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Fokus Osteuropa

Erster mazedonischer Angeklagter nach Den Haag überstellt

Das UN-Kriegsverbrechertribunal hat erstmals gegen zwei Mazedonier Anklage erhoben: Ex-Innenminister Ljube Boskovski und der Leiter einer Polizeieinheit sollen albanische Zivilisten ermordet haben.

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Ljube Boskovski soll aus kroatischer Haft an den ICTY ausgeliefert werden

Johan Tarculovski ist der erste mazedonische Staatsbürger, der sich seit Mittwoch (16.3.) in Haft des UN-Kriegsverbrechertribunals in Scheveningen befindet. Gegen den ehemaligen Fahrer und Leibwächter des tragisch verunglückten mazedonischen Präsidenten Boris Trajkovski hat der Internationale Gerichtshof ICTY Anklage erhoben. Tarculovski wird beschuldigt, während des bewaffneten Konflikts in Mazedonien 2001 Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt zu haben. Genauer gesagt, bei einer Aktion der Polizeikräfte im Dorf Ljuboten bei Skopje, wo Zivilisten der albanischen Volksgruppe getötet wurden. Laut Anklageschrift hat Tarculovski im Fall Ljuboten gegen Kriegsgesetze und –bräuche verstoßen. Mitangeklagt ist auch der ehemalige mazedonische Innenminister Ljube Boskovski.

Der ICTY führt in seiner umfassenden Anklageschrift an, dass Boskovski als Minister zu dieser Zeit von den Ereignissen in Ljuboten wusste. Er habe allerdings nicht unternommen, um die Verbrechen zu verhindern oder die Täter zu bestrafen, die unter seinem Kommando gestanden hätten – so etwa auch Tarculovski. Boskovski trage die Befehlsverantwortung für die Ermordung von sieben Zivilisten der albanischen Volksgruppe, und Tarculovski, dessen Einheit sich an der Aktion beteiligte, habe die Straftat ausgeführt.

Ehemaliger Innenminister negiert Verantwortung

Ljube Boskovski befindet sich im Augenblick im kroatischen Pula in Haft. Die kroatische Polizei verhaftete Boskovski im September vergangen Jahres aufgrund eines Haftbefehls aus Mazedonien. Er wird beschuldigt, im so genannten Fall "Rastanski Lozja" als ehemaliger Innenminister verantwortlich für die Ermordung von sieben Wirtschaftsmigranten - sechs aus Pakistan und einem aus Indien – zu sein, weil sie angeblich Terroristen gewesen seien, die Angriffe auf westeuropäische Länder organisieren wollten. Da Boskovski die doppelt Staatsbürgerschaft besitzt, sollte ihm in Kroatien der Prozess gemacht werden. Sein Anwalt, Zvonimir Hodak, sagte der Deutschen Welle, Boskovski werde binnen eines Monats nach Den Haag überstellt. Hodak erklärte, er werde vor dem ICTY Beweise vorlegen, dass Boskovski Ljuboten drei Tage nach der umstrittenen Aktion besucht habe, und zwar auf Anordnung des ehemaligen mazedonischen Präsidenten, Boris Trajkovski. Boskovski habe sich in Ljuboten aufgehalten, um die Lage zu beruhigen und paramilitärische Gruppierungen aufzulösen. Das offizielle Zagreb teilte mit, es werde Boskovski an das ICTY ausliefern. Kroatiens Justizministerin Vesna Skare Ozbolt sagte als Begründung, die Statuten des Tribunals seien den kroatischen Gesetzen übergeordnet.

Aleksandar Comovski, Skopje
DW-RADIO/Mazedonisch, 17.3.2005, Fokus Ost-Südost

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