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Kultur

Erntehelfer der besonderen Art

Ein gewitzter Baumwollpflanzer in der Türkei hat den "Alternativ-Tourismus" für sich entdeckt: Er schickt ausländische Touristen aufs Feld. Und anstatt sie fürs Schuften zu bezahlen, lässt er sie blechen.

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Es müssen nicht immer Einheimische sein

Obwohl die Arbeit auf den Baumwollfeldern von Mustafa Öztürk schwer und schweißtreibend ist, kann sich der Kleinunternehmer in Manavgat bei Antalya über Mangel an Helfern - und Einkommen - nicht beklagen. Urlauber bezahlen ihn dafür, dass sie sich auf seinen Feldern abrackern dürfen. Zwei Tage in der Woche lässt Öztürk die "Gastarbeiter" auf dem Feld schuften, in der restlichen Zeit bietet er Boot- und Eselstouren an. Die Gegend um Manavgat ist wegen ihrer malerischen Wasserfälle ein beliebtes Ausflugsziel an der türkischen Südküste.

Einträgliches Geschäft

Öztürks "alternativer" Tourismus-Betrieb wurde aus der Not geboren. Vor vier Jahren wurde ein Großteil von Öztürks Feldern überflutet, als in der Gegend ein Staudamm gebaut wurde. Nur zwei Parzellen blieben ihm: Er verdiente mit der Baumwollernte weniger als 2000 Euro im Jahr. Doch dann hatte der 40-Jährige den genialen Gedanken, den reichlich vorhandenen Touristen im Raum Antalya die Arbeit auf den Feldern als neues Urlaubserlebnis schmackhaft zu machen. Das macht sich bezahlt: Allein in den vergangenen zwei Monaten hat er umgerechnet fast 13.000 Euro eingenommen.

Willige, zahlungsbereite Helfer

Mehr als 500 Urlaubs-Pflücker pro Woche melden sich bei Öztürk. Rund 30 Euro bezahlen die Touristen für eine Stunde Arbeit und für das völlig neue Erlebnis. "Meistens wissen sie nicht, wie man Baumwolle pflückt", sagt Öztürk über seine Kunden. "Zu 99 Prozent der Zeit sind sie glücklich - trotz der schwierigen Bedingungen." Im Süden der Türkei liegen die Tagestemperaturen auch im Frühherbst noch bei über 30 Grad. Hohe Kosten hat Öztürk nicht: Er organisiert den Transport der Urlauber von ihrem Hotel zu seinen Feldern. Besonders eifrige Baumwollpflücker werden mit einer Flasche Wein oder einem T-Shirt belohnt. Die Amateure kommen allerdings in ihrer Pflückleistung nicht an einen Profi heran.

Touristen arbeiten lassen

Die Baumwoll-Ernte wird in der Türkei in der Regel von Frauen und Kindern eingebracht; Erntemaschinen sind selten. In einigen Regionen des Landes verlängern viele Familien sogar die Sommerferien ihrer Grundschüler, um die Ernte einzubringen. Öztürk kann auf Kinderarbeit verzichten. Er verdient an den arbeitswütigen Westeuropäern. Die meisten Urlauber, die lieber arbeiten als am Strand zu liegen, kommen aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Die Touristen wollten eben mal etwas anderes erleben als immer nur Sonne und Meer, sagt der auf den Fremdenverkehr umgestiegene Baumwollbauer. Den meisten Urlaubern mache die Arbeit Spaß, versichert er. Die besten von ihnen kommen zu zweit auf 30 Kilogramm Baumwolle in der Stunde. Öztürk könnte diese Menge in derselben Zeit alleine pflücken. Aber warum sollte er?! (afp)