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Kultur

Erst das Spiel, dann das Klima

Weltklimakonferenz am Sonntag – wenn ein Journalist sich da auf einen schönen Bericht freut, hat er nicht mit den argentinischen Eigenheiten gerechnet. Oliver Pieper kann in seinen Gipfelnotizen ein Lied davon singen.

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Sonntagmorgen, 8 Uhr, Buenos Aires, Stadtteil Palermo, ein Appartement nur einige Hundert Meter entfernt vom Konferenzzentrum des Weltklimagipfels. Der Wecker klingelt. Der deutsche Journalist steht auf und macht sich fertig für seinen ersten großen Auftritt: Heute soll es losgehen mit der Berichterstattung über die zehnte Vertragsstaatenkonferenz in der argentinischen Hauptstadt.

Geplant ist zunächst einmal ein Stimmungsbericht – was halten die Portenos, die Bewohner der Millionenmetropole, von COP 10 und vom Klimawandel? Es geht die breite Avenida Santa Fe rauf und runter, nach einer halben Stunde sind die Statements im Kasten. Schnell noch mal zurück zum Appartement, ein paar Unterlagen holen und die Akkreditierung. Kaum die Wohnungstür abgeschlossen, klingelt das Handy: Kollege Jens Thurau ist dran. „Hör mal, wir stehen hier vorm Konferenzzentrum und kommen nicht rein.“ – „Wie – Ihr kommt nicht rein?“ – „Wir haben den Polizisten hier gefragt. Er sagt, heute ist zu.“ „Wie bitte?“ – „Ja, die haben sogar die Klimaanlage heruntergefahren. Morgen früh um acht Uhr ist wieder geöffnet.“

Wir sind schließlich in Argentinien!

Großes Erstaunen. Dass den Argentiniern der Sonntag heilig ist – geschenkt. Aber dass die Weltklimakonferenz mit über 5.000 Delegierten aus 190 Ländern sich für einen Tag eine Auszeit nimmt – unglaublich. Schnell wird umdisponiert: Die Berichterstattung fürs Radio erfolgt per Handy, die Zeilen für DW-WORLD werden im nächsten Internet-Café geschrieben. Ein argentinischer Hörfunkjournalist klärt uns schließlich auf: Erstens sind wir in Argentinien und zweitens ist heute der letzte Spieltag der argentinischen Fußballmeisterschaft. Und da könne man von den fußballverrückten Argentiniern doch nun wirklich nicht erwarten...

Schon verstanden. Übrigens, am Montagmorgen ist der Sportteil der größten argentinischen Tageszeitung „El Clarín“ knapp 50 Seiten dick – und man muss schon ganz schön blättern und suchen, um den einen Bericht von der Weltklimakonferenz zu finden. Aber immerhin, wenigstens war das Pressezentrum geöffnet. Und nur zur Information: Newells Old Boys aus Rosario sind nach zwölf Jahren wieder „Campeon“ – wen interessiert da schon die globale Erderwärmung!

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