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Fokus Osteuropa

Erster Besuch eines serbischen Ministerpräsidenten in Zagreb

Erstmals seit Kriegsende hat ein serbischer Ministerpräsident Zagreb besucht. Vojislav Kostunica und Gastgeber Ivo Sanader betonten den gemeinsamen Willen offene Probleme zu lösen, insbesondere die Flüchtlingsfrage.

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Vojislav Kostunica

Die Zusammenarbeit zwischen Kroatien und Serbien sei für die Stabilität der gesamten Region von höchster Bedeutung. Das unterstrichen die Premiers beider Länder, Ivo Sanader und Vojslav Kostunica, auf ihrem Treffen während des ersten Besuchs eines serbischen Ministerpräsidenten in Kroatien. Kostunica vertrat die Auffassung, der Beginn der kroatischen Beitrittsverhandlungen mit der EU sei ein Ansporn für die ganze Region. Sanader betonte die Verantwortung Zagrebs und Belgrads für Stabilität: "Wie es auch andere Beispiele der europäischen Geschichte gibt, bei denen Länder heute ein Pfand für die Zukunft und ein Pfand für den Frieden in Europa darstellen, so glaube ich, haben Kroatien und Serbien ein solche Rolle und eine solche Verantwortung inne."

Ungeklärtes Schicksal von Verschwundenen

Beide Länder, so Sanader, müssten sich der Zukunft zuwenden, ohne dabei die Vergangenheit zu vergessen. In dieser Hinsicht werde man in Belgrad um Hilfe nachsuchen, um das Schicksal von 1.142 verschwunden Kroaten, aber auch etwa 700 verschwundener kroatischer Serben zu klären. In dem Vier-Augen-Gespräch wurde nach inoffiziellen Angaben auch über die Flüchtlings- und Rückkehrerzahlen der OSZE gesprochen. Ministerpräsident Kostunica erklärte, dass alle diese Fragen geklärt werden müssten: "Wichtig ist - wenn möglich - jedes einzelne Problem, das der Krieg mit sich gebracht hat, zu lösen. Jedes menschliche Leid, jedes menschliche Unglück. Das löst man nicht mit Worten, sondern das müssen die Teams lösen, die sich mit diesen Problemen in beiden Ländern befassen."

Appelle zur Lösung von Problemen

Das Schicksal verschwundener Menschen, die Rückgabe von Eigentum und die Lebensgrundlage serbischer Flüchtlinge, die Lage der Kroaten in Serbien, Grenzziehung - das sind einige der offenen Fragen zwischen beiden Ländern. Kroatiens Premier Sanader sagte, er wolle den Prozess der Rückkehr bis Ende 2006 lösen. Kostunica forderte eine - wie er sagte - umfassende Lösung aller humanitären Probleme, die Frage der früher erworbenen Wohnrechte serbischer Flüchtlinge eingeschlossen: "Was sich gezeigt hat, ist der entschiedene Willen beider Seiten, die Probleme zu lösen, sie nicht zu vermehren oder zu aufzubauschen."

Für Serbien ist das derzeit größte Problem die Klärung des Kosovo-Status. Ivo Sanader zeigte für dieses Ziel großes Verständnis: "Ich möchte hier wiederholen, was ich dem Ministerpräsidenten gesagt habe. Ich habe mehrfach schon erklärt, dass unser Standpunkt da absolut logisch ist - dass nämlich das Problem von Kosovo und Metohija nicht ohne Belgrad gelöst werden kann."

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Ministerpräsident Kostunica traf im Rahmen seines Besuches unter anderem auch den kroatischen Präsidenten Stipe Mesic und Parlamentspräsident Vladimir Seks sowie Vertreter der serbischen Minderheit in Kroatien. Zusammen mit Kostunica war eine große Gruppe serbischer und montenegrinischer Geschäftsleute nach Zagreb gekommen, denn ein Hauptthema des Besuches war der Ausbau der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Sie verzeichnet zwar einen stetigen Anstieg, der Warenaustausch hat den Wert von einer halben Milliarde Dollar überstiegen, insgesamt aber liegt das Niveau derzeit erst bei zehn Prozent des Vorkriegsvolumens.

Gordana Simonovic, Zagreb
DW-RADIO/Kroatisch, 24.11.2005, Fokus Ost-Südost

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