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Politik

Ermordeter Menschenrechtsanwalt in Moskau beerdigt

Mit Trauer und lautem Protest an der Staatsführung nahmen in Moskau hunderte Menschen Abschied vom Bürgerrechtler Markelow und der Journalistin Baburowa. Der Westen verlangt weiter die Aufklärung des Doppelmords.

Freunde und Angehörige umstehen blumengeschmückten Sarg Markelows (ap)

Eindrucksvolle Trauerfeier und Bekundung von Solidarität am Sarg von Markelow in Moskau

Die Beisetzung auf dem Friedhof Ostankino im Norden der russischen Hauptstadt am Freitag (23.01.2009) wurde begleitet von einem massiven Aufgebot an Sicherheitskräften. In stiller Trauer gaben etwa 300 Menschen dem zu Wochenbeginn auf offener Straße erschossenen Menschenrechtsanwalt Stanislaw Markelow das letzte Geleit. Unter den Gästen waren neben Freunden und Angehörigen auch zahlreiche Vertreter der Bürger- und Menschenrechtsbewegung.

"Kriminelle Gesellschaft mit verkommener Moral"

Diese werfen den Behörden vor, den Mord an Markelow und der Journalistin Anastassija Baburowa nicht verhindert zu haben. Markelow, der wie Baburowa für die regierungskritische Zeitung "Nowaja Gaseta" gearbeitet hatte, war vor seinem Tod mehrfach bedroht worden.

"Dieses widerwärtige Verbrechen - nur ein Katzensprung vom Kreml entfernt - zeigt, dass der Verbrecher wusste, dass er unbestraft davonkommt - das ist eine Ohrfeige für den Staat", beklagte der Chef der russischen Anwaltskammer, Genri Resnik. Die Regierung sei nicht in der Lage, die Menschen zu schützen. Man lebe "in einer kriminellen Gesellschaft mit verkommener Moral".

Und immer wieder Tschetschenien

Demonstranten mit Bildern der ermordeten Baburowa in Berlin (ap)

Mahnwache für die ermordeten Markelow und Baburowa in Berlin, nahe der russischen Botschaft

Nach Meinung von Kremlkritikern diente die "öffentliche Hinrichtung" auch dazu, weiter Angst unter Andersdenkenden in Russland zu schüren. Bis heute haben die Ermittler nach offiziellen Angaben keine Hinweise auf die Identität des maskierten Täters. Markelow hatte sich unter anderem durch seinen Einsatz für zivile Opfer des Tschetschenien-Krieges Feinde unter russischen Militärs und Ultranationalisten gemacht. Der Anwalt hatte unmittelbar vor der Tat vor der Presse die vorzeitige Entlassung eines russischen Ex-Obersten kritisiert, der für den Mord an einer jungen Tschetschenin einsaß. Markelow arbeitete als Jurist auch für die 2006 ermordete Journalistin Anna Politkowskaja.

Auch für das zweite Opfer des Mordanschlags vom Montag, die couragierte Reporterin Baburowa, gab es eine Trauerfeier in Moskau. Sie soll in den nächsten Tagen auf der zur Ukraine gehörenden Schwarzmeer-Halbinsel Krim in ihrer Heimatstadt Sewastopol beigesetzt werden. Baburowa war tödlich verletzt worden, als sie Markelows Mörder verfolgen wollte. Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko sprach den Eltern Baburowas sein Beileid aus. "Sie wurde beim Ausüben ihres Berufes unschuldig Opfer feiger Verbrecher, die rasch gefunden und hart bestraft werden sollten", heißt es in dem in Kiew veröffentlichten Schreiben.

Kremlführung am Pranger

Wie viele andere westliche Politiker hatte auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) eine rasche Aufklärung des Doppelmords verlangt. "Täter und Drahtzieher" müssten ermittelt und bestraft werden. In der russischen Führung haben sich bisher weder Kremlchef Dmitri Medwedew noch Regierungschef Wladimir Putin öffentlich zu dem Doppelmord geäußert. Insbesondere Medwedew hatte bei seinem Amtsantritt mit dem Versprechen geworben, Rechtsstaatlichkeit durchzusetzen und den Justizapparat zu reformieren.

Das Moskauer Außenministerium stellte jetzt lediglich trocken fest, die westlichen Staaten versuchten, "die Tragödie künstlich zu politisieren". (sc)

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