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Wirtschaft

Erste deutsche Bank erhebt Mitgliedsbeitrag

Die sozial-ökologische Gemeinschaftsbank GLS setzt auch mit einem Nullzins für Dispokredite kreative Maßstäbe und bleibt auf Erfolgskurs. Immer mehr Anleger setzen mit ihrem Geld auf Nachhaltigkeit.

Deutschlands größtes sozial-ökologisches Geldinstitut, die Gemeinschaftsbank GLS, geht ungeachtet der andauernden Niedrigzinsphase mit Rückenwind in das neue Geschäftsjahr. So stieg die Bilanzsumme um gut zehn Prozent auf rund 4,6 Milliarden Euro. Außerdem fanden im vergangenen Jahr 29.000 neue Kunden zur GLS, die Geld nach den Worten von Vorstandssprecher Thomas Jorberg als "soziales Gestaltungsmittel" für nachhaltige Projekte nutzt. Eine Geschäftsphilosophie, die von den insgesamt 210.000 Kunden und Mitgliedern mitgetragen wird. Und zwar in barer Münze. Über 80 Prozent der Mitglieder hatten schließlich dem Vorschlag des Vorstandes zugestimmt, als erstes deutsches Geldinstitut einen Mitgliedsbeitrag in Höhe von 60 Euro pro Jahr einzuführen. Ein Modell, das andere Banken inzwischen mit Interesse verfolgen.

Vorstandssprecher Thomas Jorberg geht von rund zehn Millionen Euro aus, die die Mitgliedsbeiträge jährlich einbringen. "Dass Mitglieder und Kunden nicht bereit sein könnten, diesen Beitrag zu zahlen, das haben wir natürlich erwogen und auch einkalkuliert." Doch bisher wollen sich nur wenige von der GLS verabschieden. Jorberg beziffert deren Zahl derzeit auf etwas mehr als ein Prozent. Und selbst wenn letztlich zehn Prozent der Kundschaft aufgrund des erhobenen Beitrages der GLS den Rücken kehren sollten, gehe die Rechnung des Vorstandes auf, bleibt genug Spielraum für die Umsetzung der nachhaltigen Geschäftspolitik.

Bewusstsein für Verantwortung wächst

Zum Beispiel für die Kreditvergabe für sozial-ökologische Projekte. Im vergangenen Jahr bewilligte die GLS 2.200 neue Kredite im Gesamtvolumen von 864 Millionen Euro. Das entspricht einem Wachstum um über 15 Prozent. Und obwohl es für Sparvermögen auch bei der GLS kaum Zinsen gibt, stiegen die Kundeneinlagen von 3,6 auf 3,9 Milliarden Euro. Auch darin spiegele sich, sagt Vorstandsmitglied Christina Opitz, "ein in zunehmend größeren Teilen der Gesellschaft verändertes Bewusstsein im Verhältnis zu Geld wider." Natürlich könne man nicht in jedem Einzelfall nachvollziehen, von welchem anderen Geldinstitut die neuen 29.000 Kunden zur GLS gewechselt sind. Gleichwohl könne man einen Trend feststellen. "Und zwar weniger von Sparkassen, eher deutlich mehr von größeren Bankinstituten."

Die GLS hat nicht nur im Hinblick auf den Mitgliedsbeitrag eine Vorreiterreiterrolle in der deutschen Bankenlandschaft übernommen, sondern auch bei dem für Geldinstitute ansonsten besonders einträglichen Dispo-Zins. Hier kassieren Kreditinstitute zwischen neun und 17 Prozent Zinsen von ihren Kunden. Nicht so die Gemeinschaftsbank, die bei einer Kontoüberziehung von bis zu 10.000 Euro überhaupt keine Dispo-Zinsen erhebt. Doch dass von dieser kostenlosen Überziehungsofferte nun mehr Kunden Gebrauch machen, das kann Vorstandssprecher Thomas Jorberg nicht bestätigen. Er hält an dem Grundsatz fest: "Wenn Geld auf dem Markt für eine Bank so gut wie nichts kostet, warum sollen wir dann von unseren Kunden dafür Geld in Rechnung stellen?"

Mit Crowd-Projekten mehr Nachhaltigkeit

Auf dem Finanzmarkt gibt es für die GLS im Unterschied zu Sparkassen und anderen Banken auch keinen Anlass, über Übernahme oder Zusammenschlüsse nachzudenken. Das praktizierte Geschäftsmodell trägt sich. Als Beispiel dafür nennt Christina Opitz die Finanzierung nachhaltiger Projekte. So legte die GLS beim Kreditwachstum um 15,2 Prozent zu. Das Kreditvolumen kletterte von rund 2,13 auf 2,5 Milliarden Euro. "Aktuell stellen sich immer mehr Menschen die Frage, wie sich Wirtschaft und Banken nicht nur den Gewinn Einzelner, sondern vermehrt den sozialen und ökologischen Wohlstand Aller zum Ziel machen können", stellt Thomas Jorberg grundsätzlich fest. Folglich finanziert die GLS mit Krediten Molkereigenossenschaften ebenso wie von Bürgergemeinschaften betriebene Windparks.

35 Prozent der bewilligten Kredite entfallen auf Erneuerbare Energien, 21 Prozent auf Wohnprojekte, 17 Prozent auf Soziales und Gesundheit, 14 Prozent auf Bildung und Kultur und acht Prozent auf Ernährung. Die Ausfallquote im Falle eines wirtschaftlichen Flops erwies sich in den vergangenen Jahren als marginal. Mit dem Jahresbeitrag und dem Nullzins-Dispo hat die GLS schon kreativ auf die Herausforderungen auf dem Kapitalmarkt reagiert. Doch nun setzt sie auf ein weiteres Instrument: auf die Crowd-Finanzierung. An sich keine Novität, unter Nachhaltigkeitsaspekten indes schon. Auf einer Plattform können Projektentwickler um Geld von Anlegern werben. Allerdings nur dann, wenn sie das "sozial-ökologische Nachhaltigskeitsfilter" der GLS-Banker bestanden haben. Dann steht es ihnen frei, mit Anlegern, die bereit sind, Risiken einzugehen, über Zinsspannen zu verhandeln. Der Rahmen, in dem sich das bewegen kann, beziffert Vorstandssprecher Jorberg auf etwa vier Prozent. Eine Konkurrenz zum eigenen Bankgeschäft kann Jorberg nicht erkennen und kontert: "Warum sollten wir nicht etwas fördern, was allen nutzt und unserer Philosophie Rechnung trägt?"