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Europa

Erst shoppen - dann zocken

Schnäppchen jagen und das gesparte Geld im Kasino verspielen – so sieht das Wochenendvergnügen einer wachsenden Zahl Österreicher aus. Kurz hinter der Grenze in Tschechien boomt das Geschäft mit den Spielhallen.

Blick auf Excalibur City - ein Gebäude, das an eine Burg erinnert, mit aufgesetzen Plastikdrachen auf dem Dach (Emir Numanovic)

"Excalibur City" - ein Einkaufs- und Kasinotempel kurz hinter der tschechischen Grenze

Ein kalter Sonntag im Februar, über die breiten Felder am ehemaligen Grenzübergang zwischen Österreich und Tschechien fegt ein eisiger Wind. Die Straßen sind glatt, es regnet und friert. Trotzdem ist der Parkplatz vor der "Excalibur City“ rappelvoll. Die meisten Autos haben Wiener Kennzeichnen. Eine Stunde Anfahrt haben die Österreicher auf sich genommen, um am Sonntag einkaufen zu können: "Hier kann man schon gute Schnäppchen machen. Markenklamotten gibt es oft im Angebot und Zigaretten, da muss man ja auch vorsorgen“, lacht ein Wiener.


Konsum, Konsum, Konsum

Rabattbeschilderung in einem Geschäft in Excalibur City (Emir Numanovic)

Prozente über Prozente - Einkaufen als Schnäppchenjagd

Ein junges Ehepaar, Solarium gebräunt und mit viel Gold an den Fingern, hat es ebenso auf Markenklamotten abgesehen. Und auch zwei ältere Damen, beide mit Dauerwellen und in Pelzmänteln, folgen ihren hedonistischen Bedürfnissen. "Sie bieten hier auch Programmabende und im Kasino war ich auch schon. Ich muss nicht immer spielen, aber ich schaue mir das an und genieße die Atmosphäre“, erzählt eine der Besucherinnen.

Das Einkaufs- und Unterhaltungszentrum "Excalibur City“ liegt im Niemandsland kurz hinter der Grenze auf tschechischer Seite. Es ist wie eine kleine Stadt – auf einem Platz so groß wie zehn Fußballfelder stehen riesige Hallen, in denen sich Designerboutiquen, Kosmetikläden, Restaurants und Märchenwelten für Kinder drängen. "Excalibur City“ ist ein Phänomen, wie es nur eine Konsumgesellschaft hervorbringen kann.


Drachen wachen über die Zocker

Ein beleuchteter Plastikdrache auf dem Dach des Excalibur City (Emir Numanovic)

Drachen "beschützen" das Kasino in "Excalibur City

An Kitsch herrscht kein Mangel. Die Hallen wurden wie mittelalterliche Festungen dekoriert, Plastikdrachen "bewachen“ sie. Im Zentrum der Anlage sieht es moderner aus, dort finden sich eine Billig-Tankstelle und ein rundes Haus, das wie eine Discokugel glitzert. In letzterem wird die „Excalibur City“ ihrem Ruf als Spieloase gerecht.

Einen Einkaufssonntag im Kasino ausklingen lassen - das gehört hier fast zum guten Ton. Brigitte macht das bereits zum zehnten Mal so. Beim Einkaufen hat sie heute gut 100 Euro gespart – die ganze Summe will sie aber nicht im Kasino verspielen: "Das allerhöchste sind vielleicht einmal 30 Euro, aber das muss ich wieder zurück gewinnen. Mehr können wir uns sicher nicht leisten. Außerdem ist da meine Kontrolle“, sagt sie und klopft ihrem Ehemann auf die Schulter. Er schwankt leicht. "Drei Cocktails“, lacht Brigitte. "Zwei davon waren zu viel.“


Kasino als „sozialer Treffpunkt“

Casino Colloseum - Eine Tankstelle in Excalibur City, einem Einkaufs- und Spieletempel in Tschechien, den verstärkt Österreicher aufsuchen Rechteeinräumung: Alle Fotos habe ich gemacht und alle Rechte für dieselben übergebe ich hiermit an die Deutsche Welle! Emir Numanovic Zulieferer: Mareike Röwekamp

Nicht nur gespielt wird im Kasino - auch billig getankt

"Wir kommen auch nach Geburtstagspartys hierher. Zuerst feiern wir ein bisschen zu Hause und dann hier weiter“, erzählt ein Gast. Verwunderlich ist das nicht, schließlich können alle Spieler im Kasino gratis essen und trinken – und das, so viel sie wollen. Wenn man den Besuch gut plane, könne man hier schon für 20 Euro einen abwechslungsreichen Abend verbringen, behauptet der Kasinochef Markus Engl: "Wir sind eben ein absoluter Wochenend-Standort und irgendwo auch ein sozialer Treffpunkt.“

Natürlich passt es dem Kasinobetreiber gut, dass viele Menschen am Wochenende nach "Excalibur City“ zum Shopping kommen. Doch der Grund, das Kasino ausgerechnet in dieser Anlage in Tschechien zu bauen, sei ein anderer: "In Österreich ist es nur Casino Austria erlaubt, Kasinos zu betreiben. Wir sind gezwungen, um Österreich herum unser Geschäft zu betreiben“, sagt Engl.

Ein Verlustgeschäft scheint es nicht zu sein – nur 500 Meter weiter baut der Betreiber gerade ein zweites Kasino. Den meisten Besuchern ist es egal, ob sie in Österreich oder Tschechien spielen. Was hier zähle sei der Spaß – und natürlich Glück im Spiel.

Hören Sie diesen Beitrag in unserer Sendung Fokus Europa - das Magazin - Reisen und Genießen am 27.02.2009 um 22:15 UTC

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