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Wirtschaft

Erste Islambank Deutschlands geplant

Islamkonforme Bankgeschäfte machen - das will das Istanbuler Geldinstitut Kuveyt Türk demnächst auch in Deutschland. Das Modell könnte auch Nicht-Muslime ansprechen. Noch lässt der Erfolg aber auf sich warten.

Weg von hochspekulativen Finanzgebaren, hin zu Geldgeschäften, hinter denen Sachwerte stehen - das ist etwas, was in Zeiten der europäischen Finanzkrise wohl viele Menschen unterschreiben würden. Und es ist ein Grundprinzip der ersten islamkonformen Bank, die das Istanbuler Bankhaus Kuveyt Türk in Deutschland eröffnen möchte.

Filiale von Kuveyt Türk (Foto: Kuveyt Türk)

Filiale von Kuveyt Türk

"Die Idee einer islamischen Bank ist, dass sie islamische Anlagerichtlinien und Prinzipien verfolgt", sagt Zaid el-Mogaddedi, Gründer und Geschäftsführer des "Institute for Islamic Banking and Finance" (IFIBAF) in Frankfurt im Gespräch mit der Deutschen Welle. Verboten sind unter anderem Investitionen in Glücksspiel, Pornographie oder Waffenhandel und auch in Unternehmen, die Schweinefleisch oder Alkohol herstellen oder stark verschuldet sind. Alle angebotenen Finanzprodukte würden durch eine Ethikkommission geprüft.

Keine Zinsen, aber Aufschläge

Insbesondere seien die Finanzprodukte einer islamischen Bank stärker an die Realwirtschaft gebunden als dies bei einer konventionellen Bank der Fall ist. Grundlage ist die Scharia, das islamische Normen- und Rechtssystem: Danach soll hinter jedem Geldgeschäft ein Warengeschäft oder eine Dienstleistung stehen. Hochspekulative Finanzgeschäfte sind damit ausgeschlossen - ebenso wie Zinsen als Gewinn auf den bloßen Verleih von Geld.

Der Kunde einer islamischen Bank kann damit kein Darlehen im klassischen Sinne erhalten. Stattdessen kauft die Bank direkt für den Kunden das Objekt der Begierde, etwa die Immobilie. Der Kunde zahlt die Summe in Raten an die Bank zurück - mit Aufschlägen. "Man muss sehen, dass es im islamischen Finanzsystem auch Mechanismen gibt, den Zinseffekt nachzuahmen - trotzdem ist dies nicht dasselbe", sagt Martin Schulte, Experte für "Islamic Banking" beim Verband der Auslandsbanken in Deutschland.

"Geld ist unfruchtbar"

Zwar würde eine islamische Bank auf diese Weise Gewinne machen, und müsse dies auch. Doch dadurch, dass sie das Objekt selbst kauft, sei sie am Risiko, etwa eines Wertverlustes, beteiligt. Das Aufteilen von Gewinn und Verlust zwischen Bank und Kunden, die sich als Kooperationspartner verstünden, sei ein weiteres wichtiges Grundprinzip bei islamischen Banken. Also erhält auch der Kunde über Aufschläge zinsähnliche Zuwendungen auf sein angelegtes Vermögen.

Um das Konzept einer islamischen Bank zu verstehen, müsse man einen Blick auf das islamische Verständnis von Geld werfen, meint Martin Schulte: "Geld ist unfruchtbar, das heißt, alleine aus der Weitergabe von Geld leiste ich keinen volkswirtschaftlichen Mehrwert. Es ist ein Tauschmedium, das selbst keine wirtschaftliche Potenz hat." Man könne natürlich auch genauso gut argumentieren, dass schon die zeitweise Überlassung von Geld an sich auch eine vergütungswerte Leistung sei - unser ganzes Kreditgeschäft basiere ja auf diesem Gedanken, so Schulte. "Aber wenn man sich auf das islamische Verständnis einlässt, kann man Produkte entwickeln, die volkswirtschaftlich sinnvoll sind und das konventionelle Bankgeschäft auch aus einer Makroperspektive sehr gut ergänzen." Gerade jetzt in der Staatsschuldenkrise zeige sich, wie Zins- und Zinseszinseffekte Schuldner in Bedrängnis bringen können.

Kein Erfolgsmodell bislang

Zaid el-Mogaddedi vom Institute for Islamic Banking and Finance (IFIBAF) (Foto: privat)

Zaid el-Mogaddedi vom IFIBAF

In Großbritannien gibt es schon eine Islambank, die allerdings gerade mit Geld des Mutterhauses gestützt werden musste. Auch Banken in den USA und Frankreich verkaufen bereits vereinzelt islamkonforme Finanzprodukte - ohne großen Erfolg. Der im Mai 2012 durch den malaysischen Vermögensverwalter CIMB Principal vorgestellte islamische Investmentfonds - der erste bei der deutschen Bankenaufsicht BaFin registrierte - ist dagegen noch in der Testphase. Eine Studie des liberalen Stresemann-Instituts, die im Juli 2012 veröffentlicht wurde, kam zu dem Ergebnis, dass "Islamic Finance" in europäischen Ländern gescheitert sei, da die muslimischen Kunden aufgrund eines geringeren Einkommens kaum Anlagepotential aufwiesen.

Zaid el-Mogaddedi vom "Institute for Islamic Banking and Finance" sieht die Ursache für den bisherigen Misserfolg islamischer Finanzprodukte eher in einer schlechten Marketingstrategie. Die Zukunft der islamischen Kuveyt Türk Bank in Deutschland malt er weniger schwarz: "Die entscheidenden Punkte werden sein, ob die islamischen Banken ein interessantes Produktportfolio und einen guten Service bieten und ob die Kommunikation so eindeutig ist, dass Muslime und Nicht-Muslime erkennen, dass die Banken eine interessante Alternative bieten". Ein Pionier wäre die Bank übrigens auch global betrachtet, denn islamische Geldhäuser sind selbst in muslimischen Ländern ein recht neues Phänomen: Noch gehen die meisten Muslime dort zu konventionellen Banken.

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