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Aktuell Asien

Erneut Gewalt in Hongkong

Die politische Krise in Hongkong spitzt sich wieder zu: Nachdem Demonstranten einen Tunnel blockiert hatten, kam es zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei.

Hunderte Polizisten gingen in Hongkong gegen Protestierende vor, die in einem vierspurigen Straßentunnel nahe dem Sitz der Stadtverwaltung neue Barrikaden errichtet hatten. Die Sicherheitskräfte setzten Pfefferspray gegen Demonstranten ein, die sich weigerten, die Straße zu räumen. 45 Menschen wurden festgenommen. Vier Beamte wurden nach Polizeiangaben verletzt. Lokale Medien sprachen auch von verletzten Demonstranten. Es gab chaotische Szenen, als Polizisten Demonstranten zu Boden rangen.

Studentenvereinigung nicht beteiligt

Binnen einer Stunde brachte die Polizei die viel befahrene Hauptstraße wieder unter Kontrolle. Die Blockade des Tunnels war offenbar eine Reaktion auf die Räumung eines anderen Protestortes durch die Polizei. Die Aktion ging nicht auf die Studentenvereinigung oder die "Scholarism" genannte Gruppe der Oberschüler zurück, die als treibende Kräfte hinter den Protesten stehen, wie lokale Medien einen Studentenführer zitierten. Vielmehr hätten einige Demonstranten offenbar auf eigene Faust gehandelt, nachdem die Behörden die Barrieren geräumt und den Dialog verweigert hätten.

Ermittlungen wegen brutaler Attacke

Die Polizei ging offenbar auch gewaltsam gegen Journalisten vor. Der Online-Reporter Daniel Cheng sagte der Nachrichtenagentur AFP, er sei von mehreren Polizisten festgehalten und geschlagen worden. "Ich habe versucht, ihnen zu sagen, dass ich ein Reporter bin, aber sie haben mir nicht zugehört", sagte er. Demnach erlitt er Schnittwunden und Verletzungen an Nacken und Rücken. Erst als es ihm später gelang, seinen Presseausweis zu zeigen, sei er freigelassen worden.

Nach dem gewaltsamen Einsatz der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten in Hongkong schlugen Vorwürfe wegen Polizeibrutalität große Wellen. Auslöser ist ein Video, das der Fernsehsender TVB verbreitete und das zeigt, wie Polizeibeamte im Einsatz einen gefesselten Mann in eine dunkle Ecke tragen, auf den Boden legen und immer wieder mit Fußtritten traktieren. Das Opfer wurde später als Ken Tsang, Mitglied der oppositionellen prodemokratischen Bürgerpartei, identifiziert. Abgeordnete der Partei veröffentlichten Fotos von seinen Prellungen und Abschürfungen am Körper und im Gesicht. Er wurde im Krankenhaus behandelt.

Aktivisten blockieren einen besetzten Tunnel mit Steinen (Foto: Reuters)

Aktivisten blockieren einen besetzten Tunnel mit Steinen

Der Sicherheitschef der chinesischen Sonderverwaltungszone, Lai Tung-kwok, berichtet, die beteiligten Beamten seinen "vorübergehend vom Dienst suspendiert" worden. Nach einer Beschwerde wegen Polizeibrutalität wurde eine formelle Untersuchung eingeleitet.

Die Proteste in der früheren britischen Kronkolonie, die seit 1997 als autonom regierte Sonderverwaltungsregion zu China gehört, dauern seit mehr als zwei Wochen an. Auslöser waren Beschlüsse Pekings, 2017 zwar erstmals eine direkte Wahl in Hongkong zu erlauben, den Wählern aber eine freie Nominierung der Kandidaten zu verweigern. Die Regierung von Hongkong hatte auch einen geplanten Dialog mit den Studenten zur Lösung der politischen Krise wieder abgesagt.

cr/cw/kle (afp, dpa, rtr)