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Aktuell Europa

Ermittler zweifeln an Mafia-Theorie

Bei der Explosion des Sprengsatzes vor einer Berufsschule in der süditalienischen Hafenstadt Brindisi wurde eine 16-jährige Schülerin getötet. Ob die Tat auf das Konto der Mafia geht - darüber herrscht Uneinigkeit.

Der Anti-Mafia-Staatsanwalt Cataldo Motta sagte, das Attentat trage nicht die Handschrift des organisierten Verbrechens, weil bei der Bombe Benzin und nicht - wie bei der Mafia üblich - Dynamit verwendet worden sei. Auch Italiens Polizeichef Antonio Manganelli sprach von Zweifeln an der Mafia-Theorie. Er könne sich an keinen Fall erinnern, in dem die organisierte Kriminalität wahl- und ziellos Kinder getötet habe. "Es scheint unglaublich, aber es ist ein Attentat, das sich möglicherweise auf die Tat eines Gedankenlosen zurückführen lassen könnte", hieß es laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa aus Ermittlerkreisen. Mehr sei jedoch nicht mitgeteilt worden.

Innenministerin Anna Maria Cancellieri sagte, die Ermittler hätten zu diesem Zeitpunkt noch keine Hinweise darauf, dass der Anschlag ein Werk der Mafia sei. Der Bürgermeister der Stadt Brindisi hatte zunächst die Mafia für den Anschlag verantwortlich gemacht. "Die erste Vermutung ist, dass wir es hier mit einer beispiellosen Attacke der organisierten Kriminalität zu tun haben", so Bürgermeister Mimmo Consales kurz nach dem Anschlag.

Video ansehen 01:34

Brindisi: Bombenanschlag schockt Italien

Die Bombe explodierte am Samstag gegen 7.45 Uhr am Eingang der Berufschule für Mode, als die Schülerinnen auf dem Weg zum Unterricht waren. Eine 16-Jährige starb, mindestens sieben ihrer Mitschüler wurden nach Behördenangaben verletzt. Augenzeugen sprachen nach dem Anschlag von einem Inferno. Viele der Auszubildenden standen unter nach dem Anschlag, der weithin zu hören war, unter Schock, berichteten Rettungskräfte. An der Schule und an umliegenden Gebäuden zersplitterten Fenster und in der Umgebung der Schule lagen zerfetzte Schulhefte und angekohlte Bücher verteilt.

Offenbar war die aus drei miteinander verbundenen Gaskartuschen gebaute Bombe auf einer kleinen Mauer an einem Müllcontainer in der Nähe des Schuleingangs deponiert. Sie wurde mit einem Zeitzünder ausgelöst.

Regierung verspricht Härte

Staatspräsident Giorgio Napolitano sprach von einem barbarischen Akt. Italiens Ministerpräsident Mario Monti sagte am Rande des G-8-Gipfels im amerikanischen Camp David, seine Regierung sei entschlossen, ein Wiederaufflammen politischer Gewalt zu verhindern. Erst vor wenigen Tagen hatte die Regierung in Rom angekündigt, die Sicherheitsmaßnahmen landesweit zu verstärken. Hintergrund war ein Anschlag auf den Manager einer Atomfirma sowie eine Reihe an die Finanzbehörden adressierte Briefbomben. Zu den Anschlägen hatten sich Anarchisten bekannt. Die Fahnen an den öffentlichen Gebäuden in Italien wurden für die kommenden Tage auf Halbmast gesetzt

Name der Schule ist Programm

Die Modeschule, vor der jetzt der Sprengsatz detonierte, ist nach Francesca Laura Morvillo-Falcone benannt, der Ehefrau des als Mafia-Jäger bekannten Richters Giovanni Falcone. Beide waren vor fast genau vor 20 Jahren, am 23. Mai 1992, von er Mafia auf Sizilien ermordet worden.

qu/pg (dpa, afp, dapd)

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