Erster Afroamerikaner im US-Eishockeyteam bei Olympia | Sport | DW | 13.02.2018
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Olympische Winterspiele

Erster Afroamerikaner im US-Eishockeyteam bei Olympia

Jordan Greenway schreibt Geschichte: Als erster Afroamerikaner spielt der Student im US-Eishockeyteam bei Olympischen Spielen. Sein Ziel: Eine Medaille - und er will ein Vorbild für andere farbige Athleten sein.

Jordan Greenway (picture-alliance/AP Photo/R. Bowner)

"Ich habe als Kind davon geträumt", sagt Greenway über seinen Olympia-Start. Nun wird er wahr.

Er ist der Erste: Jordan Greenway ist mit dem US-Eishockeyteam nach Pyeongchang gereist und betritt damit Neuland. Das erste Spiel bestreitet er an diesem Mittwoch gegen Slowenien.

Noch nie spielte ein Afroamerikaner bei den Olympischen Spielen Eishockey für die USA. "Ich habe als Kind davon geträumt, aber ich habe nicht geglaubt, dass es passiert, bevor ich die Uni abschließe", sagte der Stürmer, der mit seinem Team am Mittwoch gegen Slowenien ins Turnier von Pyeongchang startet. Der 20-Jährige studiert Psychologie und entschied sich bisher gegen eine Profikarriere: Er war bei einem NHL-Draft der Minnesota Wild gezogen worden, will sich aber zunächst auf seinen College-Abschluss konzentrieren. Genau das ist nun sein Vorteil: Denn das Olympia-Turnier findet ohne die NHL-Profis statt.

Jordan Greenway mag noch College-Spieler an der Universität in Boston sein, im US-Eishockey ist er dennoch kein Unbekannter. Er spielte bereits bei der WM 2017 in Köln und Paris für die USA (die dort im Viertelfinale scheiterten) und wurde U18- und U20-Weltmeister. In seinem Uni-Team ist er ein erfolgreicher Scorer: Greenway kam in den letzten beiden Saisons auf insgesamt 15 Tore und 42 Vorlagen.

"Meine Mutter hat viele Opfer für mich gebracht"

Auf dem Eis ist Greenway eine Wucht und nur schwer zu stoppen: Mit 1,97 Metern und 103 Kilogramm Körpergewicht ist er der größte und schwerste Spieler im US-Team in Pyeongchang. Dabei nahm er für die Spiele extra noch ab, zuvor wog Greenway noch 108 Kilogramm. Die Reise zu Olympia ist für ihn ein großer Schritt. Als er Ende Dezember die Nachricht erhielt, freute er sich über "das beste Weihnachtsgeschenk aller Zeiten".

Seine Mutter Shannon Sullivan reagierte noch emotionaler als ihr Sohn. "Ich habe Tränen in den Augen", sagte sie dem US-Sender CNN: "Mein Sohn spielt bei Olympia - und er bricht auch noch die Rassenschranke. Es ist unbeschreiblich." Greenway selbst hofft, dass er nicht der einzige Afroamerikaner im olympischen US-Eishockeyteam bleiben wird. "Ich hoffe, ich bin der Erste von vielen", sagte der Angreifer, der zunächst gar nicht wusste, dass er der erste farbige Afroamerikaner im US-Eishockeyteam ist. "Meine Mutter hat viele Opfer für mich gebracht und mir Dinge ermöglicht, die für andere Kinder aus alleinerziehenden Haushalten nicht möglich sind."

Nicht der erste farbige Eishockey-Spieler bei Olympia

Greenway wuchs in einer Kleinstadt namens Canton im Bundesstaat New York unweit der kanadischen Grenze auf. Dort begann er mit dem Eishockey und berichtete von vereinzelten rassistischen Äußerungen gegen ihn. Trotz mancher Widerstände setzte er seine sportliche Ausbildung an der prestigeträchtigen Privatschule Shattuck-Saint Mary’s im Bundesstaat Minnesota fort. 2013 wurde er ins "USA Hockey National Team Development Program" aufgenommen - ein Wegweiser Richtung Profikarriere. Die steht ihm nun im Anschluss an sein Studium aufgrund seines NHL-Drafts weiterhin offen.

USA Hockey Boston UniversityJordan Greenway (picture alliance/AP/C. Krupa)

Als College Kid zu Olympia: Jordan Greenway im Trikot der Boston University

Greenway ist zwar der erste Afroamerikaner im US-Eishockey bei Olympia, nicht aber der erste schwarze Eishockey-Spieler in der Olympiageschichte. Jerome Iginla, dessen Vater von Nigeria nach Kanada ausgewandert war, spielte bei drei olympischen Spielen für Kanada und gewann 2002 in Salt Lake City und 2010 in Vancouver sogar Gold - beide Male gegen die USA. 2014 in Sotschi holte mit Pernell Karl "P. K." Subban ein weiterer Farbiger eine Goldmedaille für Kanada.

"Ich hoffe, Jordan inspiriert junge Menschen"

Im US-Eishockey hoffen sie, dass Greenway ein "Türöffner" ist: Pat Kelleher, Geschäftsführer des US-Eishockey-Verbands sieht in Greeway "einen verdammt guten Eishockey-Spieler", der das Interesse am Eishockey in andere Bevölkerungsschichten tragen könnte. "Eine Menge Jugendliche haben gesehen, was er bei der WM geleistet hat. Hoffentlich werden durch die Olympischen Spiele noch mehr junge Menschen auf ihn aufmerksam. Ich hoffe, Jordan inspiriert sie, Teil unseres Sports zu werden.

Für den jungen College-Spieler Jordan Greenway soll die olympische Karriere noch weitergehen: Er will auch 2022 in Peking dabei sein, im Idealfall dann als NHL-Profi - wenn die nordamerikanische Profiliga wieder dabei sein sollte.

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