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Afrika

Ernüchterung nach Obamas Afrika-Reise

Obamas Afrikareise ist nach einer Woche zu Ende gegangen. Die anfängliche Euphorie der Afrikaner für Obama ist inzwischen einer Ernüchterung gewichen. Sein Afrika-Engagement fällt hinter das seiner Vorgänger zurück.

Foto: REUTERS/Jason Reed (TANZANIA - Tags: POLITICS)

Tansania USA Präsident Barack Obama Abreise von Daressalam

Tänzer erwarteten den US-Präsidenten bei der Ankunft in Tansania, der letzen Station seiner Afrikareise. Ein traditionelles Ritual zur Begrüßung. In den Beziehungen wünscht sich Barack Obama einen Wandel, ein neues Modell für die Zusammenarbeit mit Afrika. Weg von traditioneller Entwicklungshilfe, hin zu einer Partnerschaft mit wirtschaftlichem Schwerpunkt. Wirtschaft und Handel standen im Fokus seiner Reise, weshalb er auch von 500 Geschäftsleuten begleitet wurde. "Das Ziel muss sein, dass Afrika selbst Afrika aufbaut - für Afrikaner. Unsere Aufgabe dabei ist, ein Partner in diesem Prozess zu sein", sagte Obama und lobte Tansania als einen der besten Partner.

Titel: Kritische Zeitungsausschnitte in der Presse vor dem Eintreffen Obamas in Südafrika Autor/C: DW/Ludger Schadomsky Fotos vom 28.6.13 Zulieferer: Lina Hoffmann

Kritische Stimmen in Südafrikanischen Zeitungen

Ziemlich beste Freunde?

"Die Tansanier lieben Sie", sagte Tansanias Präsident Jakaya Kikwete zu seinem US-amerikanischen Amtskollegen, während sie gemeinsam über die extra für den Besuch in "Barack Obama Drive" umbenannte Hauptstraße ins Zentrum von Dar es Salaam fuhren. Ziemlich beste Freunde also? Beobachter beschreiben den Jubel um Obama als staatlich inszeniert. "Wir haben viel intensivere Wirtschaftsbeziehungen zu China als zu den USA", sagt der tansanische Wirtschaftswissenschaftler und Oppositionspolitiker Ibrahim Lipumba und belegt sein Argument mit Zahlen. 2012 habe Tansania Waren im Wert von 66 Millionen US-Dollar in die USA exportiert - nach China hingegen seien es Waren im Wert von 530 Millionen US-Dollar gewesen.

China hat die USA als Afrikas größten Handelspartner abgelöst. Dass der neue chinesische Präsident Xi Jinping unmittelbar nach Amtsantritt demonstrativ die "ernsthafte Freundschaft" zwischen China und Afrika beschwor und für seine erste Auslandsreise Afrika als Ziel aussuchte, ist im Weißen Haus nicht verborgen geblieben. Doch trotz der Investitionen aus China, Indien und Brasilien - die USA spielen weiter eine wichtige Rolle in Afrika. Für Südafrika, der zweiten Station Obamas, sind sie einer der wichtigsten Handelspartner. Rund 600 amerikanische Unternehmen sind dort ansässig und beschäftigen 120.000 Menschen. Und die US-Direktinvestitionen in Südafrika lagen 2010 immerhin bei 6,5 Milliarden US-Dollar.

U.S. President Barack Obama meets with Senegal's President Macky Sall (R) at the Presidential Palace in Dakar, June 27, 2013. REUTERS/Jason Reed (SENEGAL - Tags: POLITICS)

Unstimmigkeit über die Legalisierung von Homosexualität - Obama und Sall

Amts-Vorgänger mit größeren Afrika-Programmen

Obamas Vorgänger Bill Clinton unterzeichnete das AGOA-Handelsabkommen (African Growth and Opportunity Act). Durch das Abkommen darf ein großer Teil aller Waren aus Afrika zu bevorzugten Konditionen in die USA exportiert werden, auch Textilien genießen Vergünstigungen. George W. Bush junior überraschte während seiner Amtszeit mit einem 15-Milliarden-Dollar AIDS-Programm.

Und Obama, der erste afroamerikanische US-Präsident? Ein Programm mit ähnlichem oder gar größerem Volumen - als das seiner Vorgänger -  wird es weiterhin nicht geben. Immerhin: Er kündigte eine Initiative an, bei der die USA in den nächsten fünf Jahren sieben Milliarden US-Dollar investieren, um den Zugang zu Elektrizität in Subsahara-Afrika zu verdoppeln. Im Senegal, der ersten Station seiner Afrikareise, sagte Obama außerdem Landwirtschaftshilfen zu.

Auch abseits wirtschaftlicher Themen äußerte sich Obama. Er forderte afrikanische Regierungen auf, mehr gegen die Korruption zu tun und sich für den demokratischen Wandel einzusetzen. Im Senegal drängte der US-Präsident auf Gleichheit für Homosexuelle in Afrika. Homosexualität ist in den meisten Ländern des Kontinents verboten, in einigen Extremfällen droht sogar die Todesstrafe. Senegals Präsident Macky Sall hielt Obama jedoch entgegen: die senegalesische Gesellschaft sei noch nicht bereit, Homosexualität zu entkriminalisieren.

Zu hohe Erwartungshaltungen

"Ich glaube, dass die Erwartungshaltungen von Anfang an zu groß waren", sagt  Stefan Reith, der Leiter des Auslandsbüros der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung in Tansania. "Ich habe das Blut Afrikas in mir", hatte Obama, dessen Vater aus Kenia kommt, vor einigen Jahren gesagt und damit Hoffnungen auf dem ganzen Kontinent geweckt. Doch die Immobilien- und Wirtschaftskrise in den USA forderten Obama innenpolitisch; geostrategisch geriet Asien zum Interessenschwerpunkt.

Sicher seien während der Reise wirtschaftliche Kontakte intensiviert worden, bilanziert Stefan Reith. Doch so wichtig Afrika auch sei - auf der Prioritätenliste der US-Außenpolitik stehe es natürlich nicht ganz oben. "Daran können auch die Wurzeln eines Präsidenten nichts ändern."

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