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Aktuell Europa

Erste Spur von mutmaßlichen Attentätern

Großfahndung in Frankreich: Die Polizei hat angeblich die beiden Hauptverdächtigen des "Charlie Hebdo"-Attentats aufgespürt. Ein Mann, der am Morgen eine Polizistin erschoss, ist weiterhin auf der Flucht.

Einen Tag nach dem Terroranschlag auf das religionskritische Satiremagazin "Charlie Hebdo" sollen die beiden Tatverdächtigen gesichtet worden sein. Nach Berichten französischer Medien wurden sie bei einem Überfall in Nordfrankreich erkannt. Ein Tankstellenbesitzer bei Villers-Cotterêt habe die maskierten und bewaffneten Männer eindeutig identifiziert, hieß es unter Berufung auf Ermittler.

Sieben Verdächtige festgenommen

Nach den Angaben waren die Männer mit einem grauen Kleinwagen unterwegs. Sie seien den Informationen zufolge schwer bewaffnet. Die beiden Tatverdächtigen führten offensichtlich Schnellfeuerwaffen mit sich, heißt es. Die Rede war auch von einer Panzerfaust. Zuvor hatte die Polizei nach dem Terroranschlag auf das Satiremagazin mehrere Verdächtige festgenommen. Sieben Menschen sollen in Gewahrsam genommen worden sein. Aus Justizkreisen hieß es, es handele sich um Frauen und Männer, die den Attentätern nahe stünden.

Die als Haupttäter verdächtigten Brüder Chérif (32) und Said K. (34) sollen bei dem Anschlag in Paris zwölf Menschen getötet und elf verletzt haben. Der nach dem Anschlag ebenfalls gesuchte 18 Jahre alte Schwager der beiden Brüder hatte sich am Mittwochabend der Polizei gestellt. Er soll seine Unschuld beteuern.

Verdächtige standen unter Beobachtung

Für den Großraum Paris gilt weiterhin die höchste Terrorwarnstufe. Die Polizei fahndet mit tausenden Beamten und Spezialkräften in mehreren Städten nach den Tätern. Chérif K. wurde 2008 verurteilt, als er versucht haben soll, sich als Kämpfer in den Irak abzusetzen. Die beiden Männer stammen aus Paris und haben die französische Staatsbürgerschaft.

Die beiden gesuchten Tatverdächtigen waren nach Angaben des Pariser Innenministers Bernard Cazeneuve überwacht worden. Dabei habe es allerdings keinerlei Hinweise auf einen bevorstehenden Terrorakt gegeben, gegen die Männer habe es auch kein juristisches Verfahren gegeben, sagte Cazeneuve dem Sender Europe 1. "Wir treffen hundertprozentig Vorsichtsmaßnahmen, ein Null-Risiko gibt es aber nicht", fügte er hinzu. Die derzeitige Risikolage könne auch zu anderen Gewalttaten führen, warnte der Innenminister.

Attentäter Cherif und Said K. (Foto: DPA)

Die beiden Hauptverdächtigen sind weiter auf der Flucht.

Die Brüder sollen am Mittwoch schwarz vermummt die Redaktion des Magazins mitten in der Hauptstadt gestürmt und unter anderem mit einer Kalaschnikow um sich geschossen haben. Unter den zwölf Todesopfern waren acht Journalisten. Während des Anschlags riefen die Männer "Allah ist groß", "Wir haben den Propheten gerächt" und "Wir haben Charlie Hebdo getötet". Zudem sollen sie behauptet haben, zur Terrororganisation Al-Kaida zu gehören.

Nächste Ausgabe von "Charlie Hebdo" soll erscheinen

"Charlie Hebdo" war mehrfach wegen Mohammed-Karikaturen in die Kritik geraten und angefeindet worden. Erst am Dienstag hatte die Zeitschrift eine Karikatur veröffentlicht, auf der ein islamistischer Terrorist mit einer umgehängten Kalaschnikow auf dem Rücken sagt: "Noch immer kein Attentat in Frankreich, aber man darf sich ja bis Ende Januar was wünschen."

Trotz des blutigen Anschlags soll die nächste Ausgabe kommende Woche erscheinen. Die Mitarbeiter würden von zu Hause aus arbeiten, da die Redaktionsräume wegen der laufenden Ermittlungen nicht genutzt werden könnten, teilte Autor Patrick Pelloux mit. Der erschossene Leiter, Stéphane Charbonnier, habe immer gesagt, dass die Zeitung erscheinen müsse, koste es, was es wolle.
Polizistin in Paris erschossen
Derweil sorgte ein weiterer Angriff für Aufregung. Bei einer Schießerei im Süden von Paris wurde eine Polizistin getötet, ein Polizist wurde lebensgefährlich verletzt. Ein Unbekannter in Schutzweste, bewaffnet mit einem Sturmgewehr, eröffnete das Feuer auf die Beamten, wie aus Polizeikreisen mitgeteilt wurde. Er ist auf der Flucht. Ob der Vorfall in Montrouge im Zusammenhang mit dem Anschlag auf das Satiremagazin steht, blieb zunächst unklar.
cr/wl (dpa, afp)