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Kultur

Erstmals Embryo aus Hautzellen geklont

US-amerikanische Wissenschaftlicher haben erstmals einen Embryo aus Hautzellen geklont. Sie erhoffen sich damit die Heilung bestimmter Krankheiten. In Deutschland löste dies eine neue Debatte über Stammzellen aus.

Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter injiziert einen Hähnchenembryo in einem Klonprozess, Quelle: AP.

Erstmals wurden nun Embryonen aus erwachsenen Hautzellen geklont

Eine US-Biotechfirma hat nach eigenen Angaben menschliche Embryonen aus Hautzellen von Erwachsenen geklont. Dies berichtet eine Gruppe um Andrew French von der Stemagen Corporation in La Jolla (US-Bundesstaat Kalifornien) in einer Studie, die am Donnerstag (18.1.2008) in der Online-Ausgabe des Fachblatts "Stem Cells" veröffentlicht wurde. Mit dem Verfahren wollen die Forscher menschliche embryonale Stammzellen gewinnen Die Firma erhofft sich mit Hilfe der neuen Technologie Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson heilen oder Organe züchten zu können, die dann kranken Menschen eingesetzt werden können.

Aneinandergereihte Schaufensterpuppen, 25.1.2000, Quelle: dpa.

Wissenschaftler arbeiten am Klonen von Menschen.

Wie bei Dolly

Zur Schaffung der Embryonen wandten die Forscher nach eigenen Angaben die sogenannte SCNT-Technik (Somatic Cell Nuclear Transfer) an. Nach diesem Verfahren war im Jahr 1996 auch das berühmte Klonschaf Dolly zur Welt gekommen.

Bei dem Verfahren wurde zunächst die Eizelle einer jungen Spenderin entkernt. Dann wurde der Kern einer männlichen erwachsenen Hautzelle in diese Hülle verpflanzt. Die darin enthaltenen DNA programmierte die Hülle wieder ein frühes Stadium zurück. Der Kern teilt sich danach und wächst zu einem Embryo heran.

Bei dem Verfahren wurde zunächst die Eizelle einer jungen Spenderin entkernt. Dann wurde der Kern einer männlichen erwachsenen Hautzelle in diese Hülle verpflanzt. Die darin enthaltene DNA programmierte die Hülle wieder in ein frühes Stadium zurück. Der Kern teilt sich danach und wächst zu einer sogenannten Blastozyste, einem Zellhaufen aus dem ein Embryo entsteht, heran.

Aus Stammzellen von wenige Tage alten Embryonen können sich alle Typen von menschlichen Zellen entwickeln. Von den entstandenen Embryonen hat sich allerdings nur ein einziger in Gentests als wirklicher Klon erwiesen. Andere Quellen berichten davon, dass drei Embryonen dieselbe DNA wie die männlichen Spender aufgewiesen hätten. Bei den Tests seien die wenige Tage alten Embryonen zerstört worden.

Neue Debatte über Stammzellen

Die Nachricht löste in Deutschland erneut die Debatte über Forschung mit Stammzellen aus. Das Bundesforschungsministerium erklärte, man werde die Ergebnisse zunächst prüfen. Ein Sprecher von Ministerin Annette Schavan sagte der Freitagsausgabe der "Berliner Zeitung", zudem sei auch klar, "dass therapeutisches Klonen in Deutschland nicht erlaubt ist und dies auch so bleibt".

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Stammzellforschung, Jürgen Hescheler von der Universität Köln, urteilte: "Das ist eine solide durchgeführte Arbeit". Die Veröffentlichung sei jedoch nicht überzubewerten: "Dass die Methode im Prinzip funktioniert, hat man bei vielen Säugetieren gezeigt. Sie auf den Menschen zu übertragen, ist eigentlich nur eine technische Frage." Der SPD-Experte Wolfgang Wodarg nannnte die Ergebnisse ethisch bedenklich. "Das Klonen von Menschen ist ein Horrorszenario", sagte er der Zeitung. Die Politik müsse der Forschung klare Grenzen setzen. Er hoffe, dass sich die Befürworter einer Liberalisierung des Stammzellgesetzes besinnen und von ihrem Plan Abstand nehmen.

Menschliche Stammzellen, 20.11.2007, Quelle: AP Photo/Shinya Yamanaka.

Humane Stammzellen.

Unterdessen wurde auch bekannt, dass die britische Regulierungsbehörde für die Stammzellenforschung die Schaffung von Embryonen aus menschlichen und tierischen Zellen genehmigen will. Zwei entsprechende Projekte von Universitäten seien bewilligt worden, teilte die Human Fertilisation and Embryology Authority (HFEA) am Donnerstag mit.

Die Anträge erfüllten alle gesetzlichen Voraussetzungen, teilte die HFEA mit. Wissenschaftler vom Londoner King's College sowie von der Universität Newcastle dürfen nun "zytoplasmatische" Embryonen züchten, die aus der Verbindung menschlicher DNA mit tierischen Eizellen hervorgehen. Genehmigungen der Vorhaben sind jeweils auf ein Jahr befristet. (mop)

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