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Europa

Erster Börsengang in Griechenland seit fünf Jahren

Die griechische Wirtschaft kommt in Fahrt. Zum ersten Mal seit Beginn der Schuldenkrise wagt sich ein griechisches Unternehmen an die Athener Börse: Der Windpark-Betreiber ELTEH Anemos hat seine Aktien bereits platziert.

Der Ausgabepreis von jeder der insgesamt 20,67 Millionen Aktien lag bei 1,70 Euro und bewegte sich damit am unteren Ende der Angebotsspanne. ELTEH Anemos konnte rund 35 Millionen Euro einsammeln, angepeilt waren ursprünglich etwa 40 Millionen Euro. Im Kontext der Krise wurde das Ziel demnach nicht ganz erreicht. Das Unternehmen, eine Tochterfirma des Baukonzerns Ellaktor, zählt zu den führenden Anbietern im Bereich erneuerbare Energien in Griechenland: Anemos, im Jahr 2000 gegründet, erwirtschaftet nach eigenen Angaben einen Umsatz von 37 Millionen Euro und beschäftigt dabei nicht mehr als 35 Mitarbeiter - ein Indiz dafür, dass das Unternehmen oft auf externen Sachverstand und Synergieeffekte mit dem Mutterkonzern setzt.

Börse in Athen (Foto: REUTERS/Yiorgos Karahalis)

Die Börse in Athen leidet weiter unter den Auswirkungen der Schuldenkrise

"Die Emission von Anemos sorgt für

Optimismus an der Börse

", titelte neulich das Athener Online-Nachrichtenportal ToVima.gr. Seit Juli 2009 hatte es schließlich niemand mehr in Griechenland gewagt, die Anleger um frisches Kapital zu bitten. Ob der Börsengang von Anemos auch ein Ende der Schuldenkrise in Hellas signalisiert? Theodoros Sietis, leitender Geschäftsführer des Unternehmens, will die Lage möglichst nüchtern betrachten: "In den vergangenen Jahren haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen spürbar verbessert. In der Tat war das einer der Gründe für uns, an die Börse zu gehen", sagt Sietis im Gespräch mit der DW. Und er fügt hinzu: "Noch viel wichtiger waren allerdings branchenspezifische Überlegungen, nämlich der Abbau von bürokratischen Hemmnissen und

Finanzierungsengpässen bei den erneuerbaren Energien

".

"New Deal" für die erneuerbaren Energien

Damit spricht Sietis ein im vergangenen März verabschiedetes Gesetz an, das die Förderung erneuerbarer Energien in Griechenland grundlegend reformiert und als "New Deal" für die Branche bezeichnet wird: Einspeisetarife für Photovoltaik werden rückwirkend gekürzt und Altschulden des Staates bei Stromanbietern neu geregelt. Dadurch wird der chronisch defizitäre Strommarktbetreiber LAGIE saniert, der unter anderem für die Auszahlung der Einspeisevergütung verantwortlich ist. Unumstritten ist das Sanierungskonzept nicht: Anleger der ersten Stunde drohen mit Klage wegen rückwirkender Kürzung ihrer Solarförderung und sämtliche Altgläubiger von LAGIE protestieren heftig gegen den ihnen auferlegten Schuldenschnitt in Höhe von über 500 Millionen Euro.

Dennoch: "Der neue Rechtsrahmen bringt eine gewisse Planungssicherheit", erklärt der leitende Geschäftsführer von Anemos Theodoros Sietis, der nun auf mehr Gerechtigkeit im Wettbewerb unter den Erzeugern erneuerbarer Energien setzt.

Auch seine Firma habe auf einen Teil ihrer Forderungen gegenüber dem Staat verzichten müssen, aber das sei noch harmlos gewesen im Vergleich zu früher: "Lange Zeit hat der Strommarktbetreiber LAGIE seine Zahlungen an Privaterzeuger praktisch ausgesetzt. Oder wir haben sehr lange, manchmal bis zu acht Monaten, auf unser Geld warten müssen", klagt der Geschäftsmann.

Solaranlaga auf Kreta (Foto: Waltraud Grubitzsch/DW)

Solaranlage auf Kreta: in Griechenland steht der Ausbau der erneuerbaren Energien noch am Anfang

Bis 2016 will das Unternehmen vier neue Windkraftanlagen mit einer Gesamtkapazität von 93,5 Megawatt auf dem griechischen Festland installieren. Die Investition soll mit den Börseneinnahmen, aber auch mit neuen Bankkrediten finanziert werden. Insofern sei es ein weiteres gutes Zeichen, dass die Rekapitalisierung griechischer Banken im Jahr 2013 erfolgreich verlaufen sei, meint Theodoros Sietis. Dadurch würden sich wohl auch die Finanzierungsmöglichkeiten durch die Geschäftsbanken deutlich verbessern, glaubt der Geschäftsmann.

Alternative zur klassischen Bankfinanzierung

Manos Hatzidakis, Chefanalyst des Athener Finanzdienstleisters BETA Securities, gibt sich da nur verhalten optimistisch: "Eine Entspannung bei der Kreditvergabe erwarte ich nicht, bevor die Stresstests der griechischen Geldinstitute durch die Europäische Zentralbank abgeschlossen sind. Im Moment ist der Kreditmarkt jedenfalls eingefroren, im Mai 2014 vergaben griechische Banken sogar vier Prozent weniger Kredite als noch im Vorjahr. Da könnte die Börse also durchaus eine Alternative zur klassischen Bankfinanzierung bieten", sagt Hatzidakis.

Beim Börsen-Debütanten Anemos gehe es allerdings wohl um beides, so die Ansicht des Analysten: Anscheinend wolle das Unternehmen am Kapitalmarkt frisches Geld einsammeln und dadurch höhere Eigenmittel zur Kofinanzierung seiner Neuinvestitionen durch die Geschäftsbanken einbringen. Ob dieser Börsengang nach fünf Krisenjahren auch eine

Rückkehr Griechenlands zur Normalität

signalisieren würde, darüber könne man derzeit nur spekulieren, meint Hatzidakis: "Natürlich ist es ein Schritt hin zur Normalität, wenn ein Unternehmen sich wieder einmal an die Börse wagt. Ich denke, wir bewegen uns schon in die richtigen Richtung. Aber wir haben auch einiges vor uns."

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