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Deutschland

Erste orthodoxe Rabbiner ordiniert

Die jüdischen Gemeinden in der Bundesrepublik wachsen seit Jahren beständig. Jetzt wurden in Deutschland erstmals seit 70 Jahren wieder orthodoxe Rabbiner in ihr Amt eingeführt.

Zwei Rabbiner (Foto: dpa)

Avraham Radbil und Zsolt Balla vor der Synagoge in München

Zum ersten Mal seit der Schließung des Berliner Rabbinerseminars durch die Nationalsozialisten im Jahre 1938 sind am Dienstag (02.06.2009) in Deutschland wieder zwei orthodoxe Rabbiner ordiniert worden. In der Münchner Synagoge Ohel Jakob wurden die beiden Absolventen des neu gegründeten Hildesheimerschen Rabbinerseminars, Zsoldt Balla und Avraham Radbil, in ihr Amt eingeführt. Die aus Ungarn und der Ukraine stammenden Rabbiner werden im kommenden Jahr in den jüdischen Gemeinden in Leipzig und Köln eingesetzt.

An der Amtseinführung nahmen führende Rabbiner aus ganz Europa teil, darunter der Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz, Yosef Sitruk, Vertreter der jüdischen Gemeinde Deutschlands, die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, und Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Auch der Präsident des Jüdischen Weltkongress, Ronald S. Lauder, war erschienen.

"Eine Wüste"

Charlotte Knobloch (Foto: dpa)

Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland

Frau Knobloch sagte, es mache sie glücklich, in München die erste orthodoxe Rabbinerordination seit 1945 zu feiern, denn dies sei auch ein Sieg über die Nazis. "Deutschland nach 1945 war - was das jüdische Geistesleben anbelangt - eine Brachfläche, eine trockene Wüste", so Knobloch. Mit der Rabbinerordination werde die Rückkehr des Judentums nach Deutschland weiter vervollständigt. "Die jüdische Infrastruktur, die an vielen Orten in der Bundesrepublik entsteht, bekommt nun einen stabilen Unterbau." Der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, sagte, die Ordination beweise, dass es der Holocaust trotz "Verlusten und Schmerzen" nicht vermocht habe, das Judentum in Deutschland zu vernichten.

Schäuble würdigte die Ordination als "historisches und theologisches Ereignis, das weit über die Grenzen Deutschlands und des Judentums" hinauswirken werde. Die Bundesregierung unterstütze die Arbeit des Seminars und betrachte die Rückkehr des jüdischen Lebens nach Deutschland nach dem Holocaust als Geschenk.

Kampf gegen Antsemitismus ist Pflicht

Wolfgang Schäuble (Foto: AP)

Bundesinnenminister Schäuble ruft zum Kampf gegen Antisemitismus auf

Zugleich erinnerte der Bundesinnenminister aber auch an die noch immer nötigen besonderen Schutzmaßnahmen für jüdische Einrichtungen und rief zu Zivilcourage auf. "Der Kampf gegen jede Form von Antisemitismus in Deutschland ist eine Pflicht für jede Bundesregierung."

Der 28-jährige Balla lebt seit 2003 in Deutschland und wird zukünftig in Leipzig und Berlin wirken. Der gebürtige Ukrainer Radbil (25) kam mit zwölf Jahren mit seiner Familie nach Leipzig. Er wird in Köln arbeiten. Hinter beiden Absolventen liegt ein dreijähriges Vollzeitstudium.

Das ursprünglich vom Rabbiner Esriel Hildesheimer im Jahr 1869 gegründete Seminar war von den Nazis 1938 nach der Reichspogromnacht geschlossen worden. 2005 eröffneten der Zentralrat der Juden in Deutschland zusammen mit der Ronald S. Lauder Stiftung die Nachfolgeinstitution.

Es war dies nicht die erste Rabbinerordination in Deutschland seit 1945 überhaupt. Bereits im Jahr 2006 wurden in Dresden drei Absolventen des Abraham-Geiger-Kollegs Potsdam als Vertreter des liberalen Judentums zu Rabbinern geweiht. (gmf/sam/dpa/epd/kna/talmud.de)

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