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Wirtschaft

Erste Erfolge in der Thunfischzucht

Europäische Wissenschaftler entwickeln ein Verfahren, mit dem der Rote Thunfisch gezüchtet werden kann. Das Interesse ist groß, da sich mit der wertvollen Art viel Geld verdienen lässt.

Thunfische erzielen Höchstpreise

Heiß begehrte Ware: Thunfische erzielen Höchstpreise

Der Thunfischfang boomt: Jährlich werden laut der Umweltstiftung WWF mehr als vier Millionen Tonnen Tunfisch aus dem Meer geholt - eine Verzehnfachung gegenüber den 1950er Jahren. Der Export bringt fast 3,9 Milliarden Euro im Jahr ein. Wegen seines tiefroten würzigen Fleisches ist der Rote Thunfisch, auch Blauflossenthun genannt, die wertvollste Fischart überhaupt. Das Kilo Sushi kann in Tokio bis zu 400 Euro kosten. Weil der Rote Thun so begehrt ist, hat sein Bestand rapide abgenommen. "Die Nachfrage ist stark gestiegen, die Art ist vollkommen überfischt", erklärt WWF-Fischereiexpertin Karoline Schacht. Grund für den Nachfrageschub: Sushi-Bars, die weltweit in Mode gekommen sind, und Supermärkte, die Sushi neuerdings billig anbieten.

Bestände drastisch überfischt

Thunfisch gilt als Delikatesse

Thunfisch gilt als Delikatesse - als saftiges Steak oder rohes Sushi

In den Gewässern um die Balearen sind die Fangmengen des Roten Thuns seit 1995 um 85 Prozent gefallen. "Die Bestände werden zum Teil illegal geplündert" sagt Yves Zenger von Greenpeace. "Es ist grotesk, dass die Täter, die meist aus Spanien, Italien oder Frankreich kommen, von der EU massiv subventioniert werden." Für die Fischereiwirtschaft ist der Rote Thun die wichtigste Art, weil er besonders groß wird und viel Fleisch liefert. Zudem kommt er in fast allen Weltmeeren vor. Wirtschaftliche Bedeutung haben auch Großaugen- und Gelbflossenthunfisch sowie der Weiße Thun.

Die internationale Staatengemeinschaft hat die bedrohliche Lage erkannt: Zuerst senkten die 42 Vertragsstaaten der Kommission zum Schutz des Atlantischen Thunfischs (ICCAT) im November 2006 die Fangquote für den Atlantik und das Mittelmeer nur geringfügig. Doch nach einer Welle der Kritik kündigte die EU auf einer ICCAT-Sonderkonferenz an, ihre Fänge zum Jahr 2010 um 20,75 Prozent zu verringern. Auch Japan will den Fang um 23 Prozent gegenüber 2006 reduzieren.

Zucht bisher missglückt

Bis zu 650 Kilogram schwer: der Rote Thunfisch

Bis zu 650 Kilogram schwer: der Rote Thunfisch

Versuche, den sensiblen Roten Thun zu züchten, sind bislang weitgehend fehlgeschlagen. Deshalb hat die EU das Forschungsprojekt "Reprodott" aufgelegt, bei dem ein Zuchtverfahren entwickeln werden sollte. Nun ist es geschafft: Dem Düsseldorfer Meeresbiologen Christopher Bridges ist es zusammen mit Kollegen aus anderen EU-Staaten gelungen, die pfeilschnellen Jäger in einem Käfig zum Ablaichen zu bewegen. Das Interesse der Industrie ist groß: Der zweiter Sponsor des Projekts, die australische Firma "Clean Seas", will mit der neuen Technik bald in die Zucht einsteigen. Auch die Spanier haben schon angefragt.

Bisher ist es nur japanischen Forschern gelungen, den Roten Thun zu züchten. Darauf mussten sie aber 23 Jahre warten, weil sie den Vermehrungsprozess nicht beschleunigen konnten. "Das haben wir in drei Jahren erreicht“, sagt Professor Bridges. Mit einer Harpune injizieren die EU-Forscher den Fischen eine Kanüle mit einem Hormonpräparat, das sie binnen weniger Tage zum Ablaichen animiert. "Die Entwicklung wird die Erträge steigern. Bald kann das ganze Jahr über Thunfisch produziert werden“, erklärt Bridges.

Fangzeit auf wenige Monate begrenzt

Bislang war der Fang auf wenige Monate im Jahr begrenzt, da sich der Rote Thun nur während der Laichzeit leicht erbeuten lässt. Mit der neuen Zuchttechnik können bis zu 15 Prozent mehr Thunfische "produziert"werden. Gleichzeitig könnte der Fang auf hoher See eingeschränkt werden. Die gezielte Zucht und Haltung erlaubt es zudem, größere Fische zu ziehen, die besseres Fleisch liefern. "Die Japaner sind verrückt nach besonders fettigem Fleisch, das man nur über die Mast erhält", erklärt Bridges.

Deshalb werden wild gefangene Thunfische bereits heute in Käfiganlagen gemästet. Das Geschäft boomte, doch jetzt spüren die Farmen rund um das Mittelmeer die Folgen der Überfischung: 2006 wurden fast 8000 Tonnen weniger Tunfisch zur Mast gefangen als im Vorjahr; sechs spanische Betriebe mussten schließen. Wegen des Bestandsrückgangs protestierten spanische Thunfisch-Fischer in Brüssel. "Wir fürchten um unsere Arbeitsplätze", sagte eine Verbandssprecherin bei der Kundgebung im September 2006.

Probleme in den Mastanlagen

Für die Mast werden junge Thunfische gefangen, die später zur Reproduktion fehlen. Umweltorganisationen kritisieren deshalb die Farmen, die von der EU subventioniert werden. Ein anderes Problem ist das Futter: Um ein Kilogramm Thunfisch zu gewinnen, würden bis zu 25 Kilogramm Fisch verfüttert, sagt Karoline Schacht. "Damit sind die Mastbetriebe zu einem bedeutenden Faktor für die Überfischung geworden."

"Die einzige Möglichkeit, unter den jetzigen Bedingungen mehr zu produzieren, ist die Zucht", betont Christopher Bridges. Ein Schritt steht für die Forscher noch aus. "Wir müssen nun sicherstellen, dass die Aufzucht der Fischlarven zum erwachsenen Fisch problemlos gelingt", erklärt Bridges. Dafür soll ein neues Forschungsprojekt aufgelegt werden. Bridges ist zuversichtlich, denn die Wissenschaftler können bei der Aufzucht auf Erfahrungen mit anderen Fischarten zurückgreifen. "Es wird gelingen", sagt er. "In fünf Jahren kann der Rote Thun in Europa gezüchtet werden."

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