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Aktuell Amerika

Erneut Schwarzer durch Polizei in den USA getötet

Nach dem Tod zweier Schwarzer durch Polizeigewalt sorgt ein weiterer Vorfall im texanischen Houston für Aufsehen. Unterdessen werden immer mehr schockierende Details über den Heckenschützen von Dallas bekannt.

In Houston schossen Polizisten am Samstag den Afroamerikaner Alva Braziel nieder, später erlag dieser seinen Verletzungen. Nach Angaben der örtlichen Medien erklärte die Polizei, Braziel sei bewaffnet gewesen und habe sich geweigert, die Waffe fallenzulassen. Stattdessen habe er sie auf die Beamten gerichtet. Nutzer der sozialen Netzwerke zogen die Angaben der Polizei am Sonntag in Zweifel und forderten weitere Untersuchungen.

Heckenschütze wollte noch mehr Menschen töten

Ermittler haben unterdessen neue Details zu dem Polizistenmörder von Dallas veröffentlicht. Demnach plante er eine noch größere Attacke als die tödlichen Schüsse auf die Beamten. Darauf deuten unter anderem Einträge in einem Tagebuch und der Sprengstoff hin, die in der Wohnung des Täters gefunden wurden. Das berichtete der Polizeichef der texanischen Stadt, David Brown.

Der 25-jährige Micah Johnson hatte in der Nacht zum Freitag während einer Demonstration gegen Polizeigewalt fünf Polizisten erschossen und fünf weitere sowie zwei Zivilisten verletzt. Als Tatmotiv gilt Hass gegen Weiße. Gefundene Schriften und Facebook-Einträge lassen erkennen, dass Johnson Sympathien für afro-nationalistische Ideen und schwarze Extremistengruppen hatte.

Täter lachte und sang

Brown zufolge wurde der Täter anscheinend "in seinem Wahn" durch die Polizeischüsse auf die Schwarzen in Minnesota und Louisiana angestachelt und entschloss sich zu dem Angriff. Er soll zuvor im Garten seines Wohnhauses militärische Praktiken geübt haben - so die Heckenschützentaktik, die er bei seiner Attacke anwendete: schießen und dann immer wieder schnell den Ort wechseln.

Der Polizeichef enthüllte auch, dass der Täter während der stundenlangen Verhandlungen mit Polizisten nicht nur geschossen, sondern auch gelacht und gesungen habe. Wiederholt habe er darüber gesprochen, wie viele Polizisten er wohl noch töten werde. Im Treppenhaus der Garage, in der er später gezielt durch einen Sprengsatz getötet wurde, schmierte Johnson Brown zufolge mit seinem eigenen Blut die Buchstaben RB an die Wand. Was das bedeute, werde noch untersucht.

Angespannte Stimmung

Unterdessen marschierten in zahlreichen US-Städten wieder Tausende Menschen gegen Polizeigewalt. In St. Paul im Bundesstaat Minnesota wurden Polizisten mit Steinen, Böllern und Molotowcocktails beworfen und fünf von ihnen verletzt. In mehreren Städten blockierten Demonstranten wichtige Verkehrsstraßen, in einigen Fällen setzte die Polizei nach Medienberichten Rauchbomben ein. Insgesamt wurden mehr als 200 Menschen festgenommen, so allein 125 in Baton Rouge (Louisiana).

In Dallas schreckte am Samstagabend (Ortszeit) ein neuer Sicherheitsalarm Polizei und Bewohner auf. Ein Teil des Polizeihauptquartiers wurde abgesperrt und nach einer "verdächtigen Person" gesucht, später folgte Entwarnung. In San Antonio (Texas) wurden anscheinend mehrere Schüsse auf das Polizeihauptquartier im Stadtzentrum abgefeuert. Polizisten zufolge wurden das Gebäude getroffen und mindestens eine Patronenhülse gefunden, wie der örtliche Sender KSAT berichtete. Ein Verdächtiger sei festgenommen worden.

Obama beschwört Einheit der Nation

Präsident Barack Obama beschwor die Einheit der Nation und rief seine Landsleute auf, nach vorn zu blicken. Den Polizistenmörder bezeichnete er als "verrückten" Einzeltäter. Obama war sichtlich bemüht, die nach den Vorfällen der vergangenen Woche aufgewühlte Nation zu beruhigen. Das Land sei nicht so gespalten, wie manche es behaupteten, sagte Obama nach Abschluss des NATO-Gipfels in Warschau. Er will Anfang der Woche nach Dallas reisen.

Der Präsident sprach von einer "schmerzhaften" Woche, betonte aber zugleich, dass "die Taten von Einzelnen nicht für uns alle stehen dürfen". Es gebe genügend Gemeinsamkeiten, auf die man bauen könne. Obama wird nach Angaben des Weißen Hauses am Dienstag nach Dallas reisen, um dort an einer Gedenkfeier für die Getöteten teilzunehmen.

chr/cr/jj (dpa, afp, ap)