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Kultur

Erschreckende Zahlen

Aids im Jahr 2002: Die Zahlen des UNAIDS-Büros der Vereinten Nationen lassen vor allem für Afrika und die Länder der ehemaligen Sowjetunion das Schlimmste befürchten.

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Ein menschliches weißes Blutkörperchen, von HIV befallen (schwarze Punkte)

Kurz vorm 1. Dezember, dem Welt-Aids-Tag, wurden in London die Zahlen für das Jahr 2002 von UNAIDS und der Weltgesundheitsorganisation WHO veröffentlicht. Demnach sind schätzungsweise 42 Millionen Menschen weltweit Träger des HI-Virus, davon 3,2 Millionen Kinder unter 15 Jahren und 19,2 Millionen erwachsene Frauen.

Ein weibliches Gesicht

Aus europäischer Sicht fällt dabei auf, dass Aids längst nicht mehr eine Krankheit vorwiegend homosexueller Männer ist. Im Gegenteil, Fachleute sprechen mittlerweile davon, Aids bekomme immer mehr "ein weibliches Gesicht". Ende 2002 sind erstmals die Hälfte aller infizierten Erwachsenen Frauen.

2002 haben sich etwa 5 Millionen Menschen mit HIV angesteckt, davon 2 Millionen Frauen und 800.000 Kinder unter 15 Jahren. An der durch HIV verursachten Krankheit Aids sind weltweit etwa 3,1 Millionen Menschen gestorben.

Soziale und wirtschaftliche Katastrophe

In vielen Länder entwickelte sich die Immunschwäche zu einer sozialen und wirtschaftlichen Katastrophe. Die Epidemie beraube ganze Länder ihrer Ressourcen und ihrer Leistungsfähigkeit, so der Bericht von UNAIDS und WHO.

Nach den Worten von UNAIDS-Bereichsdirektor Michel Sidibe ist die Lage in Afrika südlich der Sahara "außer Kontrolle". Dort leben 29,4 Millionen der weltweit 42 Millionen HIV-Infizierten. In Simbabwe, Swasiland und Lesotho ist schon jeder dritte Erwachsene Träger des HI-Virus. Die dort grassierenden Hungersnöte stehen mittlerweile in direktem Zusammenhang mit der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit weiter Teile der ländlichen Bevölkerung.

Explosion in Zentralasien

Die dramatischsten Wachstumsraten werden allerdings in Osteuropa und im ehemals sowjetischen Zentralasien beobachtet. In Usbekistan haben sich allein im ersten Halbjahr 2002 mehr Menschen neu infiziert als in den vergangenen zehn Jahren davor. Drogenmißbrauch und verunreinigte Spritzen sind dort die häufigsten Ursachen einer Neuinfektion. "In Osteuropa hat die eigentliche Epidemie erst Mitte der Neunzigerjahre begonnen", so Dr. Ulrich Marcus vom Robert-Koch Institut in Berlin gegenüber DW-World. "Polen, Tschechien, Ungarn und die Slowakei sind allerdings kaum betroffen. Die Probleme fangen in der Ukraine und in den baltischen Staaten an. Und nach der Welle der Übertragung durch Drogenmißbrauch, steht die nachfolgende durch sexuelle Kontakte erst noch bevor."

Ungleiche Behandlung

Esther Babalola HIV/AIDS in Sagamu, Nigeria, Medikamente

Esther Babalola, 38-jährige Mutter von vier Kindern, wartet im AIDS-Krankenhaus in Sagamu in Nigeria auf medizinische Hilfe

Besonders erschreckend sind die Ungleichheiten bei der Behandlung der Patienten. In Europa und Nordamerika beweist der Rückgang der tatsächlich an Aids erkrankten Personen bei gleichzeitig steigender Zahl der HIV Infizierten den zumindest aufschiebenden Erfolg neuer Behandlungsmethoden. In den so genannten Entwicklungs- oder Schwellenländern hat dagegen fast niemand Zugang zu den teuren, mit enorm hohem finanziellen Aufwand entwickelten Pharmazeutika. Laut WHO haben beispielsweise in den am stärksten betroffenen Ländern Schwarzafrikas gerade einmal 4 Prozent der HIV-Patienten Zugang zu den erforderlichen Medikamenten.

Die Zahlen aus Deutschland

In Deutschland haben sich im Jahr 2002 nach Schätzungen des Berliner Robert Koch-Institus etwa 2000 Menschen mit dem Aids-Virus infiziert. Die Ansteckungsrate bleibt damit im Vergleich zu den vergangenen Jahren konstant. Ein Drittel der Infizierten lebt in den sechs Großstädten Berlin, München, Köln, Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt. 55 Prozent im restlichen West-Deutschland, nur 8 Prozent im Osten der Republik.

In ganz Deutschland leben circa 39.000 mit dem HI-Virus infizierte Menschen, davon sind nur 9000 Frauen. Bei rund 5000 HIV-Patienten ist die Krankheit AIDS voll ausgebrochen. Im zu Ende gehenden Jahr starben rund 600 Menschen in Deutschland an Aids.

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