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Deutschland

Erste Körperscanner an deutschem Flughafen

Nach langem Streit über die Privatsphäre von Fluggästen sind nun auch in Deutschland die umstrittenen Körperscanner im Einsatz. Beim Testbetrieb in Hamburg werden die Körper der Reisenden nur schematisch dargestellt.

Minister de Maizière zeigt auf Kontrollbildschirm (Foto: dapd)

Testet einen Körperscanner am Flughafen Hamburg: Bundesinnenminister de Maizière

Die Körperscanner haben den Testbetrieb unter Laborbedingungen hinter sich. Jetzt sollen sie in der Praxis zeigen, ob sie am Körper versteckte gefährliche Gegenstände wie Sprengstoff oder Waffen entdecken. Bei der Inbetriebnahme am Hamburger Flughafen am Montag (27.09.2010) sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière, der auf sechs Monate angelegten Feldversuch sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Sicherheit im Luftverkehr.

Er hoffe, der Test werde erfolgreich sein und die Kontrollen nicht nur sicherer, sondern auch effektiver und schneller machen, sagte de Maizière. Noch gebe es bei den getesteten Geräten aber "zu viele Fehlalarme". Angesichts der in den vergangenen Monaten hitzig geführten Debatten über mögliche Eingriffe in die Privatsphäre erklärte der Minister, es gebe bei den neuen Geräten keine echten Körperbilder. Verdächtige Gegenstände würden aber innerhalb von drei Sekunden auf dem Kontroll-Bildschirm im Bereich einer grob-schematischen Personen-Silhouette farblich markiert.

Arme in die Höhe

Frau hält ihre Arme in die Höhe, daneben ein Kontrollmonitor (Foto: dapd)

Eine Bundespolizistin in der Körperscanner-Kabine: Test auf dem Hamburger Flughafen

In Hamburg ist die Benutzung der Geräte während der Testphase für die Passagiere freiwillig. Der Reisende betritt einen kleinen Raum in der Größe einer Duschkabine. Dann hält er für wenige Sekunden die Arme in die Höhe. Die erzeugten Daten werden nach der Kontrolle wieder gelöscht. Wer nicht durch die Scanner gehen möchte, kann sich auf herkömmliche Weise kontrollieren lassen. Minister de Maizière stellte klar, ob und in welcher Form die Körperscanner künftig an deutschen Flughäfen eingesetzt werden, lasse sich erst nach Abschluss des Testlaufs beurteilen.

Die Erprobung in Deutschland sei auch möglich geworden, weil die drei Grundvoraussetzungen erfüllt seien: gesundheitliche Unbedenklichkeit, Wahrung der Persönlichkeitsrechte und ein Mehrwert für die Luftsicherheit, sagte der Minister. Das Bundesamt für Strahlenschutz habe den gesundheitlich unbedenklichen Einsatz bestätigt.

Europäische Standards angestrebt

Schematische Darstellung der Versuchsperson auf Kontrollmonitor (Foto: dapd)

Nur eine schematische Darstellung: Probleme in 'sensiblen Bereichen' möglich

De Maizière kündigte an, er werde sich dafür einsetzen, dass es nach Abschluss verschiedener Probephasen in Europa zu einheitlichen Standards komme. Die EU-Kommission hatte im Oktober 2008 einen Vorstoß zur Einführung der Scanner in ganz Europa unternommen.

In den USA werden Scanner bereits eingesetzt. In Europa läuft der Testbetrieb an Flughäfen in Ländern wie den Niederlanden und Großbritannien. In Italien setzt das Personal ebenfalls verschiedene Geräte an vier Flughäfen ein, darunter auch das Hamburger Modell. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums handelte es sich dabei aber um Geräte mit einer älteren Software.

Probleme in "sensiblen Bereichen"

Aber auch die neue jetzt in Hamburg verwendet Software hat offenbar noch Probleme: Es sei zu erwarten, dass sich beim Einsatz der Geräte mehr Menschen als bisher einer Nachkontrolle unterziehen müssten, vor allem in "sehr sensiblen Bereichen", sagte der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar.

Besonders betroffen seien hier Menschen, die medizinische Hilfsmittel bei sich führten, etwa Inkonsistenz-Windeln oder künstliche Darmausgänge. Diese würden nicht als solche sichtbar gemacht, aber als potenziell gefährlicher Gegenstand in der entsprechenden Körpergegend ausgewiesen und farblich markiert. Solche Bilder dürften auf gar keinen Fall von anderen Passagieren einsehbar sein. Nur das Kontrollpersonal dürfe hier Einblick nehmen, forderte Schaar.

Wie eine Wärmebildkamera

Die Bundespolizei in Lübeck hat die Scanner schon seit Mitte 2009 unter Laborbedingungen getestet: Die Geräte arbeiten nicht mit Röntgenstrahlen, sondern ähnlich wie eine Wärmebildkamera mit Millimeterwellen. Grundsätzlich sind die als Nacktscanner in Verruf geratenen Geräte in der Lage, die Körperoberfläche von Menschen abzubilden. Durch die Auswertung der Bilder mit Hilfe von Computerprogrammen können am Körper versteckte - möglicherweise gefährliche Gegenstände - entdeckt werden, unabhängig davon, ob sie aus Metall sind. Herkömmliche Metalldetektoren haben hier ihre Grenzen.

Die Kosten für ein Gerät einschließlich der Aufwendungen für die Testauswertung gab das Bundesinnenministerium mit 150.000 Euro an. Bei einer entsprechenden Stückzahl gehe man von einem Preis von unter 130.000 Euro aus. Hinzu kommen aber künftig mögliche bauliche Veränderungen im Bereich der Flughäfen.

Autor: Herbert Peckmann (dpa, afp, dapd)

Redaktion: Dirk Eckert

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