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Politik & Gesellschaft

Erntedanktag in Deutschland

Am ersten Sonntag im Oktober feiern die meisten Kirchengemeinden das Erntedankfest. Früchte zieren die Altäre und erinnern daran, dass es die Gaben der Erde sind, die das Überleben der Menschen sichern.

Ein zum Erntedankfest geschmückter Mähdrescher (Foto: Landschaftsverband Rheinland)

Ein zum Erntedankfest geschmückter Mähdrescher

Seit Jahrtausenden gibt es weltliche und religiöse Feiern zum Thema Erntedank. Die Tradition reiche zurück bis in die Antike, erklärt der Bonner Volkskundler Alois Döring. Wann und wo die Tradition entstanden ist, lasse sich aber nicht sagen - zu ungenau sei die Überlieferung. Sicher ist: Erntedank ist - wie der Name sagt - ein Dank für die zum Leben notwendige Nahrung, die die Erde hervorgebracht hat. Das Fest erinnert an die Arbeit des Bauern und auch daran, dass zum Wachsen und Gedeihen mehr gehört als die Hand des Menschen. Weltlich gedeutet ist es das richtige Wetter, religiös gedeutet ist es Gottes Schalten und Walten, das für eine reiche Ernte verantwortlich ist.

Religiöses und weltliches Fest

Erntedanktags-Prozession in der Eifel (Foto: Landschaftsverband Rheinland)

Erntedanktags-Prozession in der Eifel

Christliche Erntedankfeste sind seit dem dritten Jahrhundert belegt. Jedoch gab es keinen einheitlichen Termin. Das hängt mit den unterschiedlichen klimatischen Bedingungen zusammen. Darüber hinaus sind in ländlichen Gegenden auch weltliche Erntefeste bekannt. Sie seien besonders im 19. Jahrhundert zahlreich überliefert, betont der Volkskundler Döring. So war es etwa üblich, dass der Gutsherr beim Einfahren des letzten Getreides seine Erntehelfer zum Essen einlud. Und nicht nur das: Es wurde gefeiert, gesungen und getanzt - unter einer eigens angefertigten riesigen Erntekrone, die aus dem letzten geernteten Getreide gebunden wurde.

Umgedeutet zum "germanischen Dank"

Mit dieser harmlosen Volkstümlichkeit war es vorbei, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Sie verpassten Erntedank einen nationalistischen Anstrich.


Erntedankfest Anfang der 1930-er Jahre im Rheinland (Foto: Landschaftsverband Rheinland)

Erntedankfest Anfang der 1930-er Jahre im Rheinland

"In der Nazi-Zeit wurde das Erntedankfest ganz in dem Sinne der Blut-und-Boden-Ideologie zum Fest des deutschen Bauern und der deutschen 'Volksgemeinschaft' umfunktioniert", sagt Alois Döring.

Die Nationalsozialisten legten den 1. Oktober als Termin fest und erklärten ihn zum nationalen Feiertag. Das zentrale Reichserntedankfest - auch Reichsbauerntag genannt - wurde bis 1937 auf dem Bückeberg bei Hameln gefeiert. Höhepunkt der Feier war jeweils die Ankunft und Rede von Adolf Hitler. An dem Spektakel nahmen mehr als eine Million Menschen teil. Das Reichserntedankfest war damit eine der größten Massenveranstaltungen in der Nazi-Zeit überhaupt.

Fest der Volkskirchen

Für den Erntedanktag geschmückte Kirche im Eifelort Rockeskyll (Foto: Landschaftsverband Rheinland)

Für den Erntedanktag geschmückte Kirche im Eifelort Rockeskyll



Trotz dieser zeitweiligen und sehr massiven Vereinnahmung des Erntedankfestes durch die Nationalsozialisten hat sich das Fest bis heute behaupten können - als weltliche wie auch als religiöse Feier. In der evangelischen Kirche in Deutschland wird Erntedank seit 1773 am Sonntag nach dem Michaelistag, das ist der 29. September, gefeiert. Allerdings können die einzelnen evangelischen Landeskirchen den Termin frei wählen. Die katholische deutsche Bischofskonferenz legte erst 1972 den ersten Sonntag im Oktober als Termin fest. Es steht jedoch jeder Gemeinde frei, dieses Fest zu feiern oder auch nicht.

Alois Döring hat festgestellt, dass es heutzutage bei den kirchlichen Erntedankfeiern oft auch um Umwelt und Solidarität mit den Hungernden geht. Es würden häufig Basare ausgerichtet, mit deren Erlösen Projekte in der Dritten Welt unterstützt werden. So ist aus dem Fest des Dankes - zumindest im religiösen Bereich - auch ein Fest der sozialen Verantwortung geworden.

Autorin: Petra Nicklis

Redaktion: Dеnnis Stutе, Hartmut Lüning

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