porträt des Schauspielers Erwin Geschonneck im Alter von 100 Jahren (Foto: AP)

Erwin Geschonneck während einer Feierstunde zu seinem 100. Geburtstag im Dezember 2006

Erwin Geschonnecks lange Karriere begann in den 1950er Jahren: Bert Brecht hatte ihn 1949 an sein Berliner Ensemble geholt und setzte ihn viel in großen und auch komischen Rollen ein, so als "Matti" in "Herr Puntila und sein Knecht Matti" oder als Dorfrichter Adam in Heinrich von Kleists "Der zerbrochene Krug".

DDR-Filmstar mit Weltruhm

Erwin Geschonneck spielt den jüdischen Ghetto-Friseur Moishe Kowalski in dem Film Jakob der Lügner (Foto: KPA)

Szenenphoto aus "Jakob der Lügner", in dem Geschonneck den Ghetto-Insasse Moishe Kowalski spielt

Seit den 1960er Jahren sah man ihn mehr in Film und Fernsehen als auf der Bühne. Als Ghetto-Friseur Moishe Kowalski in "Jakob der Lügner", dem einzigen Film der DDR-Filmgesellschaft DEFA, der jemals für einen Oscar nominiert war, wurde er auch international bekannt. Er erhielt mehrfach den DDR-Nationalpreis, 1993 auch den Deutschen Filmpreis für sein Gesamtwerk. 2004 wurde Geschonneck zum Ehrenmitglied der Deutschen Filmakademie ernannt. Seinen letzten Film drehte er 1995 unter der Regie seines Sohnes Matti Geschonneck.

Sechs Jahre in Konzentrationslagern

Erwin Geschonneck wurde 1906 in Ostpreußen in ärmlichen Verhältnissen geboren, seine Familie zieht jedoch bald nach Berlin. Nach der Schule, die er mit 14 verlässt, schlägt sich Geschonneck mit verschiedenen Tätigkeiten durch, beginnt auch schon mit dem Theaterspielen.

Seinen ersten Filmauftritt hat er 1931 als Arbeitersportler in einer Massenszene des proletarischen Kultfilms "Kuhle Wampe". Schon früh engagiert sich Erwin Geschonneck in der Kommunistischen Partei, nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten flüchtet er deshalb in die Sowjetunion, wird aber später ausgeliefert und 1939 in Prag verhaftet. Fast sechs Jahre durchleidet er drei verschiedene Konzentrationslager, kurz vor Kriegsende überlebt er als einer von wenigen den Untergang des Flüchtlingsschiffes "Cap Arcona", das vor der Lübecker Bucht von alliierten Flugzeugen versenkt wird.

Kritischer Genosse

Sein Lebenslauf als langjähriger Genosse und Antifaschist und seine große Popularität als Schauspieler verhalfen Erwin Geschonneck zu einer Position, die es ihm - der nie ein Parteiamt innehatte - ermöglichte, seine Meinung offener und kritischer als andere in der DDR zu äußern. Immer wieder spielte er auch in Filmen mit, die von der DDR-Zensur verboten wurden und versuchte, gegen das dogmatisch verengte Kunstverständnis der Partei eine realistische und menschliche Darstellung zu setzen. Am Mittwoch (12.3.2008) ist Erwin Geschonneck in seiner Wohnung in Berlin gestorben. (rg)