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Aktuell Welt

Erster Weltkrieg: "Wir sind wie gelähmt"

Erinnern an blutige Gefechte in Schützengräben, die ersten Toten und die anonymen Opfer: Mitten in neuen unruhigen Zeiten wird mit mehreren Veranstaltungen des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren gedacht.

Bundespräsident Joachim Gauck erinnert an diesem Sonntag gemeinsam mit dem französischen Präsidenten François Hollande im Elsass an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Die beiden Staatsoberhäupter werden am Vormittag die Nekropole am Hartmannsweilerkopf in den südlichen Vogesen besuchen, wo etwa 12.000 Soldaten aus beiden Ländern bestattet sind. Anschließend wollen sie den Grundstein für eine deutsch-französische Gedenkstätte mit Geschichts-Parcours legen, die 2017 eröffnet werden soll. Bei den Gefechten in den Schützengräben des 956 Meter hohen Hartmannsweilerkopfes wurden 1915 und 1916 zwischen 20.000 und 30.000 deutsche und französische Soldaten getötet.

Frankreichs Staatschef François Hollande und Bundespräsident Joachim Gauck (Foto: Reuters)

François Hollande und Joachim Gauck

Am 3. August 1914 hatte das Deutsche Reich Frankreich den Krieg erklärt. Angesichts der aktuellen Konflikte in Nahost und um die Ukraine wird erwartet, dass Gauck ebenso wie Hollande dazu aufrufen, Lehren aus der Katastrophe des Ersten Weltkriegs zu ziehen. Am Montag nimmt der Bundespräsident dann in Belgien an der zentralen Gedenkfeier zum 100. Jahrestag des Kriegsausbruchs teil. Dazu werden Repräsentanten von etwa 30 Staaten erwartet.

Gedenkakt der Kriegsgräberfürsorge

Bereits am Samstag war mit mehreren Veranstaltungen des Kriegsbeginns gedacht worden. Im französischen Metz-Chambière fand eine Gedenkakt des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge statt. Verbandspräsident Markus Meckel rief in einer Rede die Europäische Union dazu auf, sich bei Konflikten deutlicher zu Wort zu melden. Noch stärker als bisher müsse es auf das gemeinsame Handeln der EU ankommen, hinter dem nationale Einzelinteressen zurückzustehen hätten. "In der Ukraine, in Syrien und im Nahen Osten sterben Menschen wie hier vor einhundert Jahren", so Meckel. Es sei vollkommen inakzeptabel, wenn Russland die Krim okkupiere und ein ziviles Flugzeug abgeschossen werde. "Wir erleben einen nicht erklärten Krieg in der Ostukraine - und sind wie gelähmt."

Die Kriegsgräberstätte Metz-Chambière entstand bereits 1870. Kriegstote aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland, Italien, Österreich-Ungarn und Belgien wurden dort bestattet. Sie waren Opfer des Krieges 1870/71, des Ersten und des Zweiten Weltkrieges.

Schusswechsel nachgestellt

Schauspieler in alten französischen Militäruniformen beim Gedenken an den französischen Gefreiten André Peugeot - den ersten Toten des Ersten Weltkrieges (Foto: Getty Images/Afp/Sebastien Bozon)

Schauspieler in alten französischen Militäruniformen beim Gedenken an André Peugeot - den ersten Weltkriegstoten

Im ostfranzösischen Joncherey bei Belfort wurde ein Schusswechsel nachgestellt, bei dem am 2. August 1914 - und damit am Tag vor der offiziellen Kriegserklärung Deutschlands - ein französischer Gefreiter und ein deutscher Leutnant getötet worden waren. Zu der Gedenkzeremonie reiste eine Delegation aus Magdeburg an, der Heimatstadt des deutschen Leutnants Albert Mayer. Für den französischen Gefreiten André Peugeot wird in Joncherey alljährlich eine Gedenkfeier organisiert. Erstmals nahmen nun zum 100. Jahrestag auch Angehörigen der Familie Mayer daran teil.

Die Hintergründe des damaligen Schusswechsels wurden nie vollständig aufgeklärt. Eine deutsche Patrouille war auf französisches Gebiet vorgedrungen. Peugeot wurde bei dem folgenden Schusswechsel sofort getötet, Mayer ritt verletzt davon und wurde von weiteren Schüssen tödlich getroffen.

Eis-Skulpturen erinnern an Vergänglichkeit der Menschen

In Birmingham setzte die brasilianische Installationskünstlerin Nele Azevedo ein vergängliches Denkmal für die Toten des Ersten Weltkriegs: Zusammen mit örtlichen Helfern platzierte sie mehr als 5 000 Eis-Skulpturen auf den Stufen eines zentralen Platzes in der mittelenglischen Stadt (Artikelbild). Die etwa 20 Zentimeter hohen Figuren schmolzen in rund eineinhalb Stunden. Mit dem Projekt "Minimum Monument" wollte Azevedo die zahlreichen anonymen Kriegsopfer ehren und zugleich an die Vergänglichkeit der Menschen erinnern.

sti/kle (AFP, dpa, epd)