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Aktuell Amerika

Erneut tödliche Polizeischüsse auf Afroamerikaner

Weißer Polizist erschießt unbewaffneten Schwarzen: Das Muster wiederholt sich. Jetzt hat ein Beamter in einem Vorort von Atlanta einen Afroamerikaner getötet, der nackt und anscheinend geistig verwirrt war.

Bewohner eines Vororts von Atlanta riefen die Polizei, weil ein offenkundig verwirrter, schwarzer Mann nackt auf dem Boden kroch und an Haustüren klopfte. Das teilten die Behörden des Bundesstaates Georgia mit. Als der weiße Polizist den 27-jährigen Schwarzen auf einem Parkplatz zur Rede stellen wollte, sei dieser auf ihn losgestürmt.

"Der Polizeibeamte hat ihn aufgerufen, stehenzubleiben - und ist zurückgewichen", sagte der Polizeichef von DeKalb County, Cedric Alexander. Dann habe der Polizist zwei Schüsse abgegeben. Der 27-jährige Anthony Hill (Artikelbild) sei noch vor Ort gestorben. Weil der Mann nicht bewaffnet gewesen sei, hätten die Behörden eine Untersuchung eingeleitet. Der Polizist sei suspendiert worden. Nun soll die Ermittlungsbehörde GBI in Georgia den Fall prüfen.

Tödliche Polizeischüsse

In den vergangenen Monaten hatten mehrere Fälle von tödlichen Schüssen auf Schwarze durch weiße Polizisten in den USA für Schlagzeilen gesorgt. Erst am Freitagabend war in Madison im Bundesstaat Wisconsin ein 19-Jähriger erschossen worden, der einen Polizisten angegriffen haben soll. Der junge Afroamerikaner trug aber keine Waffe. Am selben Tag tötete ein Polizist in Colorado einen 37-Jährigen, der auf Bewährung entlassen worden war und seine elektronische Fußfessel abgeschnitten hatte.

Besonders große Aufmerksamkeit erregte der Tod des unbewaffneten schwarzen Jugendlichen Michael Brown im August vergangenen Jahres in der Kleinstadt Ferguson. Die Verfahren gegen den weißen Polizisten, der die Schüsse am helllichten Tag auf der Straße abgab, wurden eingestellt. Ein Bericht des US-Justizministeriums prangerte vergangene Woche die routinemäßige Schikanierung von Afroamerikanern durch Polizei und Justiz in Ferguson an.

Obama mahnt in Selma

Am Samstag hatte US-Präsident Barack Obama in einer leidenschaftlichen Rede bei einer Gedenkfeier in Selma im Bundesstaat Alabama auch auf die Ereignisse in Ferguson Bezug genommen. Er äußerte sich vor Zehntausenden Menschen angesichts zahlreicher Vorwürfe über polizeiliche Diskriminierungen und exzessive Gewaltanwendung gegen Schwarze. Man brauche nicht den jüngsten kritischen Bericht des Justizministeriums über die Zustände in Ferguson zu lesen, um zu wissen, "dass die rassistische Geschichte dieser Nation weiter einen langen Schatten auf uns wirft", sagte Obama. Aber er wehre sich gegen Darstellungen, denen zufolge sich im Laufe der Zeit nicht viel geändert habe. "Was in Ferguson geschehen ist, mag kein Einzelfall sein", betonte der erste schwarze Präsident der USA. "Aber es ist nicht mehr typisch oder sanktioniert von Gesetzen und Gewohnheit, wie es zweifellos vor der Bürgerrechtsbewegung der Fall war."

Die Protestmärsche von Selma gelten als einer der größten Meilensteine in der Geschichte der US-Bürgerrechtsbewegung. Zum 50. Jahrestag würdigte Obama die Fortschritte, die seit den Protesten von 1965 bei der Gleichberechtigung für alle Bürger erreicht worden seien. "Aber der Marsch ist noch nicht vorbei, das Rennen ist nicht gewonnen", unterstrich Obama. Auch sein republikanischer Vorgänger George W. Bush nahm an der Veranstaltung teil.

Am 7. März 1965 hatten Polizisten einen geplanten Protestmarsch für die Rechte der schwarzen Bevölkerung von Selma nach Montgomery mit Knüppeln und Tränengas verhindert. Das brutale Vorgehen rüttelte die Nation auf und führte Monate später zu einem Wahlrechtsgesetz, in dessen Folge sich Millionen Schwarze erstmals als Wähler registrieren lassen konnten.

kle/wa (dpa, afp, rtr)