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Fokus Südosteuropa

Erster Präsident Mazedoniens gestorben

Kiro Gligorov ist am Abend des 1. Januar im Alter von 94 Jahren in Skopje gestorben. Der Mann, der als politisches Urgestein galt, war der erste Präsident des unabhängigen Mazedonien und amtierte von 1991 bis 1999.

Kiro Gligorov, mazedonischer Ex- Präsident, gestikulierend (Foto: DW)

Kiro Gligorov gilt als großer Staatsmann

Gligorovs Verdienst ist es, 1991 Mazedonien in die Unabhängigkeit geführt zu haben. Dabei gelang es ihm, die kleine Teilrepublik der früheren, zerfallenden jugoslawischen Föderation aus den kriegerischen Auseinandersetzungen der einstigen Bruderstaaten heraus zu halten. "Er war ein Patriot und echter Staatsmann. Sein Engagement für die Unabhängigkeit Mazedoniens führte zum friedlichen Übergang der Jahre 1990 und 1991. Seine stabile Führung war eine Inspiration für Mazedonien, das enorm schwierige Zeiten durchlebte", hieß es in der schriftlichen Erklärung der US-Staatssekretärin Hillary Clinton. Sie bezeichnete den verstorbenen Präsidenten als "Anführer" mit "Visionen für sein Land, die immer noch als Vorbild für Mazedonien und die Region dienen".

Anerkennung für den Staatsmann

Kiro Gligorov inmitten von Menschen vor dem Mikro (Foto: Dnevnik)

Historischer Moment: Präsident Gligorov in Skopje bei der Unabhängigkeitsfeier

Auch aus Brüssel kamen Reaktionen auf den Tod des früheren Staatsmanns. "Er führte das Land auf einen neuen Weg und traf wichtige Entscheidungen zu Gunsten des Volkes", betonen in der gemeinsamen Erklärung die EU-Außenkommissarin Catherine Ashton und EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle. Bundesaußenminister Guido Westerwelle schrieb in seinem Kondolenzschreiben: Präsident Gligorov habe sich sehr um die Unabhängigkeit Mazedoniens verdient gemacht und entscheidend zu einer friedlichen Entwicklung in den ersten zehn Jahren der Unabhängigkeit beigetragen. Dank seines hohen Ansehens habe er die internationale Bedeutung des mazedonischen Staates geprägt.

Walter Kolbow, früherer Staatssekretär in dem deutschen Verteidigungsministerium und Vorsitzender der Deutsch-Mazedonischen Gesellschaft, hob gegenüber der Deutsche Welle hervor: Gligorov war "ein großer Präsident, der dazu beigetragen hat, dass sich die unterschiedlichen Ethnien (die Albaner und Mazedonier) untereinander verstehen und friedlich zusammenleben." Kondolenzschreiben kamen auch von führenden Politikern aus der Region.

Glänzende Politikkarriere

Tauergemeinde beim Begräbnis von Kiro Gligorov 3. Januar 2012 in Skopje

Begräbnis von Kiro Gligorov in Skopje

Geboren am 3. Mai 1917 in Stip, studierte Gligorov Jura in Belgrad. Vor dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er als Anwalt, bevor er sich während des Krieges der Partisanen-Bewegung anschloss. Nach dem Krieg beteiligte er sich an der Gründung der kommunistischen Teilrepublik Mazedonien. Es folgte eine steile politische Kariere im damaligen Jugoslawien. Gligorov war Finanzminister, Parlamentspräsident, Mitglied der kollektiven Staatspräsidentschaft sowie Mitglied des Präsidiums des Zentralkomitees des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens. Aus der jugoslawischen Politik zog er sich 1987 zurück, um später bei der Unabhängigkeit des Landes mitzuhelfen. Am 27. Januar 1991 wählte das mazedonische Parlament den damals 74-jährigen Gligorov zum Staatspräsidenten. Am 3. Oktober 1995 wurde ein Attentat auf ihn verübt. Schwer verletzt überlebte Gligorov, verlor dabei jedoch ein Auge. Die Täter und Motive sind bis heute nicht bekannt. Von der politischen Bühne verabschiedete er sich im November 1999.

Seinem eigenen und dem Wunsch seiner Familie entsprechend wurde Kiro Gligorov am 3. Januar 2012 ohne Staatszeremonie in Skopje beigesetzt.

Autor: Zoran Jordanovski
Redaktion: Mirjana Dikic