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Asien

Erster Samsung-Tycoon muss wegen Korruption hinter Gitter

Samsung-Erbfolger Lee Jae-yong ist zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Um das Tagesgeschäft muss sich Südkoreas mächtigstes Unternehmen vorerst dennoch keine Sorgen machen. Fabian Kretschmer aus Seoul.

Für südkoreanische Medien war es der "Prozess des Jahrhunderts". Mit Samsung-Erbfolger Lee Jae-yong stand heute schließlich nicht weniger als der nach dem Präsidenten zweitmächtigste Mann des Landes auf der Anklagebank. Vom Seouler Gerichtshof wurde er nun zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren verurteilt.

Bestechung, Veruntreuung und Meineid

Der 49-jährige Lee wurde unter anderem in den Anklagepunkten Bestechung, Veruntreuung und Meineid für schuldig gesprochen. Sein Urteil ist Teil eines massiven Korruptionsskandals, der bereits zur Amtsenthebung und Untersuchungshaft von Ex-Präsidentin Park Geun-hye geführt hat. Unter anderem soll Samsung umgerechnet 34 Millionen Euro als getarnte Spenden an eine enge Vertraute von Park gezahlt haben. Ein Teil des Geldes führt in den Obertaunus in Deutschland, wo Parks Vertraute zeitweise eine dubiose Sportstiftung gegründet hatte. Im Gegenzug für die Zahlungen soll Lee Jae-yong die Regierungsgenehmigung für eine umstrittene Fusion von zwei Tochterfirmen erhalten haben. Diese hat wiederum den Machtbereich der Samsung-Familie auf den Konzern erhöht.

Südkorea Anhörung Lee Jae-yong (picture-alliance/dpa/J. Heon-Kyun)

(Archiv) Lee bei der Anhörung vor Gericht 2016

"Die Crux in diesem Fall ist die betrügerische Komplizenschaft zwischen politischen und wirtschaftlichen Kräften", heißt es in der Urteilsbegründung. Die Richter gehen jedoch davon aus, dass Lee die damalige Regierung nicht pro-aktiv um Gefälligkeiten ersucht habe. Vielmehr habe er die Forderung von Ex-Präsidentin Park Geun-hye passiv akzeptiert.

Auswirkung auf Prozess um Präsidentin Park

Insofern hat das heutige Urteil massiven Einfluss auf den Prozess von Park, deren Aussicht auf einen Freispruch sich deutlich verringert hat. Parks konservative Anhänger - vorwiegend Senioren mit Südkorea-Flaggen - haben sich zu Dutzenden vor dem Gericht versammelt. Nach der Urteilsverkündigung brachen viele in Tränen aus. Ein Mann mit Megafon beschimpfte die Richter als "blöd und unvernünftig".

"Das heutige Urteil wird außerhalb Koreas keinen allzu großen Einfluss haben", glaubt Samsung-Experte Geoffrey Cain, der für eine Buchrecherche in den letzten Jahren rund 300 Samsung-Manager interviewt hatte. "Die Rückrufaktion des Galaxy Note 7 war wesentlich schlimmer für die Firma als das Urteil am Freitag", sagt Cain. Solange das kürzlich auf den Markt präsentierte Galaxy 8 sich gut verkaufe, müsse sich Samsung nicht weiter um seine unmittelbare Zukunft sorgen.

Samsung Südkorea (picture alliance/dpa/D.Kalker)

Samsung bleibt weiterhin Marktführer bei Smartphones, Speicherchips und Fernsehern

Weiterhin Weltmarktführer

Tatsächlich konnte Samsung im letzten Geschäftsquartal mit Rekordgewinnen punkten - Lee saß damals bereits in Untersuchungshaft. Derzeit ist Samsung Weltmarktführer bei Smartphone, Fernsehern und Speicherchips. Die Verurteilung von Lee Jae-yong bezeichnet Cain zynisch als "Initiationsritus": "Irgendwie gehört das für einen Chaebol-Vorstand dazu".

Tatsächlich sind viele von Lees engen Verwandten verurteilte Wirtschaftskriminelle, allen voran sein Vater Lee Kun-hee, der zwar seit 2014 im Koma liegt, aber auf dem Papier noch immer das Unternehmen führt. Bislang jedoch wurden die meisten südkoreansichen Unternehmensvorstände auch bei Kapitalverbrechen zu milden Strafen verurteilt, die noch vor dem Gefängnisantritt aufgehoben wurden. Bei der Begründung hatte sich das Gericht bisher meist auf das volkswirtschaftliche Interesse berufen. Bei einem Urteil von über drei Jahren ist dies jedoch im südkoreansichen Rechtssystem nicht möglich. Sollte das Urteil vom Freitag der möglichen Revision standhalten, dann muss der Samsung-Prinzling Lee defintiv hinter Gitter.

Moon will Chaebol-Reform

Für Südkorea ist dies ein überaus bedeutungsschweres Urteil. Samsung generiert fast ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts, kein anderes Unternehmen ist stärker mit dem rasanten Wirtschaftsaufschwung des Landes verbunden wie Samsung. Während Samsung im Ausland vor allem für seine Smartphones bekannt ist, ist das Unternehmen in seinem Heimatland auch der größte Lebensversicherer, betreibt einen Vergnügungspark, baut Wohnungen, stellt Kreditkarten aus und führt Einkaufshäuser und Lebensmittelunternehmen.

Südkorea PK Moon Jae-in (Reuters/Jung Yeon-Je)

Südkoreas Präsident Moon Jae-in

Die öffentliche Stimmung in Südkorea gegenüber den großen familiengeführten Konglomeraten hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Während früher der Stolz auf die wirtschaftlichen Errungenschaften überwog, sind besonders junge Südkoreaner über die korrupten Machenschaften von Samsung und Co. erzürnt. Im Wahlkampf um den Präsidentenposten von Mai galt eine mögliche Chaebol-Reform als wichtigstes Thema, weit vor Nordkorea.

Vor allem der linksgerichtete Moon Jae-in, der schließlich mit großem Vorsprung zum Präsidenten gewählt wurde, konnte mit seiner harten Vorgehensweise gegen Chaebols punkten. Immer wieder hat sich Moon gegen die Privilegien der Unternehmensvorstände ausgesprochen, ebenso möchte er Steuerschlupflöcher und Intransparenz stoppen. Noch muss er beweisen, ob er seine Versprechen auch in die Tat umzusetzen kann.

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