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Wirtschaft

Erstaunliche Fortschritte

Die 20 stärksten Wirtschaftsnationen haben eine Reform des Weltfinanzsystems angestoßen. Banken müssen mehr Risikovorsorge treffen. Boni werden zurechtgestutzt. Das sind erstaunliche Fortschritte, meint Henrik Böhme.

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Ganze Staaten standen vor dem finanziellen Kollaps. Millionen Menschen haben weltweit ihre Jobs verloren. Zu verzeichnen ist ein gigantischer Verlust an Wohlstand. Es war eine Jahrhundertkrise. Doch sie hatte ein Gutes: Sie hat die Welt ein Stück zusammenrücken lassen. Das Ergebnis war an diesen zwei Tagen von Pittsburgh zu besichtigen. Nicht mehr der elitäre Klub der G8 hat das Sagen. Dieser Klub wurde hier während eines Abendessens praktisch beerdigt. Die neue Weltwirtschaftsregierung braucht größere Tische. G20 heißt jetzt die Zauberformel für mehr nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Indien beispielsweise und China, aber auch Brasilien und andere sogenannte Schwellenländer - sie haben diese Krise nicht gemacht, aber nach Kräften mitgeholfen, sie zu überwinden. Jetzt sprechen sie auf Augenhöhe mit den Industriestaaten.

Das Ende der Krise

Henrik Böhme (Foto: DW)

Henrik Böhme, DW-Wirtschaftsredaktion

In Pittsburgh wurde nun das Ende der Krise ausgerufen. Und Vorsorge getroffen, dass man künftig besser gewappnet ist gegen ähnliche Entwicklungen. Für Banker sind die ganz fetten Zeiten wohl vorbei. Ihre Erfolgsprämien werden auch wirklich an den Erfolg gekoppelt. Die Geldhäuser müssen ihr Eigenkapital aufstocken, um nicht mehr zuviel mit geborgtem Geld zu spekulieren. Natürlich versuchte hier nun jeder, das Gelingen des Gipfels für sich zu reklamieren. Aber für solche Spielchen sollten die Zeiten eigentlich zu ernst sein. Dass die Beschlüsse von Pittsburgh in die richtige Richtung weisen, das zeigt schon allein die aufgeregte Reaktion aus der Bankenwelt. Dort zittert man um künftige Renditen und bittet darum, doch nicht zu heftig zu reformieren.

Konkreter Zeitrahmen

Natürlich ist das Abschlussdokument von Pittsburgh zunächst einmal ein Stück Papier. Und solange nichts davon umgesetzt ist, könnte es ein "Weiter wie bisher" immer noch geben. Aber: Hinter jeder Maßnahme ist eine klare Zeitvorgabe vermerkt, bis wann sie umgesetzt sein muss. Bei den Regeln für die Kreditvergabe der Banken lässt man sich vernünftigerweise mehr Zeit, um den beginnenden Aufschwung nicht zu gefährden. Bei den Bonus-Regelungen hingegen wird Druck gemacht: Bis Ende des Jahres müssen die Länder konkrete Pläne vorlegen.

Wahlkampf via Pittsburgh

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte hier in Pittsburgh noch mal eine ganz große Wahlkampfbühne zwei Tage vor der Bundestagswahl. Sie hat wie immer auf internationalem Parkett standhaft für ihre Position gekämpft. Mit der Idee einer Finanzmarktsteuer stieß sie allerdings auf eher taube Ohren. Sicher ergibt sich demnächst ja die Gelegenheit, das Thema wieder auf die Tagesordnung zu bringen. Diese Steuer soll eine Art Lastenverteilung bringen. Denn irgendwer muss die gigantische Rechnung der Krise ja bezahlen. Das kann nicht nur der Steuerzahler sein. Warum nicht die Banken mit ins Boot nehmen? Vielleicht finden die Deutschen ja neue Verbündete. Die Auswahl in der Runde der Zwanzig ist nun größer als bisher.

Innerhalb von zehn Monaten, auf drei Gipfeln, ist es den G20 gelungen, ein respektables Krisenmanagement auf die Beine zu stellen. Dafür, dass die Weltwirtschaft am Abgrund stand, ist die Sache noch vergleichsweise gut ausgegangen. Es ist zu hoffen, dass der Elan jetzt, wo sich ganz langsam wieder Wachstum einstellt, nicht nachlässt. Diesen Fehler kann sich keiner erlauben.

Autor: Henrik Böhme

Redaktion: Christian Walz