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Anschlag auf den BVB

Ermittlungen zum Anschlag auf BVB-Bus: Reichlich Spekulationen

"Wir prüfen noch" - "Es ist noch viel zu früh": Derlei Antworten halten die Behörden parat, wenn sie auf aktuelle "Wasserstandsmeldungen" zum Anschlag in Dortmund angesprochen werden. Wer will es ihnen verdenken?

Der BVB-Mannschaftsbus und Polizeifahrzeuge nach dem Anschlag vom 11. April 2017 (Foto: Getty Images/M. Hitji)

Der BVB-Mannschaftsbus und Polizeifahrzeuge nach dem Anschlag am Abend des 11. April

Nach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund prüfen die Ermittler ein weiteres angebliches Bekennerschreiben mit rechtsextremen Parolen. In den Sicherheitsbehörden gibt es aber Zweifel, dass der oder die Verfasser tatsächlich etwas mit den Bombenexplosionen zu tun haben, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfuhr. Für eine abschließende Bewertung sei es aber noch zu früh. Weiter hieß es, selbst wenn die Mail von einem Trittbrettfahrer stamme, werde sie ernst genommen. Die Bundesanwaltschaft wollte zunächst keine Einschätzung zur Echtheit abgeben. "Wir prüfen noch", sagte Sprecherin Frauke Köhler.

Frauke Köhler, die Sprecherin des Generalbundesanwalts (Foto: picture alliance/dpa/U. Deck)

Frauke Köhler, die Sprecherin des Generalbundesanwalts

Eine echte Bekenner-Mail?

Die angebliche Bekenner-Mail war am Donnerstag beim Berliner "Tagesspiegel" eingegangen. Der anonyme Verfasser bezieht sich auf Adolf Hitler, hetzt gegen "Multi Kulti" und droht mit einem weiteren Angriff. In der Mail wird die Asyl- und Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel scharf attackiert

Auch die Kölner Polizei ist mit dem neuen angeblichen Bekennerschreiben aus der rechten Szene befasst. Es enthält die Drohung, dass am 22. April "buntes Blut fließen" werde. Das zielt nach Einschätzung aus Sicherheitskreisen vermutlich auf linke Demonstranten gegen den dann in Köln stattfindenden AfD-Bundesparteitag.

Unmittelbar nach dem Anschlag waren am Tatort drei gleichlautende Bekennerschreiben mit islamistischen Bezügen entdeckt worden. Es wird aber bezweifelt, dass diese tatsächlich von Islamisten stammen. Bei einem weiteren angeblichen Bekennerschreiben, in dem ein linksextremistischer Hintergrund behauptet wurde, bestehen nach Einschätzung der Ermittler ebenso starke Zweifel an der Echtheit. Ermittelt wird in Richtung von Rechtsextremisten, gewaltbereiten Fußballfans und Allgemein-Kriminellen. Mittlerweile wurden rund 100 Kriminalbeamte zu einer Sonderermittlungsgruppe zusammengefasst - der Besonderen Aufbauorganisation (BAO) "Pott", wie es im Polizeideutsch heißt.

Sprengstoff aus Bundeswehr-Beständen? 

Eine Sprecherin des Bundeskriminalamts wies inzwischen auch Spekulationen zurück, der in Dortmund verwendete Sprengstoff stamme eventuell aus Beständen der Bundeswehr. "Es ist noch viel zu früh, solche Aussagen zu treffen, da die kriminaltechnischen Untersuchungen noch laufen." Die "Welt am Sonntag" hatte Ermittlerkreise mit den Worten zitiert: "Der Sprengstoff in den Rohrbomben, die mit Metallstiften gefüllt waren, stammt eventuell aus Beständen der Bundeswehr. Aber das wird noch geprüft."

Dortmund-Profi Marc Bartra (Foto: picture-alliance)

Dortmund-Profi Marc Bartra

Die "Welt am Sonntag" zitierte aus einer vertraulichen Anweisung an regionale Polizeipräsidien, wonach insbesondere Fußballspiele, Rockkonzerte und Kulturevents gefährdet sind. Veranstaltern werde deshalb geraten, die Kräfte privater Sicherheitsunternehmen zu erhöhen. Laut "Bild"-Zeitung wollen die Bundesländer ihre Einsatzkonzepte für Großveranstaltungen überprüfen. Dazu habe es bereits am Mittwoch eine Telefonschaltkonferenz der zuständigen Innenministerkonferenz von Bund und Ländern gegeben.

Am Dienstag waren drei Sprengsätze neben dem BVB-Bus explodiert. Der Dortmunder Fußballprofi Marc Bartra sowie ein Polizist wurden teils schwer verletzt. Bartra (26) konnte inzwischen - vier Tage nach dem Anschlag - aus dem Krankenhaus entlassen werden.

sti/qu (afp, dpa, rtr, sid)