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Aktuell Europa

Erstmals 50.000 Flüchtlinge in Griechenland

Am Morgen kamen noch einmal mehr als 1600 Migranten auf den Inseln in der Ägäis an - und das trotz drohender Rückführung in die Türkei. Die Athener Regierung wartet noch immer auf die versprochene Hilfe.

Auch nach dem Inkrafttreten des Flüchtlingsabkommens zwischen der Europäischen Union und der Türkei hält der Zustrom von Migranten nach Griechenland an. Zum Wochenbeginn stieg dort die Zahl der Flüchtlinge erstmals über 50.000 an. Der Krisenstab sprach exakt von 50.411 Zuwanderern. Allein im improvisierten Grenzlager Idomeni sitzen demnach unverändert mindestens 12.000 Asylsuchende fest. In der Nacht zum Montag waren noch einmal 1662 Menschen von der türkischen Küste auf die griechischen Inseln in der Ägäis übergesetzt.

Die griechische Küstenwache rettete etwa 100 Menschen, die in Seenot geraten waren. Laut der Athener Behörde für Einwanderungspolitik (SOMP) konzentrierten sich die Neuankömmlinge auf die Inseln Chios und Lesbos, auf denen 830 beziehungsweise 698 Flüchtlinge eintrafen. Danach ebbte die Bewegung zunächst ab.

Am Vortag waren nach offiziellen Angaben noch 875, am Samstag knapp 1500 neue Flüchtlinge eingetroffen, offenbar in der Hoffnung, noch in letzter Minute durchzukommen, bevor die Neuregelungen wirksam werden.

Giorgos Kyritsis, Ex-Bürgermeister von Kos und Flüchtlingsbeauftragter der Regierung Griechenlands (foto: AP)

Flüchtlingsbeauftragter Kyritsis wartet noch immer auf Hilfe der EU-Partner

Das Anhalten der Flüchtlingsbewegung sei ein "objektives Problem", klagte der griechische Behördenleiter Giorgos Kyritsis. Er zeigte sich gleichermaßen frustriert über die Reaktionen von EU und Türkei.

Die von der Regierung erwartete personelle Verstärkung aus anderen EU-Staaten blieb bislang aus. Die aktuelle Situation verlange eine "dringliche Reaktion", sagte Kyritsis. Insgesamt sollen 4000 zusätzliche Einsatzkräfte für die Bearbeitung der Flüchtlingsproblematik mobilisiert werden.

Klage auch über die Türkei

Kyritsis verwies gleichzeitig darauf, dass sich die türkische Seite verpflichtet habe, die Abreise der Flüchtlinge einzudämmen. Das Abkommen zwischen EU und Türkei, das in der Nacht zum Sonntag in Kraft getreten war, sieht vor, dass die Türkei irregulär nach Griechenland gelangende Flüchtlinge zurücknehmen muss. Für jeden in die Türkei zurückgebrachten syrischen Flüchtling will die EU einen anderen Flüchtling aus Syrien aufnehmen.

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Syrische Flüchtlinge in der Sackgasse

Die Bundesregierung verteidigte den Deal mit der Türkei noch einmal und bat um Geduld bei der Umsetzung. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere zeigte Verständnis für die Startprobleme in Griechenland. Man werde dabei helfen, diese riesige Herausforderung zum Erfolg zu führen. Deutschland und Frankreich haben gemeinsam je bis zu 200 Polizeibeamte für die Grenzschutzagentur Frontex und bis zu 100 Asylexperten zugesagt. Beide Länder wollen damit in der EU mit gutem Beispiel vorangehen.

Auf der Route von der Türkei über Griechenland und den Balkan waren im vergangenen Jahr schätzungsweise 850.000 Flüchtlinge nach Nordwesteuropa gelangt. In der Türkei halten sich derzeit fast drei Millionen Flüchtlinge auf, von denen viele nach Europa gelangen wollen.

Angesichts des EU-Türkei-Abkommens und der faktischen Blockade der Westbalkanroute wird jetzt befürchtet, dass sich Schleuser und Flüchtlinge neue Wege etwa über Osteuropa, von Griechenland und Albanien nach Italien und wieder direkt über das Mittelmeer suchen werden.

SC/fab (afpe, dpa, rtr)

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