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Aktuell Deutschland

Ermittlergruppe "Kanister" fahndet nach Tröglitz-Brandstiftern

Auch nach dem Anschlag auf das Flüchtlingsheim will Tröglitz Asylbewerber aufnehmen - allerdings weniger. Das LKA lobte eine Prämie für Hinweise auf die Täter aus. Eine Sonderkommission ermittelt und hat einen Verdacht.

Eine eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe aus 17 Beamten mit dem Namen "Kanister" will den Brandstiftern des Mehrfamilienhauses in Tröglitz möglichst schnell auf die Spur kommen. Hinweise, die zur Aufklärung des Anschlags auf das noch nicht bezogene Flüchtlingsheim im südlichen Sachsen-Anhalt führen, werden mit insgesamt 20.000 Euro belohnt, wie der Direktor des Landeskriminalamts (LKA) in Sachsen-Anhalt, Jürgen Schmökel, in Magdeburg ankündigte. Für diesen Mittwoch planen die Fahnder eine umfassende Befragung in der 2700-Einwohner-Ortschaft im Burgenlandkreis.

Kanister sichergestellt

Ermittelt werde in alle Richtungen, hieß es weiter. Allerdings werde vermutet, dass der Anschlag aus der rechten Ecke heraus verübt worden sei. Laut LKA-Direktor Schmökel wurde der Brandanschlag in der Nacht zum Ostersamstag zwischen Kontrollen zweier Polizeistreifen verübt. Der oder die Täter seien in das Haus eingebrochen und hätten mitgebrachten Brandbeschleuniger an verschiedenen Stellen verteilt. Die Polizei fand später Kanister.

Zunächst werden nur zehn Flüchtlinge aufgenommen

Ungeachtet aller Proteste der rechten Szene halten das Bundesland und der zuständige Burgenlandkreis daran fest, in Tröglitz insgesamt 40 Asylbewerbern ein neues Zuhause zu geben. Der Zeitplan hierfür verschiebt sich nach den Worten von Landrat Götz Ulrich (CDU) allerdings nach hinten.

Landrat Ulrich: Können vorerst nur zehn Flüchtlinge aufnehmen (Foto: dpa)

Landrat Ulrich erhält weiter Drohungen

So werden laut Ulrich von Ende Mai an zunächst nur zehn Flüchtlinge in dem Ort eine Unterkunft finden. Sie werden privat untergebracht. Tröglitzer Bürger hätten Wohnraum angeboten. Wie geeignet die Räume sind, wird in den kommenden Tagen geprüft. Die Sanierung der in Brand gesetzten Flüchtlingsunterkunft wird Monate dauern, wie der Landrat weiter mitteilte.

Landesinnenminister Holger Stahlknecht (CDU) betonte, als Folge des Anschlags auf die Unterbringung der Migranten zu verzichten, wäre "eine Kapitulation des Rechtsstaates". "Wir haben das Erforderliche zu tun, um eine möglichst große Sicherheitslage für die Menschen herzustellen." Gleichwohl wies er darauf hin, eine 100-prozentige Sicherheit werde niemand versprechen können, weder hier noch woanders."

Bessere Aufklärung über Flüchtlinge gefordert

Politiker und Kommunen plädieren nach dem Anschlag in Tröglitz für eine bessere Aufklärung über die Flüchtlingspolitik. "Solidarität ist sichtbar, aber es gibt auch Ängste vor Fremden", machte der Präsident des Deutschen Städtetags, Ulrich Maly (SPD), deutlich. Toleranz lasse sich nicht von oben verordnen, "aber wir müssen Tag für Tag dafür werben". Damit Ängste abgebaut werden könnten, müssten Kirchen und Religionsgemeinschaften, Parteien, Gewerkschaften und Politiker auf allen Ebenen eingebunden werden.

Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) forderte, die Bevölkerung stärker mit einzubinden. Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg regte an, Bund, Länder und Kommunen sollten ein Lage- und Kommunikationszentrum einrichten. Hier sollten Informationen gesammelt, aufbereitet und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Bereits sechs Übergriffe

Nach einer Bilanz des Landesinnenministeriums gab es 2014 in Sachsen-Anhalt acht Übergriffe auf Unterkünfte von Asylbwerbern. In diesem Jahr waren es samt Tröglitz bereits sechs. Gezählt wurden auch Schmierereien.

In Tröglitz selbst machen seit Monaten Rechtsextreme Stimmung gegen Flüchtlinge. Wegen der Anfeindungen und aus seiner Sicht mangelnder Unterstützung war im März Bürgermeister Markus Nierth (parteilos) zurückgetreten.

se/sti (dpa, epd, kna)

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