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Asien

Erste wirtschaftliche Auswirkungen des Bebens

Japan gilt als eine der wichtigsten Wirtschaftsmächte. Das bislang stärkste Erdbeben könnte sich massiv auf die ganze Welt auswirken. Am stärksten ist bislang die Versicherungsbranche betroffen.

Nach dem Beben: Zerstörung im nordjapanischen Kesennuma, Miyagi Prefecture (Foto: Keichi Nakane, The Yomiuri Shimbun/AP/dapd)

Das Erdbeben könnte massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben

Die Devisenmärkte bekamen die Folgen des Erdbebens eine Viertelstunde vor Börsenschluss am Freitag (11.03.2011) zu spüren: Aus Unsicherheit versuchten viele Anleger ihre Aktien loszuwerden; die als sicher geltenden Staatsanleihen hingegen verbuchten einen Kurssprung. Der Nikkei-Index rutschte um 1,72 Prozent auf 10254,43 Punkte ab. Auch der Yen stürzte zunächst ab, kletterte aber wenige Stunden später auf ein ähnliches Niveau, das er vor dem Beben hatte. Die Entwicklung des japanischen Yen zeige, "dass die Märkte wirtschaftliche Folgen nicht so skeptisch beurteilen", sagte Wolfgang Leim, Japan-Experte der Commerzbank.

Ein Mann steht vor einer Statue vor der Firmenzentrale der Münchener Rück (Foto: AP)

Musste große Kursverluste hinnehmen: Die Versicherung "Münchener Rück"

Anders sieht es in der Versicherungsbranche aus: Die Aktien der deutschen Rückversicherer "Münchener Rück" fielen um fast fünf Prozent. Auch die Versicherer "Swiss Re" und "Hannover Rück" mussten Verluste hinnehmen. Bei den beiden deutschen Rückversicherern sind auch einige Japaner gegen Naturkatastrophen versichert. Viele Versicherungen haben außerdem immer noch mit den Nachwirkungen des Erdbebens in Neuseeland und der Überschwemmungen in Australien zu kämpfen.

Japans Finanzminister sichert Hilfe zu

Aus Japan sind bereits erste Stimmen der Unterstützung zu hören: Yoshihiko Noda, Japans Finanzminister, will trotz der hohen Verschuldung des Landes alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Folgen des Erdbebens abzufangen. Die Bank of Japan teilte mit, dass sie alles tun werde, um die Stabilität der Finanzmärkte zu sichern. Japan zählt mit Staatsschulden von fast 200 Prozent des Bruttoinlandprodukts zu den am höchsten verschuldeten Industriestaaten.

Rohstoffpreise auf Talfahrt

Auf dem Rohstoffmarkt sanken die Preise. Die Zerstörungen in der japanischen Industrie könnten Anleger abschrecken und die Nachfrage nach Rohstoffen wie Metallen und Öl bremsen, befürchten Händler und Analysten. Hinzu komme, dass Japan nach China und den USA das weltweit drittgrößte Rohstoffverbrauchsland ist und bei fast allen Rohstoffen auf Importe angewiesen sei, erklärte die Commerzbank in einem Marktkommentar.

Die Tonne Kupfer verbilligte sich um 2,2 Prozent auf 8.992 Dollar. Auch die Preise für Aluminium, Nickel und Blei fielen. Am Ölmarkt, auf dem nach wie vor die Krise im Nahen Osten eine zentrale Rolle spielt, sank der Preis für einige Ölsorten. Das Fass der Nordseesorte Brent etwa verbilligte sich um 1,8 Prozent auf 113,39 Dollar. Preisrückgänge verzeichneten auch Agrarrohstoffe wie Zucker, Kaffee, Mais und Weizen. Nur der Preis für Gold blieb nahezu unverändert.

Japan der Exportstaat

Trotz der hohen Verschuldung hat Japan immer noch großen Einfluss auf die komplette Wirtschaft: Das Land belegte viele Jahre den zweiten Platz der größten Wirtschaftmächte, 2010 fiel es auf den dritten Platz. Japans Wirtschaft lebt vor allem von Exporten. Aus diesem Grund hatte das Land auch besonders stark unter der Weltwirtschaftskrise zu leiden: Die Exporte nahmen um rund ein Viertel ab und die Wirtschaft brach 2009 um mehr als fünf Prozent ein. So schwer war kein anderer der sieben größten Industriestaaten betroffen. Besonders im Maschinenbau, Elektronik- und Chemiebereich hat Japan weiterhin eine starke Stellung.

Die große Exporttätigkeit Japans schafft eine hohe Abhängigkeit. Die meisten Exporte - 54 Prozent - gehen in andere asiatische Länder. Das Handelsvolumen zwischen Japan und Europa lag zuletzt bei 11,6 Prozent. Der größte Handelspartner in Europa ist – auch wenn nicht mehr so stark wie vor ein paar Jahren - Deutschland.

Autorin: Jill Wagner/Julia Hahn (mit dpa, rtr)
Redaktion: Sabine Faber