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Wirtschaft

Erweiterung der G20 nötig

Die Finanzkrise hat die G-20-Gruppe aufgewertet, hier wird beispielsweise über eine neue Finanzarchitektur beraten. Trotzdem muss jetzt über eine Erweiterung der G 20 nachgedacht werden, meint Jutta Wasserrab.

Jutta Wasserrab, Wirtschaftsredaktion der Deutschen Welle (Foto: Wasserrab)

Jutta Wasserrab, Wirtschaftsredaktion der Deutschen Welle

Der Finanzkrise sei Dank! Ohne ihr hilfreiches Mittun wären die selbsternannten Platzhirsche der G-8 wohl noch einige Zeit unter sich geblieben, gerade so, als gäbe es die dynamische Wirtschaftsentwicklung der Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien nicht. Zwar wird der "Club der 20" nun zehn Jahre alt, bis zum Finanzkrisenchaos hatten seine Treffen aber ausschließlich auf der Ebene der Finanzminister stattgefunden, spielte also international keine nennenswerte Rolle.

In der Krise aber waren die USA und Europa plötzlich auf die Hilfe der aufstrebenden Wirtschaftsmächte angewiesen. Nur deshalb wurde in Pittsburgh der elitäre Zirkel der acht auf zwanzig erweitert und das Gewicht der Schwellenländer im Internationalen Währungsfonds (IWF) und in der Weltbank gestärkt. Man wollte sichergehen, dass China als größter Gläubiger der USA nichts unternimmt, was den Dollar unter Druck bringen könnte. Außerdem brauchte man China als Absatzmarkt - und dafür wiederum die chinesische Regierung, die den Konsum im Land mit Konjunkturprogrammen anheizt. Indien wird sich, so die Erwartung, durch die Aufwertung der G-20 bei den Verhandlungen zum Klimaschutz und bei der Doha-Runde zur Liberalisierung des Welthandels vielleicht endlich kompromissbereit zeigen, und Saudi-Arabien wird hoffentlich seine Öl-Milliarden verstärkt in die richtige Richtung, also erneuerbare Energien, investieren.

G20 ist nur auf den ersten Blick gerecht

Die Mitglieder der G-20 stehen für 90 Prozent des weltweiten Bruttosozialproduktes, für 80 Prozent des weltweiten Handels und für zwei Drittel der Weltbevölkerung. Wenige Entscheider sitzen also am Tisch, aber viele Menschen werden durch sie vertreten. Auf den ersten Blick sieht das gut aus, allerdings nur auf den ersten Blick. Denn die Mehrheit der Länder - nämlich 172 - stehen außen vor, und ihre Chance in den Club aufzurücken, ist verschwindend gering, weil sie wirtschaftliche Fliegengewichte und deshalb uninteressant sind.

Doch Wirtschaftsmacht darf nicht alleine den Ausschlag dabei geben, wer am runden Tisch entscheiden, wer Themen setzen darf und wer nicht. Vor allem nicht in einer globalisierten Welt, in der die Fehler der einen den anderen schaden. Denn diejenigen, die heute von der G-20 ausgeschlossen sind, sind vor allem die Entwicklungsländer - unter ihnen die Ärmsten der Armen. Sie haben am allerwenigsten zur Finanzkrise beigetragen, sind aber am härtesten von ihr betroffen. Und sie können nur abwarten, was über ihre Köpfe hinweg entschieden wird.

Was ist das richtige Clubformat?

Sicher, einfach ist es nicht, das richtige Clubformat zu finden. Sitzen zu viele Staaten am Tisch, wird die Runde mit allergrößter Wahrscheinlichkeit handlungsunfähig - und dafür sind globale Probleme wie Armut, Klimawandel oder die Finanzkrise zu groß. Ist der Kreis sehr klein, kann er zwar effektiver arbeiten und schneller entscheiden, hat aber gleichzeitig ein schwerwiegendes Legitimitätsproblem.

Es wäre durchaus denkbar, dass parallel zur EU, die ja schon heute als Region in der G-20 vertreten ist, andere Regionen mit am Tisch sitzen, die dann mit je einer Stimme sprechen - beispielsweise die Afrikanische Union oder die ASEAN, der Verband Südostasiatischer Nationen. Und das wäre nur eine mögliche Variante, den 172 ausgeschlossenen Staaten endlich eine Stimme zu geben.

Die Staaten der G-8, die alten, immer noch mächtigen Schwergewichte, sind allerdings Lichtjahre davon entfernt, auch nur im Ansatz an eine solche Erweiterung der G-20 zu denken. Innerhalb der G-20 selbst könnte dies vielleicht anders aussehen. Vielleicht. Zumindest aber müsste der Generalsekretär der UNO endlich aufwachen und der Debatte über eine Erweiterung der G-20 mehr Nachdruck verleihen.

Autorin: Jutta Wasserrab
Redaktion: Zhang Danhong