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Aktuell Kultur

Ernst von Siemens Musikpreis vergeben

Christoph Eschenbach ist ein Ausnahmekünstler. Nun wurde der Dirigent und frühere Star-Pianist mit dem Ernst von Siemens Musikpreis ausgezeichnet. Eschenbachs Triebfeder ist die frühe Begegnung mit dem Tod.

Der Dirigent und Pianist Christoph Eschenbach ist im Herkules-Saal der Münchner Residenz mit dem renommierten Ernst von Siemens Musikpreis ausgezeichnet worden. Der 75-Jährige sei eine künstlerische Ausnahmeerscheinung und ziehe nicht nur vom Dirigentenpult herab immer wieder aufs Neue Orchester, Solisten und Publikum in seinen Bann, hieß es in der Begründung.

Eschenbach leitet seit der Saison 2010/11 - nach Philadelphia und Paris - das National Symphony Orchestra in Washington. "Christoph Eschenbach ist für mich ein herausragender Musiker, ob als Pianist oder als Dirigent. Aber er ist auch eine große Persönlichkeit, ein Star ganz ohne Allüren, ein Mann der leisen Töne, ein stiller Star - und doch ganz groß", schrieb Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt in einem Essay anlässlich der Preisverleihung.

Traumatische Kindheit

Eschenbach selbst sagte zur renommierten und mit 250.000 Euro dotierten Auszeichnung: "Preise sind das Tüpfelchen auf dem I für jeden Schaffenden." Der Ernst von Siemens Musikpreis aber habe "einen ganz besonderen Wert und ich bin stolz, diese Ehrung zu erhalten."

Christoph Eschenbach beschert dem National Symphony Orchestra in Washington stets ausverkaufte Häuser

Christoph Eschenbach beschert dem National Symphony Orchestra in Washington stets ausverkaufte Häuser

Eschenbach stieg während seiner Karriere vom internationalen Pianisten-Star zum weltweit gefragten Dirigenten auf. Am liebsten würde er auch mit 100 noch dirigieren, sagte er einmal. Sein Leben begann mit schrecklichen Verlusten: Die Mutter, eine Klavierpädagogin, starb bei seiner Geburt in Breslau. Wenig später kam sein Vater, Musikwissenschaftler und Gegner der Nationalsozialisten, in einem Strafbataillon ums Leben. Eschenbach wuchs bei seiner Großmutter auf, doch auch sie starb 1945 auf der Flucht vor der Roten Armee in einem Flüchtlingslager an Typhus. Da war er fünf Jahre alt. "Ich habe einige Monate überhaupt nicht gesprochen, kein Wort. Weil diese Erfahrung dermaßen traumatisch war", sagte er rückblickend.

Der kleine Christoph wurde von Wallydore Eschenbach, einer Cousine seiner Mutter, adoptiert. Die Sängerin und Pianistin fragt ihn, ob er Klavier spielen wolle - und nach langem Schweigen soll er sein erstes Wort gesagt haben: "Ja." Die Musik half ihm zurück ins Leben und ist seitdem seine Berufung und Lebenselixier. Musik habe ihm "einen tiefen Sinn und seelischen Frieden" geschenkt, sagte er.

1951 begann Christoph Eschenbach sein Klavierstudium bei Eliza Hansen in Hamburg, es folgten die Ausbildung an der Musikhochschule Köln und ein Dirigierstudium bei Wilhelm Brückner-Rüggeberg in Hamburg. 1962 gewann er den ARD-Musikwettbewerb, zahlreiche weitere Preise folgten. Sein Repertoire reicht von Barock bis zu zeitgenössischen Werken.

Von George Szell und Herbert von Karajan gefördert, wurde Eschenbach Chefdirigent des Züricher Tonhalle-Orchesters. Er leitete das NDR Sinfonieorchester in Hamburg und das Orchestre de Paris, wirkte als musikalischer Direktor der Houston Symphony, als künstlerischer Leiter des Schleswig-Holstein Musik Festivals und hat Gastaufträge in aller Welt.

Seit 2010 hat er die doppelte Leitung des John F. Kennedy Center for the Performing Arts sowie des National Symphony Orchestra in Washington - und damit einen der attraktivsten Doppelposten, die Amerika zu bieten hat. Im Gegenzug beschert er dem Orchester stets ein ausverkauftes Haus.

Die Weitergabe seiner Erfahrung liegt Eschenbach besonders am Herzen. Er hält Meisterkurse und leitet Orchesterakademien. Herausragenden jungen Musikern gibt er mitunter ganze Tage lang Unterricht, geht für sie notfalls auf Veranstaltersuche. Szell und von Karajan, sagt er, "haben mir den Weg für andere gezeigt".

stu/haz (dpa)

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