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Politik

Erster Schritt in Richtung Frieden

Sierra Leone wählt. Die Abstimmung gilt als Test für den Frieden nach zehn Jahren Bürgerkrieg. In den Nachbarländern hoffen zahlreiche Flüchtlinge auf ihre Rückkehr.

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Die Vereinten Nationen wachen über die Wahlen in Sierra Leone

Die Bevölkerung hängt gebannt an den Radioempfängern. Der Sender "Radio Unamsil" verkündet regelmäßig den aktuellen Stand der Auszählung - dann sind auf den Straßen vereinzelt Freudenschüsse zu hören: Die Zahlen weisen auf einen Erdrutschsieg der regierenden Sierra Leone People´s Party (SLPP) hin. 2,3 Millionen Wähler waren wahlberechtigt, und zur allgemeinen Überraschung war die Wahlbeteiligung nach vorläufigen Schätzungen mit mindestens 80% sehr hoch.

Wahl ohne Zwischenfälle

Nach den schweren Krawallen in der Hauptstadt Freetown am Vorabend der Wahlen waren ähnliche Zwischenfälle am Wahltag befürchtet worden. Zwar gab es einige Unregelmäßigkeiten, etwa doppelte Stimmabgabe und die Missachtung der Altersgrenze, aber die Wahlen verliefen nach Aussagen von Wahlbeobachtern weitgehend störungsfrei. Unregelmäßigkeiten in den Wahllokalen hielten sich im Rahmen. Lloyd Anxworthy, Wahlbeobachter und ehemaliger kanadischer Außenminister, sagte, die sporadischen Vorfälle würden die Legalität der Wahl nicht in Frage stellen. Johan van Hecke, der Leiter des europäischen Wahlbeobachter-Teams, sprach gar von einem "Wunder".

Neun Kandidaten bewarben sich um das höchste Staatsamt und ebenso viele Parteien um die 80 Parlamentssitze. Im ersten Wahlgang um die Präsidentschaft benötigt der Sieger 55 Prozent der Stimmen. Und eine Partei braucht zumindest 12,5 Prozent der gültigen Stimmen, um überhaupt die Grundbedingung zu erfüllen, ins Parlament einzuziehen.

Der amtierende Präsident ist Favorit

Siegchancen werden aber nur dem amtierenden Präsidenten Ahmad Tejan Kabbah und seiner Partei Sierra Leone People´s Party (SLPP) und Ernest Koroma von der All People´s Congress (APC) eingeräumt. Nach vorläufigen Ergebnissen könnte Ahmad Tejan Kabbah bereits in der ersten Runde im Amt bestätigt worden sein. Denn er liegt mit großem Abstand vor seinem schärfsten Konkurrenten Ernest Koroma. Nach ersten Auszählungen wird seine Partei fast zwei Drittel der Stimmen erhalten.

Sollten sich die Anzeichen für das schlechte Abschneiden der Partei Revolutionary United Front Party (RUFP) bestätigen, hätten sich die Wähler weitaus klüger verhalten als erwartet. Die Partei der ehemaligen Rebellenbewegung Revolutionary United Front (RUF) hat den 10-jährigen Bürgerkrieg wesentlich mit zu verantworten.

Armut trotz reicher Rohstoffe

Sie RUFP übernahm auch die Diamantenminen, die Haupteinnahmequelle des Landes. Doch Sierra Leone ist trotz seines Diamantenreichtums einer der ärmsten Staaten der Welt. Im Bürgerkrieg starben mehrere zehntausend Menschen. Dennoch war die RUFP davon überzeugt, noch immer viele Anhänger zu haben.

Kommt es zur Stichwahl um die Präsidentschaft, hält Ahmad Tejan Kabbah alle Trümpfe in der Hand. Denn er genießt auch das Vertrauen der internationalen Gemeinschaft, mit ausländischer Hilfe das zerstörte Land wieder aufbauen zu können.