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Aktuell Europa

Erstmals Kriegsverbrecherin in Bosnien verurteilt

Ein Gericht in Sarajewo hat erstmals eine Frau wegen Kriegsverbrechen im Bosnienkrieg verurteilt. Die ehemalige Soldatin hatte gestanden, an der Hinrichtung von Kroaten beteiligt gewesen zu sein.

Das bosnische Gericht für Kriegsverbrechen in Sarajewo verurteilte die heute 39-jährige Rasema Handanovic wegen ihrer Beteiligung an der Tötung von drei kroatischen Zivilisten und drei Kriegsgefangenen zu fünfeinhalb Jahren Haft. Im April 1993 waren in dem südbosnischen Dorf Trusina insgesamt 22 Kroaten von der Spezialeinheit "Zulfikar" der mehrheitlich muslimischen bosnischen Armee ermordet worden, der Handanovic angehörte. Kroaten und Muslime waren die meiste Zeit des Bosnien-Krieges (1992-1995) im Kampf gegen die Serben verbündet, bekämpften sich jedoch elf Monate lang auch gegenseitig.

Sechs weitere Mitglieder der Spezialeinheit "Zulfikar" müssen sich derzeit vor Gericht in Bosnien wegen der Morde in Trusina verantworten.

Rasema Handanovic (Foto: dapd)

Rasema Handanovic (Archivfoto aus dem Jahr 2011)

Von den USA an Bosnien ausgeliefert

Handanovic hatte vergangene Woche eine Beteiligung an den Taten zugegeben und eingewilligt, gegen die anderen Mitglieder der Einheit auszusagen. Im Gegenzug sicherte ihr die Staatsanwaltschaft eine mildere Strafe zu. Zudem habe man der Angeklagten positiv angerechnet, dass sie sämtliche Beweise bezüglich des Angriffs auf Trusina zugänglich gemacht und gegenüber den Angehörigen der Opfer Reue gezeigt habe. Handanovic war nach dem Krieg in die USA ausgewandert und besitzt auch die US-Staatsbürgerschaft. Im Dezember wurde sie von den Vereinigten Staaten an Bosnien ausgeliefert.

Weibliche Kriegsverbrecherin Plavsic

Die einzige weitere Frau, die bislang wegen Kriegsverbrechen während des Bosnienkrieges verurteilt wurde, ist Biljana Plavsic, die ehemalige bosnisch-serbische Präsidentin, die wegen Vertreibungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vom Internationalen Gerichtshof für das ehemalige Jugoslawien für schuldig befunden wurde. Plavsic war 2003 zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Wegen guter Führung wurde sie nach Verbüßung von zwei Dritteln der Strafe vorzeitig entlassen.

rv/qu (afp, rtre)