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Aktuell Nahost

Erster Staatsbesuch im Gazastreifen

Seit ihrer gewaltsamen Machtübernahme im Gazastreifen vor fünf Jahren ist die Hamas politisch isoliert. Jetzt hat der Emir von Katar die radikalislamische Organisation mit einem Gaza-Besuch aufgewertet.

Großer diplomatischer Erfolg für die Hamas: Der Emir von Katar hat den Gazastreifen als erstes Staatsoberhaupt seit der Machtergreifung der radikalislamischen Organisation vor fünf Jahren besucht. Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani, der ein traditionelles weißes Männergewand trug, wurde in dem verarmten Palästinensergebiet am Mittelmeer begeistert empfangen. Seit 2007 hat Israel den Gazastreifen abgeriegelt, um so die Hamas zu isolieren.

Der Emir kommt als Wohltäter

Der Staatschef von Katar bringt den Bewohnern des Gazastreifens üppige Gastgeschenke in Form von humanitärer Aufbauhilfe mit: Für den Bau von Straßen, Wohnhäusern und eines Krankenhauses stellt das Emirat umgerechnet 300 Millionen Euro bereit.

Der Besuch al-Thanis sei ein "historisches Ereignis", sagte der Hamas-Führer Ismail Hanija, der seinen aus Ägypten einreisenden Gast am Grenzübergang Rafah auf dem roten Teppich empfing. Nun sollten andere arabische Staatschefs diesem Beispiel folgen, so Hanija.

Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani wird von Hamas-Ministerpräsident Ismail Hanija auf dem roten Teppich empfangen. (Foto: Reuters)

Erster Staatsbesuch im Gazastreifen überhaupt: Emir al-Thani und Ministerpräsident Hanija

Kritik von den gemäßigten Palästinensern und Israel

Der vierstündige Besuch des Scheichs dürfte der Hamas in ihrem Konkurrenzkampf mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas nützen. Der vom Westen unterstützte Abbas hatte vor der Reise Bedenken angemeldet und in einem Telefongespräch mit dem Staatsoberhaupt von Katar betont, der international anerkannte Vertreter der Palästinenser zu sein.

Israel kritisierte den Besuch scharf. Es sei merkwürdig, dass der Emir sich auf die Seite der Hamas schlage, die für Gewalt stehe, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Jerusalem. "Sein Geld wird nicht Palästinensern und Israelis dabei helfen, in Frieden zu leben, sondern in den Taschen der korrupten Hamas-Leute enden", sagte Sprecher Jigal Palmor.

Nach Ansicht von Beobachtern könnte al-Thani mit dem Besuch auch das Ziel verfolgen, die im Westen als terroristische Organisation eingestufte Hamas dem iranischen Einfluss zu entziehen.

Spannungen nach Anschlag

Kurz vor der Ankunft des Emirs im Gazastreifen war ein israelischer Soldat am Grenzzaun durch einen Anschlag schwer verletzt worden. Ob Israel trotz des Besuchs militärisch auf diesen Zwischenfall reagieren würde, war zunächst unklar. Die Beziehungen zwischen Jerusalem und Katar gelten als gut. In der Vergangenheit hatte Staatschef al-Thani sich auch mit führenden israelischen Politikern getroffen und zwischen den verfeindeten palästinensischen Fraktionen vermittelt.

re/GD/mak/uh (rtr, dpa, dapd)