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Kultur

Ermordet, verhaftet, verschwunden

Das deutsche P.E.N.-Zentrum erinnert an verfolgte Schriftsteller und Journalisten. Der "Tag des Schriftstellers im Gefängnis" richtet seinen Blick vor allem auf den Iran.

Journalist im Gefängnis (Foto: dpa)

Im ersten Halbjahr 2009 hat das Londoner Zentrum der internationalen Schriftstellervereinigung P.E.N. rund 650 Fälle registriert: Schriftsteller und Journalisten in den verschiedensten Ländern dieser Welt werden verfolgt, verschwinden, landen im Gefängnis oder werden irgendwann tot aufgefunden.

Wachsender Nationalismus

Dirk Sager (Foto: dpa)

Dirk Sager, Vize-Präsident des P.E.N.-Club Deutschland

Die Verhältnisse weltweit, sagt Dirk Sager, Journalist und Vizepräsident des deutschen P.E.N.-Zentrums, seien nicht einfacher, sondern vielmehr bedrängender und fürchterlicher geworden: "Seit dem Ende des Kalten Krieges gibt es neue Konfliktherde: Wachsender Nationalismus mit entsprechenden Repressionen gegenüber Minderheiten und Andersdenkenden." In den Zeiten des Kalten Krieges sei es üblich gewesen, dass Politiker, die beispielsweise nach Moskau reisten, dort für Dissidenten ein gutes Wort einlegen konnten. Je nach politischer Großwetterlage habe das auch genützt.

Logo P.E.N. Zentrum Deutschland

Einsatz für Schriftsteller und Journalisten

Russland und China gehen ihren eigenen Weg

Heute neigten insbesondere die Regierungen wirtschaftlich erstarkter Länder dazu, sich über derartige Fürsprachen für Andersdenkende hinweg zu setzen: "Wir haben eine Reihe von Ländern, und dazu gehören auch das heutige Russland oder China, die erklären sich eigentlich für frei von diesen internationalen Regeln, weil sie sagen: "Wir gehen einen besonderen Weg. Dieser rechtfertigt ein besonderes Vorgehen gegenüber Andersdenkenden."

"Das ist nicht hinnehmbar"

Symbolbild Iran, Gefängnis, Verhaftung (Grafik: AP)

"Das Schlimmste ist, wenn die Menschen vergessen werden": Iran steht im Zentrum des "Tags des Schriftstellers"

Zum Beispiel gegenüber Menschen, die von der herrschenden Elite nicht als staatstragend empfunden, sondern vielmehr als Bedrohung des Einheitsstaates gesehen werden. "Nehmen Sie beispielsweise China: Alle diejenigen in China, die sich für mehr Autonomie in Tibet einsetzen oder bei den Uiguren, werden verfolgt. Und weil, wie wir nun wissen, ein rechtsstaatliches System in China nicht funktioniert - bei den Uiguren hat es auch sehr viele Todesurteile gegeben in der jüngeren Zeit - muss man davon ausgehen, dass das nicht hinnehmbar ist. Dass man sich dagegen wehren muss. Dass man die Weltöffentlichkeit aufrütteln muss."

Brennpunkt Iran

Bücherstapel (Foto: Picture Alliance)

Wenn Bücherschreiben zur Gefahr wird, wird der P.E.N.-Club aktiv

Schlimmer noch als Folter und all das, was in vielen Ländern hinter Gefängnismauern geschehe, sagt Dirk Sager, sei es, wenn die Gefangenen vergessen werden. Deshalb erinnert der P.E.N. mit dem "Tag des Schriftstellers – Writers in Prison" am 15. November an die Schriftsteller und Journalisten, die weltweit Opfer von Verfolgung sind und in Gefängnissen gequält werden. Das deutsche P.E.N.-Zentrum lenkt den Blick dabei gezielt auf den Iran und erinnert mit einer Lesung an die Ereignisse des letzten Sommers. Den Protest gegen die Fälschung der Präsidentenwahlen ließen die Machthaber seinerzeit brutal niederknüppeln. Mehr als 50 Demonstranten kamen zu Tode, unzählige verschwanden in den Gefängnissen: "Wir wollen an die Opfer dieser Entwicklung erinnern. Aber wir wollen mit dieser Veranstaltung auch ein bisschen den Blick weiten. Auf das Land. Also, wir wollen zu den Bildern der Demonstrationen, die wir alle im Sommer im Fernsehen gesehen haben, auch zeigen, dass dieses Land ein reiches Land ist - mit einer wundervollen Literatur!"

Eine Literatur, die 50 Jahre lang die Gewaltherrschaft wechselnder Regime begleitet und auch kommentiert hat. Die genau hinguckt und von den Menschen erzählt, die im Iran leben. Diese Literatur, sagt Dirk Sager, könne dazu beitragen, dass man das Land außerhalb seiner Grenzen wirklich wahrnimmt, dass man versucht, es zu verstehen und sieht, dass auch dort Dichter leben, die den Schmerz der Menschen und deren Liebe besingen.

Autorin: Silke Bartlick
Redaktion: Elena Singer

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