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Medizin

Ernst Jung-Preis: "Forschung fördern, weil aus Forschung Heilung wird"

Das Pankreaskarzinom ist eine der aggressivsten Krebsarten und wird oft zu spät erkannt. Lena Seifert forscht daran, die Prognose bei diesem Krebs zu verlängern. Dafür erhält sie den Ernst Jung-Karriere-Förderpreis 2017.

Das Furchtbare am Pankreaskarzinom ist, dass Symptome erst auftreten, wenn der Tumor lokal schon fortgeschritten ist. Dann ist die auch als Bauchspeicheldrüsenkrebs bekannte Erkrankung nur schwer zu operieren. "In diesem Bereich ist die Anatomie sehr komplex", sagt Lena Seifert. "Der Tumor wächst aus der Bauchspeicheldrüse heraus und in Gefäße oder in Nachbarorgane. Dann ist eine Operation nicht mehr sinnvoll", so die Preisträgerin des Ernst-Jung-Karriere-Förderpreises. Die Symptome reichen von Übelkeit und Erbrechen bis hin zu einem Druckgefühl im Oberbauch oder sogar Gelbsucht. Aber dann ist es eben meist schon zu spät, und dieser Krebs ist sehr aggressiv, breitet sich schnell aus und bildet Metastasen. 

Hoffnung Immuntherapie

Seifert arbeitet an vielversprechenden, neuen immuntherapeutischen Ansätzen. Eine große Hürde sei unter anderem das immunhemmende und bindegewebige Milieu des Tumors, so die 33-Jährige. Im Mittelpunkt ihrer Forschungsarbeiten steht die Wechselwirkung zwischen Nekroptose und dem Immunsystem. "Nekroptose ist eine Art von Zelltod, bei dem sich die Zelle aber nicht selbst abbaut und auffrisst, sondern es werden ganz viele Entzündungsparameter ins Gewebe ausgeschüttet", erklärt Seifert. 

Die Rolle der T-Zellen

Für die Tumor-Abwehr braucht der Körper aktivierte T-Zellen, die gegen die Tumorzellen kämpfen. "Für viele Tumoren gibt es sogenannte Immuntherapien. Dabei aktiviert man die T-Zellen, die im Tumor häufig ermüdet sind", so Seifert weiter. Sie ist der Meinung, dass es auf diesem Gebiet noch viel zu wenig Forschung gebe. "Es gibt zwar schon viele Fortschritte, aber leider noch nicht beim Pankreaskarzinom." Im malignen Melanom, bei Hautkrebs oder Nierenkrebs funktioniere Immuntherapie gut, vielleicht irgendwann auch beim Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Eine generelle Vorsorgeuntersuchung wie für Brustkrebs oder Magen-Darmkrebs gibt es für das Pankreaskarzinom nicht. “Wir haben keine Möglichkeiten, durch irgendwelche spezifischen Tumormarker die Erkrankung zu erkennen", so Seifert.

Forschung für den Patienten

Dr. Lena Seifert - Ernst Jung-Karriere-Förderpreis für medizinische Forschung (Gabriele Bellmann)

Dr. Lena Seifert bekommt in diesem Jahr den Ernst Jung-Karriere-Förderpreis

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist einer der tödlichsten Tumore. Schätzungen zufolge wird im Jahr 2030 jeder zweite Krebstote an einem Pankreaskarzinom sterben. Weniger als zehn Prozent überleben die wichtigen fünf Jahre nach der Diagnose.

In ihrer Funktion als Ärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Uniklinikum Dresden führt Seifert viele Eingriffe im Bereich der Bauchspeicheldrüse durch. Außerdem arbeitet sie in der Pankreassprechstunde und verbindet diese Aufgaben mit ihrer Forschungsarbeit. 

"Ich hoffe einfach, dass wir Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs helfen können und dass wir eine Therapie finden, die Patienten vielleicht nicht direkt von diesem Krebs heilt, aber die ihr Überleben und auch die Prognose langfristig verbessern kann."

Weitere Preisträger 2017

Ernst Jung-Preis für Medizin:

Preisträger: Tobias Moser (48), Professor am Institut für Auditorische Neurowissenschaften der Universitätsmedizin Göttingen und Leiter des Instituts

Forschungsgebiet: "Mechanismen der Signalverarbeitung bei Hören und Schwerhörigkeit"

Preisträger: Nenad Ban (50), Professor für Molekulare Strukturbiologie am Institut für Molekularbiologie und Biophysik im Departement Biologie der ETH Zürich

Forschungsgebiet: "Der atomare Aufbau der Ribosomen in eukaryotischen Zellen"

Ernst Jung-Medaille für Medizin in Gold:

Professor Pascale Cossart - Ernst Jung-Medaille für Medizin in Gold 2017 (Brigitte Eymann)

Professor Pascale Cossart erhält die Ernst Jung-Medaille für Medizin in Gold, eine Auszeichnung für ihr Lebenswerk

Preisträgerin: Professor Pascale Cossart (68), Leiterin der Arbeitsgruppe "Bacteria-cell interactions" am Pasteur-Institut in Paris und "Secrétaire perpétuel" an der französischen Wissenschaftsakademie Académie des Sciences de l'Institut de France

Forschungsgebiet: Cossart gilt als Mitbegründerin eines Fachs, dem sie die Bezeichnung "Zelluläre Mikrobiologie" gab. Sie enthüllte zahlreiche grundlegende Mechanismen und Konzepte, die bei der Interaktion zwischen krankheitserregenden Bakterien und deren menschlichen Wirtszellen eine Rolle spielen.

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