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Wirtschaft

Erste Fusionswelle seit vier Jahren

Größer, effektiver, mehr Gewinne: Die Zahl der Unternehmensfusionen nimmt rasant zu. Schon ist von Fusionsfieber die Rede. In den USA schließen sich die Großen zusammen, in Deutschland bewegt sich der Mittelstand.

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Jetzt drittgrößter US-Einzelhändler: K-Mart

JP Morgan macht im Januar 2004 den Anfang: 58 Milliarden US-Dollar zahlt die Investmentbank für die Regionalbank Bank One. Der größte Deal des Jahres wird anschließend in Europa abgeschlossen: Im April schluckt der französische Pharma-Konzern Sanofi-Synthélabo den deutsch-französischen Konkurrenten Aventis - für 67 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Das ist ungefähr so viel wie die OECD-Staaten jährlich für Entwicklungshilfe ausgeben.

Große Geschäfte in USA

Das große Geschäft in Europa bleibt aber eher die Ausnahme. Die meisten Großtransaktionen finden in den USA statt. So kauft die Kaufhauskette K-Mart für elf Milliarden US-Dollar den Konkurrenten Sears, Roebuck & Co. und wird damit zum drittgrößten Einzelhändler der USA. Die Zusammenschlüsse ziehen sich durch alle Branchen. Das Softwareunternehmen Oracle übernimmt Peoplesoft und kann den Abstand zum Marktführer SAP verkürzen. Die Kassen sind so voll, dass Oracle den Kaufpreis von zehn Milliarden US-Dollar gleich bar zahlt. Neuster Coup: Der US-Pharmariese Johnson & Johnson will für 24 Milliarden US-Dollar den Medizingerätehersteller Guidant kaufen.

Erholung nach starkem Engagement

2004 liegt das weltweite Transaktionsvolumen zum ersten Mal über dem von 2001. Trotzdem: Im Vergleich zu den Jahren 1999 und 2000 sind die Fusionen und Übernahmen in den vergangenen Jahren extrem zurückgegangen. Transaktionen verlaufen zyklisch, erklärt Gerhard Picot, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Köln und in Witten/Herdecke. Erst jetzt sei die Wirtschaft nach dem starken Engagement in den Jahren 1999 und 2000 wieder bereit für Übernahmen. Nach einer Transaktion müssten sich die betroffenen Unternehmen erstmal erholen.

DaimlerChrysler

Anlaufschwierigkeiten nach der Fusion: DaimlerChrysler

Besonders bei Großtransaktionen läge die Erfolgsrate bei nur 40 Prozent, erklärt Picot. "Da werden unüberschaubare Moloche zusammengefügt." Der Weg zu Kostenersparnissen sei dann nicht einfach. Gerade bei grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen, so genannten Cross-Border-Deals, werde der Erfolg häufig durch kulturelle Aspekte erschwert, sagt Picot und verweist auf die Probleme bei DaimlerChrysler.

Hoffnungen auf Wachstum

Abgesehen von der zyklischen Bewegung bei Unternehmensfusionen und Übernahmen spielt aber auch die relativ positive Börsenstimmung eine Rolle. Wenn sich Firmen zusammenschließen, setzen sie auf Wachstum. Bei den aktuellen Fusionen stehen drei Aspekte im Mittelpunkt der Überlegungen, sagt Kai Lucks, Vorsitzender des Bundesverbands Mergers & Acquisitions (BM&A). "Es geht um die Konzentration auf das Kerngeschäft, die Konsolidierung und die Erschließung von Wachstumsmärkten", erklärt Lucks. Er warnt aber davor, allein die Kostenersparnis in den Mittelpunkt zu stellen. "Ich würde jedem davon abraten, einen M&A-Deal nur zur Konsolidierung abzuschließen, weil das bei den Mitarbeitern zu Bitterkeit führt. Stattdessen brauchen sie eine Vision", sagt Lucks.

Fusionen im Mittelstand

Während der Trend in den USA klar zu Großtransaktionen geht, stabilisiert sich das Volumen der Transaktionen in Deutschland auf niedrigem Niveau. Die Zahl der einzelnen Übernahmen und Fusionen nimmt aber gleichzeitig zu. Der Grund ist einfach: Deutschland hat einen relativ breiten Mittelstand und in vielen Unternehmen stellt sich jetzt die Nachfolger-Frage. Findet sich kein Familienangehöriger, der den Betrieb übernimmt, werden die Unternehmen in der Regel stillgelegt oder - wie in ungefähr der Hälfte der Fälle - von einem anderen Unternehmen gekauft. Letzteres ist die bessere Lösung - findet Lucks. "Das Ergebnis werden wirtschaftlich stärkere Unternehmen sein, die Kostenprobleme besser ausgleichen können." Davon profitieren auch die M&A-Kanzleien. "Das Geld sprudelt zurzeit aus allen Ecken", sagt ein international tätiger Berater.

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