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Kultur

Erneuter Priesterrücktritt in Polen wegen Geheimdienstkontakten

Noch ein Schock für den Vatikan: Einen Tag nach dem Rücktritt des Warschauer Erzbischofs Stanislaw Wielgus ist erneut ein ranghoher polnischer Priester offenbar wegen seiner Geheimdienstkontakte zurückgetreten.

Porträt von Stanislaw Wielgus, Erzbischof von Warschau (Quelle: AP)

Stanislaw Wielgus (links) und Kardinal Jozef Glemp

Der Prälat der Wawel-Kathedrale in Krakau, Janusz Bielanski, habe Kardinal Stanislaw Dziwisz am Montag (8.1) seinen Rücktritt angeboten, der auch sofort angenommen worden sei, berichtete der polnische Nachrichtensender "TVN 24.". Das Nachrichtenmagazin "Wprost" hatte bereits vor einem Jahr berichtet, Bielanski sei Informant des früheren kommunitischen Geheimdienstes gewesen.

Am Sonntag hatte der Warschauer Erzbischof Stanislaw Wielgus während eines Pontifikalamts in der Warschauer Kathedrale vor Bischöfen, Priestern und Gläubigen seinen Rücktritt erklärt. Direkt vor der Messe hatte die päpstliche Nuntiatur bereits mitgeteilt, Papst Benedikt XVI. habe den Rücktritt des 67-jährigen, der am Freitag nach tagelangem Schweigen Kontakte zum früheren kommunistischen Geheimdienst eingeräumt hatte, angenommen. Ursprünglich sollte Wielgus am Sonntag um elf Uhr feierlich in sei Amt eingeführt werden.

Vatikan begrüßte Wielgus-Rücktritt

Vatikan-Sprecher Federico Lombardi bezeichnete den Rücktritt des neuen Erzbischofs von Warschau, Stanislaw Wielgus, als "angemessene Lösung". "Der Verzicht auf den Stuhl von Warschau und dessen schnelle Annahme seitens des Heiligen Vaters scheint die angemessene Lösung zu sein, um auf die Desorientierung zu reagieren, die in der Nation um sich gegriffen hat", schrieb Lombardi in einer Mitteilung an Radio Vatikan. Das Verhalten von Wielgus in den Jahren des kommunistischen Regimes in Polen habe sein Ansehen schwer beschädigt, auch bei den Gläubigen, hieß es weiter.

Noch am Freitagabend hatten der Vatikan und Wielgus deutlich gemacht, dass der neue Erzbischof seine früheren Geheimdienstkontake eingestanden habe und diese einem Amtsantritt nicht im Wege stünden. In dem Kommunique, das am Samstagabend in allen Kirchen des Erzbistums verlesen wurde, erklärte Wielgus den Gläubigen ausführlich seine viel diskutierten Geheimdienstkontakte.

"Reuevolles Herz"

Er sprach von einem Fehler, den er vor Jahren begangen habe. Er bekenne sich nun zu diesem Fehler, so Wielgus weiter, so wie er diese bereits früher vor Papst Benedikt XVI. bekannt habe. Der Erzbischof wiederholte in dem Schreiben, dass er trotzdem niemanden denunziert und niemandem geschadet habe. Er habe dadurch jedoch der Kirche insgesamt Schaden zugefügt.

Seinen Aufruf an die Priester und die Gläubigen des Warschauer Erzbistums beendet er mit den Worten: "Wenn Ihr mich annehmt, worum ich mit reuevollem Herzen bitte, werde ich zum Bruder unter Euch, der einen und nicht spalten möchte." Zugleich betonte er, dass er sich jeder Entscheidung des Papstes unterwerfen werde.

Vorwürfe gehen weiter

Am Freitag hatte eine kirchliche Untersuchungskommission mitgeteilt, es gebe mehrere wichtige Dokumente, die belegten, dass sich Wielgus bewusst zur Kooperation mit dem SB bereit gezeigt habe. Wielgus wehrte sich gegen den Befund der Wissenschaftler, der sich mit dem einer staatlichen Historikerkommission vom Vortag deckte. Beide Gremien hatten seine 68-seitige SB-Akte im Institut für das nationale Gedächtnis (IPN), dem polnischen Gegenstück zur deutschen Birthler-Behörde, untersucht. In der Mappe gebe es "sehr viel Unwahrheit und Lügen", so Wielgus. Der Erzbischof erklärte als Reaktion auf den Befund der Untersuchungen, er sei 1978 "mit Drohungen und Geschrei" gezwungen worden, vor einer Reise nach München seine Bereitschaft zu einer Zusammenarbeit mit dem Auslandsgeheimdienst zu unterschreiben.

Unterdessen gehen die Vorwürfe gegen Priester und hohe Geistliche, die in Geheimdienstkontakte verstrickt gewesen sein sollen, weiter. Zahlreiche Geistliche aus dem Freundeskreis des Krakauer Kardinals Dziwisz etwa seien vom Geheimdienst systematisch zur Zusammenarbeit gedrängt worden, berichtete "Newsweek Polska" am Montag. Das Interesse der Sicherheitsbehörden kam nicht von ungefähr - Dziwisz war erst der Kaplan von Karol Wojtyla und nach dessen Wahl zum Papst sein persönlicher Assistent. (stl/ma)

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