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Bildung

Erste Filmuniversität für Deutschland

Sie ist Deutschlands älteste Film-Talentschmiede. Jetzt wird die Potsdamer Hochschule für Film und Fernsehen die erste deutsche Filmuniversität - mit mehr internationalem Austausch, hofft Rektorin Susanne Stürmer.

Es ist ein lang ersehntes Präsent zum 60-jährigen Bestehen: Am 8. Juli erhält die

Potsdamer Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf"

(HFF) den Titel "Universität". Mehr als 5000 junge Menschen studierten hier in den vergangenen Jahrzehnten Regie oder Schauspiel, Drehbuch und Dramaturgie sowie Film- und Fernsehproduktion. Unter anderem der deutschlandweit erfolgreiche Regisseur Andreas Dresen und Drehbuchautor Thomas Brussig. Doch nicht nur in Sachen Ausbildung, sondern auch in der Filmforschung ist die HFF breit aufgestellt. Rektorin Susanne Stürmer will diesen Bereich nun weiter ausbauen.

DW: Als Hochschule für Film und Fernsehen haben Sie schon immer künstlerisches und wissenschaftliches Arbeiten miteinander verbunden. Was ändert sich nun mit dem neuen Titel "Filmuniversität"?

Seit 2013 ist Susanne Stürmer Rektorin der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg,. (Foto: HFF)

Seit einem Jahr an der Spitze der HFF: Rektorin Susanne Stürmer

Susanne Stürmer: Eigentlich ist gar nicht so ganz genau definiert, worin sich die drei Hochschultypen, die wir in Deutschland haben, nämlich Uni, Fachhochschule und Kunsthochschule, unterscheiden. Doch es gibt bestimmte Merkmale für eine Universität. Sie zeichnet sich durch die Themenbreite aus, durch Interdisziplinarität und auch durch den Forschungsanteil. Als älteste deutsche Filmhochschule lehren wir seit 60 Jahren Film auf breitester Ebene über alle Gewerke. Wir bieten elf Master- und Bachelorstudiengänge an. Wir haben seit zwanzig Jahren die Medienwissenschaften unter unserem Dach. Dies sind schon viele Gestaltungselemente, von denen man sagen kann, dass sie universitären Charakter haben.

Wie sieht denn die Forschung zu Film und Fernsehen an Deutschlands erster Filmuniversität aus?

Mit der Digitalisierung haben sich viele neue Forschungsfelder erschlossen. So beschäftigen wir uns mit der ganzen technischen Veränderung, zum Beispiel mit Fragen der Interaktivität oder dem transmedialen Erzählen über verschiedene mediale Plattformen. Darüberhinaus gibt es den Bereich der künstlerischen Forschung, in dem man sich unter anderem bemüht, die Verbindung von Kunst und klassischen Wissenschaftsbereichen wie den Naturwissenschaften enger zu fassen. Es geht aber auch um die Reflektion des künstlerischen Schaffens: Wir haben hier zum Beispiel eine Promotion an der Hochschule über Montageprozesse im Film. Unsere Doktorandin analysiert, wie sich die unterschiedlichen Montageformen auf die Darstellung der Geschlechter im Film auswirken.

Sie sind als Hochschule auch sehr international ausgerichtet. Welche Rolle spielt es für Ihre Partnerschaften mit ausländischen Universitäten, dass Sie sich nun selbst Universität nennen dürfen?

Ich glaube, das gibt uns bessere Voraussetzungen für den internationalen Austausch. Denn diese Trennung nach Hochschultypen, wie wir sie in Deutschland haben, ist international unbekannt. Der Titel "University"ist ein eingeführter Begriff im Ausland. Zum anderen haben wir mit dieser konsequenteren und breiteren Aufstellung nun mehr Potentiale, um Forschungsmittel zu akquirieren und neue Partnerschaften zu knüpfen. Ich glaube, dass sich unser Aktivitätsradius international noch mal sehr erweitern wird. Wir sind ja schon jetzt mit vielen interessanten Partnerhochschulen im Kontakt - in Israel, im Iran oder in den USA, um nur einige zu nennen.

Über zehn Prozent Ihrer Studierenden kommen aus dem Ausland. Rechnen Sie damit, dass es nun mehr werden?

Eine Studentin der HFF blickt durch eine Fernsehkamera. Die gute technische Ausstattung an der HFF macht die Studienplätze teuer. (Foto: dpa)

Die gute technische Ausstattung an der HFF macht die Studienplätze teuer

Unsere Aufnahmekapazitäten sind generell begrenzt. Das ist das Wesen einer Kunsthochschule, und das ändert sich mit der Universität auch überhaupt nicht. Wir haben ein sehr enges Betreuungsverhältnis von Lehrenden und Studierenden und brauchen in den Studiengängen auch eine entsprechend gute und teure technische Ausstattung. Wir haben derzeit 550 Studierende und geben pro Studienplatz rund 20.000 Euro aus. Daher sind unsere Möglichkeiten, die Studienplätze zu erweitern, limitiert. Aber wir haben mit diesem Schritt zur ersten Filmuniversität Deutschlands sicherlich eine größere internationale Sichtbarkeit, und daher rechne ich schon mit mehr Bewerbern und Bewerberinnen.

Was bedeutet es eigentlich für die anderen Filmhochschulen in Deutschland, dass Sie sich nun Filmuniversität nennen dürfen? Sind die anderen Hochschulen nun unter Zugzwang?

Nein, das sehe ich gar nicht so. Das ist für mich kein Konkurrenzaspekt, sondern wichtig ist, dass sich jede Hochschule ihr eigenes Profil gibt und es pflegt. Neben vielem anderen zeichnet uns zum Beispiel aus, dass wir als einzige deutsche Filmhochschule auf Bachelor und Master umgestellt haben. Diese Umstellung auf das internationale Studiensystem ist ein ganz wichtiger Grund dafür, dass wir eine sehr viel bessere Möglichkeit haben, auch ausländische Studierende aufzunehmen und internationale Partnerschaften zu pflegen.

Das Gespräch führte Sabine Damaschke

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