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Testseite Politik

Erneut Menschenrechtler in Russland ermordet

In der russischen Kaukasus-Republik Tschetschenien ist zum zweiten Mal innerhalb eines Monats eine Menschenrechts-Aktivistin entführt und erschossen worden. Auch ihr Mann wurde tot aufgefunden.

Sarema Sadulajewa in ihrem Büro in Grosny (Foto: dpa)

Die ermordete Sarema Sadulajewa

Wie die Polizei mitteilte, wurden die Leichen des Ehepaars am Dienstag (11.08.2009) im Kofferraum eines Autos in der Nähe der tschetschenischen Hauptstadt Grosny entdeckt. Beide Körper wiesen Schusswunden in Kopf und Brust auf. Die Behörden der unruhigen Kaukasus-Republik waren zunächst nicht von einer Entführung ausgegangen, berichtete die russische Nachrichtenagentur Interfax. Sarema Sadulajewa und ihr Mann Alik Dschabrailow waren am Montag von Unbekannten abgeholt worden und laut Augenzeugenberichten ohne Gewaltanwendung in ein bereitstehendes Fahrzeug eingestiegen.

Engagement für notleidende Kinder

Sarema Sadulajewa leitete in Grosny die regierungsunabhängige Organisation "Save the Generations", die sich in der von zwei Kriegen verwüsteten Region um notleidende Kinder kümmert. Unter anderem im Auftrag von UNICEF organisierte sie die medizinische Behandlung von jugendlichen Minenopfern. In der Vergangenheit hat sie auch mit deutschen Ärzten zusammengearbeitet, wie das Außenministerium in Berlin mitteilte. Auch Sadulajewas Ehemann engagierte sich in der Organisation "Save the Generations".

Tat weckt Erinnerungen an den Fall Estemirowa

Trauer um Natalja Estemirowa (Foto: dpa)

Die Menschen in Tschetschenien trauern. Hier um die vor einem Monat ermordete Natalja Estemirowa

Erst Mitte Juli war die Menschenrechtlerin Natalja Estemirowa ermordet worden. Sie war von Tschetschenien in die Nachbarrepublik Inguschetien verschleppt worden und wurde dort wenige Stunden später mit Schusswunden am Kopf aufgefunden. Der Fall ist wie andere Morde an Bürgerrechtlern in Russland nicht aufgeklärt. Estemirowa leitete den tschetschenischen Zweig von "Memorial", einer der ältesten und bekanntesten russischen Nichtregierungsorganisationen. Seit dem zweiten Tschetschenienkrieg 1999 war sie Hinweisen nach russischen Gräueltaten im Kaukasus nachgegangen "Memorial" machte Tschetscheniens moskautreuen Präsidenten Ramsan Kadyrow oder dessen Untergebene für die Tat verantwortlich. Kadyrow wies dies damals zurück und sagte auch im aktuellen Fall, er habe mit den Morden nichts zu tun.

Bundesregierung äußert sich betroffen

"Ich bin bestürzt über die Ermordung Sarema Sadulajewas und ihres Mannes und verurteile diese feige Tat auf das Schärfste", sagte der deutsche Außenminister in Berlin. An die russischen Behörden appellierte Frank-Walter Steinmeier, Täter und Auftraggeber rasch zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen. Abermals mahnte er auch die Aufklärung des Mordes an Natalja Estemirowa an.

Kritiker werfen der Politik Versagen vor

Straße in Grosny (Foto: dpa)

Grosny: Ein gefährliches Pflaster für Menschenrechtler

Es fehle im Kaukasus an Arbeitsplätzen, gerechten Löhnen, einer effektiven Verwaltung und Polizei sowie an unabhängiger Rechtsprechung, kritisieren russische Menschenrechtler das Versagen der kremltreuen Politiker im Nordkaukasus. "Das fehlt dort alles. Und die letzten Fürsprecher des Volkes, die Menschenrechtler, werden systematisch vernichtet", sagte der Direktor des Moskauer Büros für Menschenrechte, Alexander Brod.

Auch die "Gesellschaft für bedrohte Völker" protestierte angesichts der jüngsten Gewalttat scharf. "Wir sind in großer Sorge um die Sicherheit der verbliebenen tschetschenischen Menschenrechtler, die um ihr Leben fürchten müssen", erklärte die Organisation. Nach Aussagen von Kritikern hat sich Kadyrow in Tschetschenien eine auf Angst, Schrecken und Straflosigkeit basierende Herrschaft geschaffen. Die rückhaltlose Unterstützung Moskaus sichere Kadyrow dabei ab. Menschenrechtler halten es für fast ausgeschlossen, dass die Täter gefasst werden, da der politische Wille fehlt, sie zur Rechenschaft zu ziehen. (qu/det/dpa/ap/afp/rtr)

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