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Kultur

Ernüchternde Annäherungen

Der Tag der offenen Moschee ist eine symbolische Geste um den Dialog der Kulturen zu fördern. Doch die gewünschte Annäherung kommt nur langsam voran, beispielsweise in Duisburg.

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Der Tag der offenen Moschee stößt nicht überall auf reges Interesse

Seit sechs Jahren gibt es ihn, den Tag der offenen Moschee in Deutschland. Die Anschläge des 11. September sorgten im vergangenen Jahr für einen enormen Zuwachs an Besuchern. Rund 200.000 interessierte Nicht-Muslime ließen sich auch in diesem Jahr durch mehr als 1000 Moscheen führen. Man wollte sich informieren, orientieren und in der Nachbarschaft wieder sicher fühlen.

Das soll den Willen zur Integration demonstrieren, meinten die Organisatoren. Doch ein Jahr nach den Terroranschlägen in New York sind Angst und gegenseitiges Misstrauen immer noch präsent. Für einige muslimische Gemeindeführer in Duisburg, einer Stadt in Nordhrein-Westfalen mit teilweise bis zu dreißig Prozent Ausländeranteil, bedeutete der diesjährige Tag der offenen Moschee auch ein Rückblick auf ein nicht allzu erfreuliches Jahr.

Offene Türen in Duisburg - doch wenig Interesse

Moschee in Gelsenkirchen

Moschee in Gelsenkirchen

Nur einige der rund sechzig Moscheen in Duisburg hatten am vergangenen Donnerstag (3.10.02) zum Tag der offenen Moschee ihre Tore geöffnet. Denn nicht alle Moschee-Gemeinden verfügen über die finanziellen Mittel: Gäste müssen bewirtet werden, so verlangt es die orientalische Etiquette. Und: nicht jede Gemeinde kann ein Mitglied aufbieten, dass sich in gutem Deutsch mit den Besuchern verständigen und Führungen organisieren kann. Einige Moscheen haben sich deshalb zusammengetan.

Mangelndes Vertrauen

Für Mohammed Saidi, studierter Mediziner und zweiter Vorsitzender der Islamischen Gemeinde der Aly Moschee in Duisburg Hochfeld, hat die geringe Beteiligung ganz klar mit Integrationsproblemen zu tun: "Die Muslime ziehen sich mehr zurück, weil sie sehen, dass der Dialog doch nicht das bringt, was man erwartet hat. Von beiden Seiten hat das Vertrauen etwas abgenommen."

Geschichtliche Hürden - Der Streit um den Gebetsruf

Seit sechs Jahren ist Saidi im Dialog zwischen Muslimen, Kirchen, Bürgern und Staat in Duisburg aktiv. So lange liegen auch die heftigen Auseinandersetzungen zurück, mit denen die Stadt in den Jahren 1996 und 1997 für Schlagzeilen sorgte und seither in der Öffentlichkeit als schlechtes Beispiel für Integration und Zusammenleben der Kulturen gilt.

Damals bemühten sich zwei muslimische Gemeinden um eine staatliche Erlaubnis, ihren Gebetsruf, den Ruf des Muezzins, einmal am Tag über Lautsprecher erschallen zu lassen. Der Protest in manchen Teilen der Bevölkerung war derart groß - angeführt von öffentlichen Entrüstungen des evangelischen Pfarrers Reuter, dass die Anträge abgelehnt wurden. Man einigte sich darauf, die Annäherung zwischen Muslimen und ihren Nachbarn verstärkt zu fördern, um nach einer sichtlichen Verbesserung der Beziehungen erneut über den Muezzinruf zu beraten.

Nach Jahren offizieller und gemeinnütziger Bemühungen ist Mohamed Saidi nicht mehr so optimistisch: "Irgendwo hat man das Gefühl, dass die Muslime in Duisburg dialogmüde werden." Auch nach einer kürzlichen Feier zum zwanzigjährigen Bestehen des Dialogs zwischen Muslimen und Christen zieht Saidi eine ernüchternde Bilanz. Man könne nicht behaupten, dass ein genereller Dialog zwischen allen Muslimen und allen Institutionen hier in Duisburg herrschen würde. Noch immer gäbe es Vorurteile und Hemmungen.