Erster öffentlicher Auftritt: Deniz Yücel dankt nach Freilassung aus türkischer Haft seinen Unterstützern | Aktuell Deutschland | DW | 24.03.2018
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Aktuell Deutschland

Erster öffentlicher Auftritt: Deniz Yücel dankt nach Freilassung aus türkischer Haft seinen Unterstützern

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit seiner Freilassung aus türkischer Haft vor fünf Wochen hat der "Welt"-Journalist Deniz Yücel seinen Unterstützern gedankt. Yücel war etwas mehr als ein Jahr in Haft.

Deniz Yücel (Artikelbild) sagte, in Isolationshaft zu sitzen und mitzubekommen, "dass es Menschen gibt, die sich für mich einsetzen" habe sehr viel dazu beigetragen, dass es ihm gut ging. "Selbst wenn sie dich fertig machen wollen, wenn sie dir Papier und Stift wegnehmen wollen, dann findest du immer noch einen Weg", sagte er und versicherte seinem Publikum: "Mir geht's gut. Wirklich". Geholfen habe ihm in der einjährigen Haft das Schreiben, er habe sich niemals der Situation ergeben.

Yücel will Haftzeit in neuem Buch verarbeiten

Der Abend unter dem Motto "Auf die Freiheit" wurde von der Initiative "FreeDeniz" organisiert, in der sich Freunde und Unterstützer für Yücels Haftentlassung eingesetzt hatten. Die Besucher der ausverkauften Lesung in Berlin-Kreuzberg begrüßten und verabschiedeten Yücel mit minutenlangem Applaus und stehenden Ovationen. Während seiner Haft waren in Deutschland zahlreiche Solidaritätsveranstaltungen für Yücel organisiert worden. Der Journalist las im "Festsaal Kreuzberg" aus seinem Buch "Wir sind ja nicht zum Spaß hier", das wenige Tage vor seiner Freilassung erschienen war und alte sowie neue Texte versammelt. Yücel deutete an, seine Zeit in der Haft in einem weiteren Buch verarbeiten zu wollen. An der Veranstaltung nahmen auch seine Frau Dilek Mayatürk Yücel und sein Anwalt Veysel Ok teil. Auch der Moderator Jan Böhmermann kam zu der Veranstaltung.

Berlin Deniz Yücel Veranstaltung Auf die Freiheit (picture-alliance/dpa/S. Stache)

Minutenlanger Applaus für Deniz Yücel

Prozess soll im Sommer fortgesetzt werden

Die türkische Staatsanwaltschaft fordert für Yücel 18 Jahre Haft wegen "Volksverhetzung" und "Terrorpropaganda", die Bundesregierung sieht die Vorwürfe als politisch motiviert an. Auch der Anwalt Veysel Ok kritisierte die Anklageschrift. "Der Inhalt der Anklage entspricht nicht den Standards dessen, was eine Anklage leisten müsste", sagte er. Außerdem erinnerte er daran, dass weiterhin weit über hundert Journalisten in der Türkei inhaftiert sind. Yücel hatte ein Jahr ohne Anklage in Untersuchungshaft gesessen. Mitte Februar ordnete ein Gericht seine Freilassung an. Der Prozess gegen ihn soll im Sommer beginnen.

bru/se (afp, dpa)

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