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Kultur

Erstmals Affe geklont

Forscher in den USA haben erstmals embryonale Stammzellen aus Primaten geklont. Damit rückt auch die Möglichkeit einer Anwendung beim Menschen näher, um schwere Krankheiten behandeln zu können. Doch es gibt auch Kritik.

Fünf Affen sitzen hintereinander auf einem Holzblock, dahinter ein Käfiggitter (Quelle: AP)

Zum ersten Mal sind Rhesusaffen geklont worden (Archivbild)

Erstmals in der Geschichte der Gentechnik ist es Forschern gelungen, einen Affen-Embryo zu klonen und daraus Stammzellen zu gewinnen. Wie das britische Fachmagazin "Nature" am Mittwoch (14.11.2007) auf seiner Internetseite berichtete, schufen Forscher um den russischen Wissenschaftler Shoukhrat Mitalipov an der University in Beaverton (US-Bundesstaat Oregon) aus dem geklonten Erbgut eines zehnjährigen Rhesus-Affen identische embryonale Stammzelllinien. Sie wandten dieselbe Methode an, mit der auch das Klonschaf Dolly erzeugt wurde. Die Methode könnte prinzipiell auch für therapeutische Zwecke beim Menschen eingesetzt werden.

Bild von Schafskopf (Quelle: AP)

1996 klonten Forscher in Schottland mit dem Schaf 'Dolly' zum ersten Mal ein Säugetier

Das Schaf Dolly, das erste geklonte Tier der Welt, war 1996 geboren worden. Die Technik, mit der Dolly geschaffen wurde, wird somatischer Zellkern-Transfer (SCNT) genannt: Einer Säugetier-Eizelle wird der Kern - und damit die Erbinformationen - entnommen. An seine Stelle wird ein Zellkern des Tieres eingeführt, das geklont werden soll. Die neu zusammengebaute Eizelle wird dann in eine Nährlösung gegeben und mit Stromimpulsen behandelt, um sie zur Teilung anzuregen. Ist der entstehende Zellklumpen groß genug, wird er in den Uterus der Ersatzmutter eingepflanzt.

Zum ersten Mal Primaten geklont

Nach Dolly klonten Forscher auch Pferde, Rinder, Schafe, Mäuse, Ratten, Hasen, Katzen, Hunde und andere Säuger. Die Erfolgsrate ist aber bis heute gering: Nur bei einigen wenigen von teils tausenden Versuchen kommen lebende Tiere zu Stande. Das Klonen von Primaten war bislang nicht gelungen, bisherige Versuche brachten teils stark deformierte Zellen hervor. Die Versuche mit Affen waren zudem ethisch umstritten, nach Ansicht von Kritikern könnten sie dem reproduzierenden Klonen von Menschen Vorschub leisten.

Das Team um Mitalipov entnahm nach eigenen Angaben Zellkerne aus Hautzellen eines männlichen Rhesus-Affen und pflanzte sie in mehr als 300 Eizellen weiblicher Tiere ein. In 35 Fällen seien daraus Embryonen in einem sehr frühen Stadium entstanden. Ein Affen-Baby wurde nicht geboren. Aus den Embryonen wurden zwei embryonale Stammzelllinien gewonnen, die sich selbst teilen konnten. Es sei somit gelungen, aus adulten Primaten-Stammzellen embryonale Stammzellen zu gewinnen, schrieben die Autoren. Therapeutisches Klonen bei Primaten sei also konzeptuell möglich.

Einsatz beim Menschen?

Das Ergebnis weckt nun Hoffnungen, dass schon bald menschliche embryonale Stammzellen gewonnen werden können, um etwa verletztes Gewebe zu behandeln. Mit maßgeschneiderten embryonalen Stammzellen hoffen Mediziner, einmal schwer kranke Patienten behandeln zu können. Embryonale Stammzellen können alle Gewebearten des Organismus bilden. Maßgeschneiderte Stammzellen sollen vom Empfänger nicht abgestoßen werden.

Dass die DNA der embryonalen Stammzelllinien im vorliegenden Fall tatsächlich identisch mit dem Erbgut des Affen war, wurde laut "Nature" von einem Team der australischen Monash-Universität überprüft. Die Klonforschung hatte in der Vergangenheit mehrere Skandale zu überstehen: In Misskredit wurde sie vor allem durch den südkoreanischen Forscher Hwang Woo Suk gebracht. Dieser verkündete 2004, Stammzellen aus geklonten Embryos gewonnen zu haben. Seine Ergebnisse wurden jedoch als Fälschung entlarvt. "Nature" veröffentlichte die Studie am Mittwoch früher als geplant. Die Zeitschrift begründete dies mit den "fortdauernden Spekulationen" über die Resultate der US-Forscher.

Kritische Reaktionen

Die Ankündigung des erfolgreichen Affen-Klonierens rief auch kritische Reaktionen hervor: Wissenschaftler in aller Welt könnten sich nun versucht fühlen, ein geklontes Baby zu erschaffen, sagte Helen Wallace von der britischen Organisation "Genewatch". Zwar sei das Klonen zu Zwecken der Fortpflanzung in Großbritannien per Gesetz verboten, "in anderen Ländern dieser Welt gibt es aber keine juristischen Schranken". (rri)

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