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Aktuell Afrika

Erneut Krawalle in Ägypten

Neue Proteste: Bei Zusammenstößen im Nordosten Ägyptens ist ein Zivilist getötet worden. Im Süden des Landes kam es erneut zu religiösen Unruhen. Unterdessen wollen Oppositionelle US-Außenminister Kerry nicht treffen.

Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten in der ägyptischen Provinzstadt Mansura im Nildelta sind mindestens ein Mensch getötet und dutzende weitere verletzt worden. Der junge Mann, der nach Behördenangaben von einem Polizeitransporter überfahren wurde, soll mit der Protestaktion in der Nacht zum Samstag nichts zu tun gehabt haben.

Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein, um die Gegner des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi, die vor dem Gouverneursgebäude protestierten, zu vertreiben.

Weitere Demonstrationen gab es unter anderem in der Hauptstadt Kairo sowie den Städten Port Said, Ismailija und Suez. In Ägypten protestieren seit Monaten Regierungskritiker gegen Mursi. In den vergangenen Tagen hatten mehrere Berichte über die Misshandlung minderjähriger Demonstranten in Polizeigewahrsam für Empörung gesorgt.

Oppositionsführer wollen Kerry nicht treffen

Unterdessen lehnen zwei einflussreiche ägyptische Oppositionsführer ein Treffen mit US-Außenminister John Kerry bei dessen Besuch in Kairo an diesem Wochenende ab. Hamdeen Sabahi von der Nationalen Heilsfront sagte dem Fernsehsender ONTV, er und der Friedensnobelpreisträger Mohammed Al-Baradei wollten damit gegen den von Washington auf sie ausgeübten "Druck" protestieren, den von ihnen angekündigten Boykott der Parlamentswahl im April zurückzunehmen.

Oppositionsführer Hamdeen Sabahi vor Reportern in Kairo (Foto: dpa)

Oppositionspolitiker Hamdeen Sabahi will US-Außenminister John Kerry nicht treffen

Der frühere Generalsekretär der Arabischen Liga Amre Mussa, der ebenfalls der Nationalen Rettungsfront angehört, sagte dagegen im Gespräch mit dem Nachrichtenportal Al-Ahram, er wolle mit Kerry sprechen.

Der erste Besuch von Kerry in Ägypten wird von Protesten überschattet. Gegner der islamistischen Führung riefen zu Demonstrationen vor dem Außenministerium und der US-Botschaft in Kairo auf. Sie werfen der US-Regierung vor,sie unterstütze die regierenden Muslimbrüder, obwohl diese die Spielregeln der Demokratie nicht beachteten. Zu den offiziellen Terminen des US-Außenministers gehört unter anderem ein Gespräch mit Präsident Mursi.

Politisch angespannte Lage

Die Nationale Heilsfront begründet ihren Boykottaufruf der anstehenden Parlamentswahl mit der Weigerung von Präsident Mursi und seiner islamistischen Regierung, auf ihre Forderungen einzugehen. Dazu gehört die Bildung einer neuen "Regierung zur Rettung des Landes". Das zum großen Teil aus liberalen und linksnationalistischen Gruppierungen bestehende Oppositionsbündnis verlangt außerdem, dass ein transparenter Verlauf der Präsidentschaftswahl gewährleistet sein muss.

Die Lage in Ägypten ist politisch äußerst angespannt. Auf Anordnung Mursis beginnt die Wahl am 22. April und zieht sich in mehreren Etappen bis Juni hin. Das neue Parlament soll am 2. Juli zusammentreten.

Religiöse Ausschreitungen

Am Freitag kam es auch zu religiösen Unruhen im Süden Landes. Die Polizei ging in der Stadt Kom Ombo gegen muslimische Demonstranten vor, die sich vor einer christlichen Kirche versammelt hatten, wie aus Sicherheitskreisen verlautete.

Anlass der Zusammenstöße waren Gerüchte, wonach eine 36-jährige Muslimin von den Christen entführt und zum Glaubensübertritt gezwungen worden sein soll. Den Angaben zufolge bewarfen die Protestierenden die Polizei mit Steinen, worauf die Beamten mit Tränengas geantwortet hätten.

Vor der Kirche hatte es schon am Donnerstag eine Demonstration gegeben. Spannungen zwischen Muslimen und den ägyptische Kopten sind häufig. In vielen Fällen geht es dabei um angeblich zur anderen Religion übergetretene Gläubige. Die Kopten machen rund sechs bis zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung aus.

GD/det (afp, dpa, kna)