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Deutschland

Ermittlungen gegen deutsche KSK-Soldaten im Fall Kurnaz

Der nach Guatanamo verschleppte Kurnaz hat auf einem Foto angeblich jenen Soldaten erkannt, der ihn in Afghanistan misshandelt haben soll. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei Soldaten der Eliteeinheit KSK.

Porträtfoto von Murat Kurnaz

Murat Kurnaz (Archivbild)

Den beschuldigten Soldaten werde gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung im Amt vorgeworfen, teilte die Tübinger Staatsanwaltschaft am Montag (8.1.) mit.

Der in Bremen geborene Türke Murat Kurnaz war im Dezember 2001 bei einer Buskontrolle in Pakistan festgenommen und nach Angaben seines Anwalts nach Afghanistan verkauft worden. Später war er in das Guantanamo-Lager auf Kuba gebracht worden, wo er vier Jahre lang festgehalten wurde. Kurnaz hatte erklärt, ein KSK-Soldat habe ihn während seiner Gefangenschaft in Kandahar im Januar 2002 an den Haaren gepackt und seinen Kopf auf den Boden geworfen. Außerdem sei er getreten worden. Bei den Misshandlungen war nach Angaben von Kurnaz ein weiterer deutscher Soldaten anwesend.

Verjährung verhindert

Zwei KSK-Soldaten bei einer Uebung in der Graf-Zeppelin-Kaserne in Calw am 5. Februar 2004

KSK-Soldaten unter Verdacht

Mit der Einleitung der Ermittlungen ist die drohende Verjährung abgewandt und ein späteres Strafverfahren bleibt möglich. Da einfache Körperverletzung nach fünf Jahren verjährt, hatten sich die Behörden bemüht, bis Januar Beschuldigte zu ermitteln. Einem Medienbericht zufolge wussten 32 KSK-Männer, die 2002 in Afghanistan eingesetzt worden waren, von der Gefangenschaft Kurnaz' in Kandahar. Fünf KSK-Männer bestätigten demnach, dass sie Kurnaz in dem US-Lager gesehen hatten.

Die Ermittlungen konzentrierten sich laut Staatsanwaltschaft auf 14 KSK-Soldaten, die Anfang Januar 2002 Kontakt zu Kurnaz gehabt haben könnten. Alle seien als Zeugen vernommen und außerdem fotografiert worden. Am 28. Dezember 2006 seien diese 14 Bilder zusammen mit 34 weiteren Fotos von unbeteiligten Personen, die in Uniformen der KSK fotografiert worden waren, Kurnaz in Bremen vorgelegt worden. Als Kurnaz angab, den Soldaten erkannt zu haben, der ihn misshandelt habe, leitete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen den Soldaten und einen weiteren Mann ein, der mit ihm Dienst hatte.

Ermittlungen dauern an

Die beiden Männer sollen nun als Beschuldigte vernommen werden, erklärte Oberstaatsanwalt Walter Vollmer. Das Verfahren war von der Staatsanwaltschaft Potsdam abgegeben worden, weil Tübingen für den KSK-Standort Calw zuständigist.

Kurnaz kam erst am 24. August 2006 zurück zu seiner Familie nach Deutschland, nachdem Angela Merkel in dem Fall interveniert hat. Der Verteidigungsausschuss und der BND-Untersuchungsausschuss des Bundestages wollen sich noch Anfang dieses Jahres mit dem Fall Kurnaz befassen.

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