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Aktuell Deutschland

Ermittler: Feuer in Tröglitz mutwillig gelegt

Der Verdacht stand sofort im Raum, als das geplante Asylbewerberheim in Tröglitz brannte - jetzt ermittelt der Staatsschutz wegen politisch motivierter Brandstiftung.

Das Feuer in einem Asylbewerberheim im sachsen-anhaltinischen Tröglitz ist nach Erkenntnissen der Ermittler vorsätzlich gelegt worden. Wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten, drangen offensichtlich eine oder mehrere Personen in das Haus ein und lösten den Brand aus, höchstwahrscheinlich mit Hilfe von Brandbeschleunigern.

Da sich zum Tatzeitpunkt in dem Gebäude zwei deutsche Bewohner aufhielten, könne auch ein versuchtes Tötungsdelikt nicht ausgeschlossen werden. "Es ist definitiv besonders schwere Brandstiftung", sagte Staatsanwalt Jörg Wilkmann auf einer Pressekonferenz in Halle. Es handele sich um eine gemeingefährliche Straftat schlimmster Art.

Von Nachbarn gewarnt

Bei dem Brand in der Nacht zum Samstag wurden der gesamte Dachstuhl beschädigt sowie weitere Teile des Hauses in Mitleidenschaft gezogen. Das Gebäude, in dem ab Mai 40 Asylbewerber untergebracht werden sollten, ist derzeit unbewohnbar. Ein deutsches Paar, das in dem ansonsten noch leerstehenden Haus wohnte, wurde von Nachbarn rechtzeitig gewarnt und konnte unverletzt seine Wohnung verlassen.

Wegen des vermuteten ausländerfeindlichen Hintergrunds der Tat nahm auch der Staatsschutz Ermittlungen auf. Das Landeskriminalamt und die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd bildeten eine gemeinsame Ermittlungsgruppe, um, wie es hieß, "mit Hochdruck" die Aufklärung der Tat voranzutreiben.

Pressekonferenz mit Ministerpräsident Reiner Haseloff, Innenminister Holger Stahlknecht und dem Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich (v. r. n. l.) (Foto: dpa)

Ministerpräsident Haseloff, Innenminister Stahlknecht und der Landrat des Burgenlandkreises, Ulrich (v. r. n. l.)

"Feige und abscheulich"

Der mutmaßliche Brandanschlag sorgt deutschlandweit für Empörung. Bundesjustizminister Heiko Maas äußerte sich schockiert: "Wenn Flüchtlingsheime brennen, ist das beschämend", sagte der SPD-Politiker der Zeitung "Welt am Sonntag".

Bundesinnenminister Thomas de Maizière sagte der Deutschen Presse-Agentur, wenn sich der Verdacht der Brandstiftung bestätigen sollte, sei dies eine "feige und abscheuliche Tat". Die Täter gehörten "hinter Schloss und Riegel". Menschen, die in Deutschland Schutz suchten, müssten friedlich und sicher leben können. "Unsere Sicherheitsbehörden sind fest entschlossen, das hierfür Notwendige zu tun."

"Davon wird Tröglitz sich nie erholen"

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff erklärte, er sei "tief betroffen und wütend". Haseloff würdigte das Engagement der Bürger, die sich gegen die Rechtsextremen stark gemacht hatten. "Jetzt wollen wir zeigen, dass das bürgerschaftliche Engagement steht und dass wir alles dafür tun werden, dass wir die Flüchtlinge wie geplant unterbringen können."

Der zuständige Landrat will auch nach dem Brand an der geplanten Unterbringung von Asylbewerbern in der Kleinstadt festhalten. "Es bleibt dabei, Tröglitz bekommt 40 Asylbewerber", sagte Landrat Götz Ulrich gegenüber Spiegel Online. "Wir dürfen jetzt nicht einknicken und zurückziehen."

Der zurückgetretene Bürgermeister von Tröglitz, Markus Nierth, zeigte sich ebenfalls entsetzt über das Feuer. "Davon wird Tröglitz sich wohl nie erholen", sagte er dem Berliner "Tagesspiegel". Er sei "fassungslos, traurig und wütend zugleich." Den Brand nannte er "eine bleibende Schande", die "noch viele unabsehbare Folgen" haben werde. Nierth rief kurzfristig zu einer Demonstration für ein weltoffenes Tröglitz auf. Daran beteiligten sich am Nachmittag etwa 300 Menschen. Mehrere Redner aus Politik, Vereinen und Kirchen warben für ein Zeichen gegen Hass und Ausgrenzung.

Bürgermeister bedroht

Bereits vor Wochen war der Ort im Burgenlandkreis in die Schlagzeilen geraten, als Nierth zurücktrat. Der Bürgermeister und seine Familie waren wegen der Asylbewerberunterkunft von Rechtsextremen bedroht worden. Gegen die geplante Aufnahme von Flüchtlingen gibt es in dem Ort seit längerem Proteste, die von der rechtsextremen Partei NPD angeführt werden.

In den vergangenen Monaten haben in Deutschland schon zweimal so gut wie bezugsfertige Flüchtlingsunterkünfte gebrannt: am 12. Dezember im mittelfränkischen Vorra und am 9. Februar in Escheburg bei Lübeck.

jj/kle (dpa, afp, epd)